Zur Kolumne von Paul Vécsei,
12. Februar

Als das Dollfuß-Regime
ein Exempel statuierte

Karl Münichreiter, der der Brutalität "christlicher" Politik zum Opfer gefallen ist, gebührt ein immerwährend ehrendes Gedenken. Zur unverkürzten Erinnerung an diese Epoche bösartiger österreichischer Vergangenheit gehört freilich auch das Faktum, wer der Diktatur von Engelberg Dollfuß und Kurt Schuschnigg die Macht zur Zerstörung der Demokratie in Gottes Namen in die Hand gespielt hat: Das war Karl Renner mit seinem Rücktritt als Erster Präsident des Nationalrats im Einvernehmen mit der sozialdemokratischen Parteileitung, also in gemeinsamer Kurzsichtigkeit. Es ist schon seltsam, dass darauf so oft vergessen wird.

RgR Prof. Reinhard Horner,

1100 Wien

Moralische Ansprüche
im praktischen Leben

Werte und Interessen haben eine urteilende Bedeutung und widersprechen einander manchmal. Werte sind Eigenschaften, die als moralisch gut gelten. Unter Interessen versteht man Bedürfnisse, Wünsche oder Vorteile für die eigene Sache. Sicherheitspolitische Interessen von Großmächten dienen häufig dem Machterhalt oder der Vergrößerung des Einflussbereiches.

Werte und Interessen konkurrieren bei Lösungen von Konflikten oft miteinander. Unsere Gesellschaft gibt zwar vor, in einer Wertegemeinschaft zu leben, die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Egal, ob bei einem internationalen Konflikt wie in der Ukraine oder bei Koalitionsverhandlungen oder auch bei persönlichen Entscheidungen, es dominieren normalerweise nicht die Werte, sondern die Interessen.

Kurt Gärtner,

4600 Wels