Plastikblumen und Menschlichkeit

Triggerwarnung: Im Folgenden geht es um Menschlichkeit und Empathie. Wem es schwerfällt, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, der sollte hier nicht lesen.

"Es darf keine Entwertung der Staatsbürgerschaft geben." Unser Bundeskanzler hat vor ein paar Tagen den Mut zu dieser Aussage gefasst. Ich sage bewusst Mut, weil Mut für mich bedeutet, zu wissen, dass das, was man sagt, dumm sein könnte, es aber trotzdem auszusprechen. In diesem Fall tut es auf der menschlichen Ebene sogar richtig weh. Denn wir interessieren uns immer nur für die Dinge, die uns selbst betreffen. Corona zum Beispiel.

Ich möchte diese durchaus tragische Pandemie nicht ins Lächerliche ziehen, aber ich will damit sagen: Armut, Krieg und Schutzlosigkeit sind nicht ansteckend. Würde man an diesen Problemen so intensiv arbeiten wie am Covid-19-Impfstoff, dann gäbe es viel weniger Leid auf dieser Welt.

Dem Bundeskanzler geht es zum Glück gut. So wie mir und vielen anderen Österreicherinnen und Österreichern auch. Und kaum blüht irgendwo ein wenig Hoffnung für die Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns, wird sie wie Unkraut vernichtet. Bei allem Respekt, den ich vor dem Herrn Bundeskanzler habe: Ich bin Maturantin, 18 Jahre alt und finde es echt traurig, das Bedürfnis zu haben, ihm erklären zu müssen, dass er nicht zu kurz kommt, nur weil er den Zugang zu etwas erleichtert, das er doch selbst schon besitzt.

Außerdem: Bei meiner diesjährigen Reifeprüfung gab es ja auch "Erleichterungen" - entwertet das jetzt mein Maturazeugnis? Die zwölf Jahre Schulbesuch, meine entsprechenden Leistungen, meine Intelligenz? Also: Wenn man die bisherigen Anforderungen für die österreichische Staatsbürgerschaft erfüllt wie all die anderen Jahre zuvor und diese als Drittstaatsangehörige/r statt nach zehn bereits nach sechs Jahren beantragt - wo ist das Problem?

Außerdem sagt der Kanzler, dass man schon etwas leisten müsse, um sich die Staatsbürgerschaft zu verdienen. Aber warum durfte mein Baby-Ich bedingungslos Österreicherin sein - und andere Babys dürfen nicht? Warum handelt es sich bei der selbstverständlichen Staatsangehörigkeit eines neugeborenen Kindes, bei dem sich ein Elternteil bereits seit mindestens fünf Jahren legal in Österreich aufhält, um eine "Entwertung" der Staatsbürgerschaft?

Meine ausländische Straßenhündin hat leicht einen österreichischen Ausweis bekommen. Bitte nicht falsch verstehen, es ist toll, dass wir die Möglichkeit haben, Tiere aus dem Ausland zu adoptieren und damit zu retten - aber ist es nicht traurig, dass Tiere eher in Österreich ein Zuhause finden als Menschen?

Ich glaube, ich weiß, was Kanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz stört: Die Kinder von heute werden die Wählerinnen und Wähler von morgen sein. Wenn man nun die Idee fördert, in Österreich geborenen Kindern mit ausländischen Anteilen automatisch die Staatsbürgerschaft zuzusprechen, würde sich die Anhängerschaft seiner Partei reduzieren. Ich finde es wirklich erschreckend, dass die eigenen politischen Interessen gegenüber Schutz, Sicherheit und Zugehörigkeit anderer Menschen, deren Wunsch es ist, sich in Österreich ein neues Leben aufzubauen, priorisiert werden.

Aber die traurige Realität ist, dass Menschen mit Menschlichkeit in Wahrheit leider genauso viel zu tun haben wie Plastikblumen mit echten Blumen. Triggerwarnung Ende.

Melina Papadopoulos,

per E-Mail

Tote in Würzburg
nach Messerattacke

Wie kann ein Mensch, der bereits mehrfach durch Gewalttätigkeiten auffällig wurde und zwangsweise in eine Anstalt eingewiesen worden ist, durch die Stadt laufen und auf Passanten einstechen? Wieder einmal haben die Behörden in Deutschland versagt. Traurig, dass durch dieses Versagen immer wieder unschuldige Menschen ums Leben kommen. Warum solche Gewalttäter nicht sofort abgeschoben werden, wird ein Geheimnis bleiben.

Ernst Pitlik,

1220 Wien

Italiens knapper
EM-Sieg über Österreich

Diese 120 Minuten in der Fußballkathedrale in Wembley waren eine spannende Zeremonie. Diese zwei souveränen Tormänner! Wie Balletttänzer mit Adleraugen und mit superreflexiven Flügelschlägen. All die Köpfler-Stafetten vor den Toren. Souveräne rot-weiß-rote Stürmer mit Pechsträhne. Eine hochkonzentrierte Abwehr, wie eine geschmiedete Kette. Und dann drei königliche Tore in der dramatischen Verlängerung.

Das italienische Führungstor weckte Erinnerungen an die Ballkünstelei eines Diego Maradona. Das eine österreichische Kopfballtor, aus Grashalmhöhe hineinbalanciert! Ein gegnerischer Trainer, der sein Reservepool aushöhlen musste, um ganz Italien aus der Erstarrung zu befreien. Intelligente Interviews zum Spielende.

Es waren zwei oder drei sekundenhafte Kleinigkeiten, die das Spiel entschieden haben. Letztlich ein historisches Spiel, mit zwei aufrechten Siegern. Auch ein Friedenssymbol.

Fritz Baumgartner,
4222 St. Georgen/Gusen