Zum Artikel von Martina Madner, 19. Juni

Rollenbilder und Gewaltbeziehungen

Nachdem ich 32 Jahre mit weiblichen Jugendlichen in der stationären Jugendhilfe gearbeitet habe, sehe ich einen zusätzlichen Aspekt in der Psychodynamik von Gewaltbeziehungen. Viele Mädchen fühlen sich von Burschen angezogen, die äußerlich attraktiv, aber bei genauerem Blick schwer narzisstische Persönlichkeiten sind. Umgekehrt werden nette, keine überhöhte Selbstsicherheit ausstrahlende Burschen als "fad" eingestuft.

Es fehlt das Erleben von Männern, die gewaltlos stark sind. Deshalb bin ich schon lange der Meinung, dass in Frauenhäusern auch Männer als Betreuer arbeiten sollten, damit sich die Frauen von den fixierten, toxischen Rollenbildern befreien können.

Mag. Alfred Zopf,

1130 Wien

Umstrukturierung
im Heeresressort

Nicht berührt wird das österreichische Problem, die Neutralität mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen, wie es verfassungsgesetzlich vorgeschrieben ist. Dabei ist jenen merkwürdigen Auslegungen dieser Bestimmung zu begegnen, die das Maß der zur Verfügung stehenden Mittel an den politischen Willen des Finanzministers knüpfen.

Mir scheint die politisch bevorzugte Lösung jene zu sein, die davon ausgeht, dass unsere Nachbarstaaten uns in Zukunft mit keiner kriegerischen Auseinandersetzung konfrontieren werden. Aber: Bei einer immerwährenden Neutralität wird uns kein Nachbarstaat gegen andere fremde Mächte schützen. Wir bräuchten daher moderne Bewaffnung und mindestens 30 Abfangmaschinen mit Nachtflugberechtigung und Raketenbewaffnung, von denen zu jeder Zeit 15 in der Luft zu sein hätten. Siehe auch einen Vergleich mit der Schweiz. Dass Konflikte auf Europa übergreifen werden, ist absehbar.

Dr. Heinrich Geuder,

1030 Wien

Keine Parteisoldaten
nach der Heeresreform

Das österreichische Bundesheer hat mit fast 10.000 Zivilbediensteten und mehr als 100 Generälen beziehungsweise Gleichgestellten eine großzügige Verwaltungsorganisation. Positiv an der angekündigten Reform ist, dass man diesmal die Zentralstelle und nicht die Truppe verkleinern will. Negativ ist, dass von den künftigen drei Sektionen zwei von Zivilpersonen geführt werden sollen. Ich hoffe, dass keine "Parteigänger" zu Sektionschefs ernannt werden.

Der Werdegang von Spitzenbeamten wird häufig parteipolitisch begleitet, wogegen militärische Führungskräfte bestimmte Funktionen durchlaufen. Eine nachhaltige Verteidigungspolitik braucht keinen Einfluss durch sprunghafte Parteipolitik, und ein militärisches, sicherheitspolitisches Verständnis der Amtsträger sollte kein Nachteil sein.

Oberst i.R. Kurt Gärtner,

4600 Wels