Die lebensgefährliche
Fahrt über das Meer

Man mag mich für naiv halten, aber ich kann und will den Glauben an so etwas wie humanitäres Verhalten und Lernen aus den Fehlern der Vergangenheit nicht aufgeben. Man ist bestürzt über die Zahl der auf der Flucht ums Leben Gekommenen, konkret derzeit im Ärmelkanal. Und als Erstes kommt tatsächlich die Forderung nach Grenzsicherung? Und erst weit danach die Idee, legale Fluchtmöglichkeiten zu schaffen - doch dies ist und bleibt die einzige und auch machbare und notwendige Maßnahme. Von Lösung möchte ich gar nicht sprechen ... Und trotzdem kann und muss man es versuchen!

Dr. Helga Künzl,

1060 Wien

Umsichtiges Verhalten
und auch Optimismus

Die Devise sollte sein: Optimismus statt Corona-Pessimismus! Versagensauflistung und Impfverweigerer-Berichte bringen uns nicht weiter. Die weitblickende Haltung des Wiener Bürgermeisters ist positiv zu vermerken, wenngleich sie das Virus auch nicht verscheuchen konnte: Denn was hilft die klügste Verordnung, wenn sie bei der breiten Bevölkerung zu wenig Anklang findet?

Wir müssen vertrauend impfen gehen, wir müssen Masken tragen, wir müssen unser Gegenüber gegebenenfalls auf Distanz halten. Die schmerzliche Ultima Ratio Lockdown geht vorbei, und das nächste Frühjahr, mit seinen die Pandemie eindämmenden Effekten, kommt bestimmt.

Wolfgang Riemer,

per E-Mail

Argumente für eine Covid-Impfpflicht

"Mein Körper gehört mir, daher gilt für mich keine Impfpflicht" - das wurde bereits vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte entlarvt. Die Abwägung zwischen individueller körperlicher Unversehrtheit und Autonomie einerseits und kollektiven Interessen zum Schutz von Leben und Gesundheit andererseits darf Österreich zugunsten der öffentlichen Interessen im Sinn der Impfpflicht entscheiden. Ausnahme: medizinische Gründe.

Entscheidend ist die Verhältnismäßigkeit, wozu noch der Schutz Vulnerabler, die sich nicht impfen lassen können, und die Verringerung der Dauer der Infektiosität gegenüber Nichtgeimpften gehören, wodurch Übertragungsrisiken reduziert werden. Dies entlastet die intensivmedizinische Kapazität des Gesundheitssystems.

Dr. Ewald Maurer,

per E-Mail

Zur Kolumne von Ernest G.
Pichlbauer, 25. November

Widerstand in einer verunsicherten Gesellschaft

Ernest G. Pichlbauer hat recht mit seiner Kritik, dass das Lernen aus Fehlern oder von anderen Ländern in Österreich nicht sehr gut funktioniert. Aber ob eingeschworene Impfgegner durch rationale Argumente jemals überzeugbar waren und sind? Die wenigen in meinem Bekanntenkreis waren es von Anfang an nicht.

Warum sich gerade an der Corona-Impfung diese aufgeganselte Widerstandsbewegung manifestiert hat, hängt wohl eher mit einer tiefen, zum Teil berechtigten Grundverunsicherung zusammen: siehe die ungleiche Vermögensverteilung, die Verarmung der Mittelschicht, die Verringerung der Kaufkraft der Gehälter - ganz abgesehen von der Klimakrise ...

Dr. Dieter Scholz,

1040 Wien

Zum Artikel von Karl Ettinger,
26. November

Warum es so stark an Lehrpersonal mangelt

Drückender Mangel an Lehrenden beschränkt sich nicht nur auf Wien. Alle Bundesländer berichten von ähnlichen Personalproblemen. Woraus resultiert dieser Missstand?

1. Unter Führung der Universitäten wurden die bisher in den Pädagogischen Akademien verankerten Lehramtsstudien akademisch umgebaut und zum Teil an die neu gegründeten Pädagogischen Hochschulen ausgelagert.

2. Zur Einrichtung der Lehramtsstudien an Pädagogischen Hochschulen wurden die bis dahin für sechs Semester vorhandenen Ressourcen auf mindestens acht Semester verteilt.

3. Zur Lösung dieser Milchmädchenrechnung wurden die bisherigen Praxisanteile empfindlich gekürzt.

4. Die Ausbildung zum Lehramt an Sonderschulen wurde zu einem gering dotierten Studienschwerpunkt "Inklusive Pädagogik" eingedampft.

5. Die vor wenigen Wochen angekündigten marginalen Änderungen der geltenden Studienpläne versprechen keine Abhilfe.

6. Die Pensionierungswelle und Burnouts vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie vergrößern die Personallücken allerorten.

Die Bildungsdirektionen stellen nunmehr Studierende im laufenden Bachelorstudium und "Seiteneinsteiger" (Personen mit nicht näher definierten pädagogischen Fähigkeiten) an, die die Lücken nur ungenügend schließen können. Über die geplanten Maßnahmen zum Ausbau der Personalressourcen hüllt sich das Bildungsministerium in Schweigen. "Koste es, was es wolle" gilt leider nicht für die Zukunft der Schule!

Dr. Manfred Teiner,

1230 Wien