Putin handelt aggressiv
und unkalkulierbar

Wladimir Putin will die seinerzeitige Größe der Sowjetunion wiederherstellen. Sein konkretes Ziel ist es zunächst, dass die ehemaligen Gebiete der UdSSR nur eine beschränkte Souveränität genießen dürfen und der russischen Oberherrschaft unterstehen. Von Kasachstan bis Weißrussland ist ihm das schon gelungen. Jetzt will er es noch mit der Ukraine versuchen. Von den baltischen Staaten, die der Nato beigetreten sind, verlangt er wenigstens deren Demilitarisierung.

Wie umzugehen in Zeiten der Atomrüstung mit einem ernsten Konflikt der Großmächte? Nachgeben? Wie lange? Wirtschaftliche und finanzielle Sanktionen werden kaum viel bringen. Die Erfahrung zeigt, dass ein Aggressor, dem nachgegeben wird, mit seinen Forderungen immer weiter geht. China könnte sich an Russland ein Beispiel nehmen: Es hat bei Hongkong angefangen und will sich nun Taiwan zuwenden.

Dr. Peter F. Lang,

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Sicherheit entsteht aus gegenseitigem Vertrauen

Wladimir Putin fordert Sicherheit ein im Namen des russischen Volkes. Doch was ist Sicherheit und woraus erwächst sie?

Sicherheit im Leben wie in der Politik entspringt aus Vertrauen. Vertrauen vermag nur jemand auszustrahlen, der selbst sicher erscheint. Zugleich ist uns allen nur zu bewusst, wie sehr wir Menschen ständiger Verwandlung unterliegen. Diese Verletzlichkeit macht uns zu sozialen Wesen. So wie jeder jedem gleichermaßen Rückhalt zu geben vermag wie er umgekehrt dessen bedarf, so auch im Verhältnis der Nationen - seien sie groß, seien sie klein.

In den Umbrüchen der letzten Jahrzehnte sind wir alle dabei, unsere Seele zu verlieren: der Westen seinen Traum von Freiheit und Demokratie, Russland den Glauben an sich selbst - und das politische Österreich ringt darum, als kleines, aber neutrales Land auf seine brückenbildende Kraft zu vertrauen. Und die Herausforderungen werden weiter wachsen.

Wladimir Putin will Sicherheit! Dies kann nur eine Sicherheit sein, die wir uns gegenseitig zu geben bereit und im Stande sind. Es ist an der Zeit, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und sich bewusst zu machen, wie sehr wir einander in Zukunft brauchen werden. Auf Augenhöhe: die USA, Europa, Russland und in einem weiteren Schritt auch andere Weltregionen. Setzen wir uns zusammen, in Wien, reden wir miteinander und zeichnen wir Wege, die unsere Völker nicht nur in die Zukunft, sondern auch zueinander führen.

Karl Pangerl,

per E-Mail

Zum Gastkommentar von
Franz Nauschnigg, 20. Jänner

Der Verkehr in Wien
muss neu gestaltet werden

Gibt es neuerdings eine Berufsausbildung für Klimaschützer? Franz Nauschnigg vergisst die Zielsetzungen der Stadt Wien betreffend Klimaschutz und Modal Split samt Empfehlungen des Wiener Klimabeirats: Nein zu
Lobautunnel & Co. Unterschlagen werden auch die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte und der Gegenwart im 21. und 22. Bezirk. Klar ist auch, dass ein grundsätzlicher Wandel stattfinden muss: Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren 1:1 durch E-Fahrzeuge zu ersetzen, ist nicht die Lösung. Vermeidung und Verlagerung sind angesagt, auch dies spiegelt sich nicht in den neuen Stadtentwicklungsgebieten Wiens wider.

René Bolz,

per E-Mail

Es wird immer Gegner von Verkehrsmaßnahmen geben

Der öffentliche Personennahverkehr ist nur dort sinnvoll, wo viele Menschen gleichzeitig in dieselbe Richtung wollen. Wer in einem dünn besiedelten Gebiet oder abseits der Hauptverkehrsstrecken wohnt und/oder arbeitet, wird keine zumutbare öffentlichen Verkehrsanbindungen finden. Der Warenverkehr auf Kurzstrecken ist aufs Straßennetz angewiesen. Wer glaubt, mit dem Stopp von Straßenbauprojekten den Bedarf an Straßenverkehr zu verringern, hat das Prinzip von Ursache und Wirkung nicht verstanden.

Die Lobau wird an der breitesten Stelle landwirtschaftlich genutzt, dort ist nichts, was eines Nationalparks würdig ist. Eine Brücke und Straße in Hochlage wären keine Gefahr.

Doch egal, was die Organe der Stadt beschließen werden, es wird immer erbitterte Gegner geben.

Robert Grünwald,

1220 Wien

Ärztezentren erweisen
sich als Luftschlösser

Auf der Liste gebrochener Politiker-Versprechen stehen die sogenannten Primärversorgungseinheiten (PVE) ganz oben. Diese Zusammenschlüsse von Kassen-Allgemeinmedizinern bleiben weit hinter den Erwartungen zurück.

Bei der Eröffnungsfeier des ersten Wiener Primärversorgungszentrums im Mai 2015 stellte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely 16 Wiener Zentren bis 2021 in Aussicht. Geworden sind es lediglich vier. Im Jahr 2025, so Stadtrat Peter Hacker vor kurzem, würden schon 36 (!) Einheiten zur Verfügung stehen. In der "Ärztezeitung" muss Franz Kiesl, Fachbereichsleiter in der Österreichischen Gesundheitskasse, zugeben, dass aus den versprochenen 75 Einheiten für ganz Österreich nur 29 geworden sind -aber bis 2025 soll es österreichweit 130 Stück geben. Die "PVE-Träumer" entwickeln sich zu würdigen Nachfolgern der Gebrüder Grimm.

Dr. Wolfgang Geppert,

1010 Wien