Zum Gastkommentar von
Peter Moeschl, 6. November

Keine Dienstleistung
wie andere auch

Jede und jeder werde jemanden kennen, der an Covid verstorben sei, verkündete der damalige Kanzler Sebastian Kurz sinngemäß am Beginn der Pandemie. Zu Recht, scheint mir. Lange waren es nur Geschichten von an Covid verstorbenen Bekannten der Bekannten. Inzwischen kenne ich auch selbst einen. Und noch schlimmer: Ich kenne traurigste Geschichten von Menschen, deren Schlaganfall wegen Covid nicht behandelt oder deren Herzoperation verschoben wurde.

Die Debatte, die Peter Moeschl anspricht, ist dringlich. Wie möchte ich, dass mit mir verfahren wird? Wie viel öffentliche Güter und Solidarität nehme ich in Anspruch? Und das bezieht sich nicht nur auf die Intensivbehandlung: Wie gehen wir mit Long-Covid bei Impfverweigerung um? Wer bezahlt die Reha, welche Ansprüche bestehen bei Berufsunfähigkeit?

Die Errungenschaften des Wohlfahrtsstaates sind erkämpft und erlitten. Die öffentliche Gesundheitsversorgung ist keine Dienstleistung, die aus sich besteht. Ein konsumierender Zugang bedeutet das Ende der Errungenschaften des Sozialstaates. Die Haltung "Geben ist seliger als Nehmen" scheint sich verkehrt zu haben, und eben nicht nur bei einigen politischen Repräsentanten.

Dr. Ingrid Wagner,

6020 Innsbruck

Die Hilflosigkeit der Afrikanischen Union

Die Afrikanische Union (AU) wurde 2002 auf Initiative des damaligen libyschen Staatschefs Oberst Gaddafi gegründet und später westlichen Prinzipien angepasst. Sie hat 53 Mitgliedstaaten und umfasst alle afrikanischen Länder mit Ausnahme von Marokko. Sicherheitspolitisch ist der Friedensrat von großer Bedeutung. Er ist unter anderem für eine gemeinsame Sicherheitspolitik zuständig.

Aktuelle Konfliktherde in Afrika wie Mali, Sudan und Äthiopien zeigen die Hilflosigkeit der AU. Dort entstehen humanitäre Katastrophen und Flüchtlingsströme bewegen sich nach Europa. In Äthiopien dauert der Konflikt zwischen der Regierung und den Rebellen TPLF schon ein Jahr. Beinahe zwei Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht, und 400.000 Menschen in Tigray leiden an Hunger. Die Rebellen jagen die Regierungsarmee vor sich her und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wie lange sich der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed an der Macht halten kann.

Dem schrecklichen Treiben auf beiden Seiten schaut die AU zu, und die Bevölkerung ist verzweifelt, weil Friede nicht in Sicht ist.

Oberst i.R. Kurt Gärtner,

4600 Wels