Bedeutung der Neutralität für den neuen Außenminister

Aufmerksam hörte ich die Erklärungen des neuen Außenministers Michael Linhart. Er führte zwar seine Sicherheitshoffnungen durch die laufende Kooperation des Bundesheers mit der Nato aus, aber er erwähnte mit keinem Wort das Interesse an einer aktiven Neutralität Österreichs. Das ist sehr beunruhigend. Sind die militärischen Misserfolge in der Welt nicht ausreichend, um eine Friedenspolitik auch des kleinen Österreichs zu bewirken?

em.Univ.Prof. H. Peter Degischer,

1040 Wien

Die Chatverläufe bei
anderen Parteien

"Gebt’s alle eure Handys ab!" Das schlug der ÖVP-Abgeordnete Gabriel Obernosterer in der Parlamentssitzung am Dienstag vor. Und er ergänzte: "Da möchte ich wissen, wer von euch noch mit erhobenem Kopf da hereingeht. Ihr wisst ja alle selber, was geschrieben wird."

Welches Sittenbild würden uns andere Parteien bei einer Veröffentlichung ihrer Chatverläufe liefern? Interessant ist, dass das gesamte Plenum bei diesem Vorschlag nahezu in Schweigen verharrte. Vergeblich wartete der Zuschauer auf Proteste oder auf Applaus. Nicht einmal der sonst so wortgewaltige Herbert Kickl rang sich zu einem Empörungsruf durch.

Herr Obernosterer, welche Informationen haben Sie, dass Chatverläufe in anderen Parteien ein ähnliches Sittenbild ergeben wie das uns mittlerweile bekannte innerhalb der türkisen ÖVP-Regierung? Um weitere Informationen wird höflich ersucht.

Mag. Gerhard Kohlmaier,
1020 Wien

Zum Interview von Michael Ortner, 8. Oktober

Energieverschwendung
bei der Straßenbeleuchtung

Danke für das erhellende Interview mit Keywan Riahi. Doch auch hier steht das Einsparungspotenzial bei Energie nicht im Blickpunkt. Wenn ich nächtens mit meinem Hund Gassi gehe, werde ich von den Straßenleuchten fast geblendet. Wenn Astronauten von der Raumstation auf die Erde blicken, sehen sie eine Unmenge strahlender Lichtpunkte. Straßenbeleuchtung und Werbung verschlingen weltweit eine Unmenge an Energie.

Es wäre dringendst anzuraten, diese Verschwendung einzustellen! Erstens durch Dimmen der Beleuchtung auf das Maß ihres notwendigen Einsatzbereiches; zweitens durch die Koppelung an Bewegungsmelder, welche die Straßenbeleuchtung dem Bedarf entsprechend einschalten. Dies in Verbindung mit den derzeit laufenden Versuchen zu Verbesserungen im Energiespeichersektor könnte einiges bewirken.

Thomas Fernbach,

per E-Mail

Zum Artikel von Michael
Schmölzer, 2. Oktober

Zur Österreich-Ausstellung
im ehemaligen KZ Auschwitz

Der Artikel insinuiert, dass SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, einer der zentralen NS-Schreibtischtäter der Deportation und Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden in der Shoah, Österreicher gewesen sei. Das ist falsch. Eichmann wurde 1906 in Solingen im Deutschen Reich geboren, übersiedelte zwar mit seinen Eltern später nach Linz, nahm aber nie die österreichische Staatsbürgerschaft an. Es liegt kein Hinweis vor und es wäre auch unwahrscheinlich, dass er sich jemals als Österreicher fühlte oder bezeichnete.

Ferner deutet der Artikel an, Österreich sei laut dem aktuellen "Geschichtsbild der Republik" kein Opfer des Nationalsozialismus gewesen. Das ist in doppelter Hinsicht unrichtig. Zum einen, weil Österreich unzweifelhaft das erste Land war, das der Aggressionspolitik Hitler-Deutschlands "zum Opfer fiel", wie die Alliierten in der Moskauer Deklaration vom 1. November 1943 erklärten. Zum anderen, weil weder Regierung noch Wissenschaft dies in Abrede stellen.

Den Opferstatus der Republik Österreich belegen etwa die dem "Anschluss" vorangegangene Erpressungspolitik durch das nationalsozialistische Deutsche Reich, die NS-Terrorwelle, der Putschversuch 1934, das Berchtesgadener Diktat und der militärische Einmarsch 1938; weiters die Einkerkerung, Verfolgung und Folter von Vertretern der politischen Elite Österreichs, die Ermordung tausender Österreicherinnen und Österreicher sowie die Verwicklung des Landes in die Verbrechen des Holocaust.

Das kann und darf nicht überdecken, dass ab 1938 infolge der verbrecherischen NS-Ideologie, des deutschen Angriffskrieges und deutscher Anordnungen hunderttausende Menschen aus Österreich teils aus Befehlsnotstand, teils aber auch aus Überzeugung und sogar Begeisterung zu Mitwissern, Instrumenten, Komplizen und Mittätern von NS-Verbrechen wurden. Auch diese Fakten, diese Verbrechen, diese Rolle von Menschen aus Österreich und die daraus resultierende Verantwortung können und dürfen nicht geleugnet, verschwiegen oder beschönigt werden.

Dass Österreich sowohl Opfer als auch Herkunftsland von Opfern und von Tätern war, wurde von Österreich offiziell anerkannt. Auch auf der Zusatztafel in der Österreich-Ausstellung in der Gedenkstätte im ehemaligen NS-Zwangsarbeits- und Ermordungslager Auschwitz wurde nicht erklärt, dass der Opferstatus nicht dem Geschichtsbild der Republik entspreche, sondern dass eine einseitige Darstellung Österreichs "nur" als Opfer "unter Ausblendung der Mittäterschaft" vieler Menschen aus Österreich an NS-Verbrechen nicht korrekt sei.

Es wäre ein Irrtum, den Opferstatus Österreichs in einen Gegensatz zur Mitschuld von Menschen aus Österreich zu stellen. Wissenschaftlich steht beides außer Zweifel. Österreich war weder "nur" Opfer, noch war es "kein" Opfer. Es wäre wichtig, dass die österreichischen Medien diese sich binären Schemata entziehende, etwas komplexere historische Realität korrekt wiedergeben.

Univ.Prof. Dr. Wolfgang Mueller,

per E-Mail