Warum wird jemand "Wissenschafter des Jahres"?

Der Komplexitätsforscher Peter Klimek wurde zum "Wissenschafter des Jahres 2021" gewählt. Warum? Kommuniziert er besser als andere Wissenschafter, die ebenfalls wegen der Pandemie häufig von Medien befragt werden? Am 11. Jänner hörte ich gespannt zu, als Klimek im Radio Ö1 zu Gast war. Meine Spannung ließ rasch nach: Klimeks Antworten bewegten sich auf grundsätzlicher Ebene, was er sagte, war reflektiert, aber nicht mitreißend.

Klimek erregte im November Aufsehen durch seine Reaktion auf die Kritik von Landeshauptmann Wilfried Haslauer an Virologen. Könnte es sein, dass Wissenschaftsjournalisten bei ihrer Wahlentscheidung darauf achten, welcher Forscher durch eine plakative, kritische Aussage aufgefallen ist?

Dr. Franz Graf-Stuhlhofer,

1190 Wien

Zwei grundverschiedene Aspekte des Lobautunnels

Der Konflikt um die Lobau hat mehrere Seiten. Die eine ist die Frage nach der Zukunft des Verkehrs, dessen möglichen Alternativen und auch zumindest teilweiser Einschränkung. Ob man den Lobautunnel will oder nicht, ist dort zu entscheiden.

Das aber mit der "Rettung der Lobau" zu verknüpfen, ist inhaltlich (geologisch und hydrogeologisch) falsch. Der Lobautunnel wurde gerade deshalb in 50 bis 60 Metern Tiefe geplant, um die Grundwässer der Lobau nicht zu berühren, sondern ihn in den wasserdichten Formationen des Wiener Tegels vorzutreiben.

Es wäre für die streitenden Parteien und auch für die Journalisten ratsam, diese Dinge auseinanderzuhalten.

Dr. Ewald H. Tentschert,

6063 Rum

Qualitätskriterien auch
im politischen Diskurs

Unsere Demokratie wird durch geduldete Sprachregelungen und kritiklos akzeptierte Argumentationsstereotypen nachhaltig geschwächt. Minister etwa gebrauchen gerne die Killerargumente "Wie wir alle wissen", "Man hat errechnet" oder "Internationale Studien beweisen".

Ich unterstelle manchen Medienmitarbeitern ein Versagen, da sie derartige Stereotypen nicht hinterfragen oder Beweise für solche Behauptungen verlangen. Nur in diesem Umfeld der Duldung wird beispielsweise die undurchsichtige Datenerfassung im Gesundheitssystem nicht hart und konsequent kritisiert.

Erfolgreiche Organisationen definieren anspruchsvolle Ziele, die mit den zur Verfügung gestellten Mitteln auch realistisch erreichbar sind. Die Messkriterien der Zielerreichung werden vorab klar definiert. Eine Staatsverwaltung wird ohne Qualitätssicherungssysteme nicht kosteneffizient die Aufgaben lösen und zukünftige Entwicklungen proaktiv gestalten können. Auch Parteiprogramme wären meiner Meinung nach nur dann legitim, wenn diese mit messbaren Kriterien ausgestattet sind.

Kurt Huber,

per E-Mail