Zum Gastkommentar von
Wolfgang Schönleitner, 19. März

Friedenshelden statt kampfbereite Männlichkeit

Ein berührender Beitrag in diesen Zeiten, der volle Unterstützung verdient. Die Frage ist nur: Hätte Wolodymyr Selenskyj diese zutiefst menschliche und auch gewaltfreie Einstellung einer darauf nicht vorbereiteten Bevölkerung nahebringen können? Hätte es die Zivilen Friedensdienste schon früher gegeben, hätte eine entsprechende Vorbereitung stattfinden können, wie sie etwa auf den Philippinen nach der Marcos-Diktatur oder in Portugal sehr wohl Früchte getragen hat. So hoffnungslos alles aussieht, gewaltfreie Lösungen sind auf Dauer angelegt und die einzige tragfähige Methode, Konflikte dauerhaft zu lösen.

Dr. Herbert Peherstorfer,

1030 Wien

Mangelndes Verständnis für
das Leid der Zivilbevölkerung

In seinem Gastkommentar insinuiert Wolfgang Schönleitner, die Forderung nach Einrichtung einer Flugverbotszone über der Ukraine diene dem Zweck, "Gewalt mit stärkerer Gegengewalt [zu] vergelten". Wenn man den Wunsch tausender Kriegsopfer nach Beendigung der Bombardierung von Städten, Wohnhäusern, Krankenhäusern und Kindergärten zynisch als Streben nach Gegengewalt uminterpretiert, lässt das auf eine für einen Theologen besonders bemerkenswerte Absenz von Empathie schließen.

Zu korrigieren ist die Angabe von Werner Stanzl (in dessen Gastkommentar in der selben Ausgabe der "Wiener Zeitung", Anm.), es sei im Kalten Krieg nur einmal mit Atomwaffen gedroht worden. Der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow tat dies in den Jahren von 1956 bis 1962 relativ regelmäßig gegen mehrere westeuropäische Staaten.

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mueller,

per E-Mail

Nationalismus und Kult
um einen "starken Mann"

Russland zählt zu den Ländern mit den reichsten und wichtigsten Rohstoffvorkommen. Handel und Wirtschaft könnten blühen. Doch die Realität ist niederschmetternd - nur eine kleine Elite profitiert finanziell, die breite Masse der russischen Bevölkerung lebt in ärmlichen Verhältnissen. Trotzdem kann Wladimir Putin auf große Zustimmung bauen: Wenn es Menschen schlecht geht, möchten sie wenigstens einem "starken Führer" vertrauen können, der ihnen das Gefühl gibt, einem starken Land zugehörig zu sein. Das war in Deutschland Anfang der 1930er Jahre nicht viel anders.

Ein Rückzug aus der Ukraine würde für Putin einen erheblichen Gesichtsverlust bedeuten. Nationalisten, noch schlimmer als Putin, könnten sich ermutigt fühlen, einen Bürgerkrieg mit unabsehbaren Folgen anzuzetteln.

Alfred Kastner,

D-92637 Weiden

Zum Gastkommentar von
Klaus Heidegger, 17. März

Das Recht der Ukraine
auf Selbstverteidigung

Es ist überaus verständlich, wenn sich Menschen in Europa angesichts des bedrohlich nahen Krieges, der Millionen Flüchtlinge, der zivilen Opfer wie gefallenen und verwundeten Soldaten in der Ukraine nach Frieden sehnen und dabei versuchen, Gemeinsames anstatt Trennendes in den Vordergrund zu stellen. Die Faktenlage hingegen zu ignorieren, wie das Klaus Heidegger in seinem Gastkommentar tut, ist abzulehnen. Dazu ein paar Entgegnungen.

Wenn sich Wolodymyr Selenskyj und Vitali Klitschko in ihren Auftritten kampfbereit zeigen und Durchhalteparolen ausgeben, so ist das während des kriegerischen Überfalls von Wladimir Putins Russland für sie die einzige Möglichkeit, sich zu wehren. Diplomatie wird freilich auch hier betrieben, aber im Hintergrund.

Die gut gemeinte Idee, man solle sich doch in zivilem Ungehorsam üben, zeigt eine naive und weltfremde Sicht der Dinge. Von der Ukraine jetzt zu verlangen, die Waffen niederzulegen und sich dann in zivilem Ungehorsam gegenüber russischen Okkupanten zu organisieren, ist mehr als ignorant. Es beleidigt die Menschen, die in diesen Momenten um ihr Land, ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen.

Gefahrlos - um im Bild von Klaus Heidegger zu bleiben - aus dem Boxring aussteigen kann man nur, wenn es Regeln gibt, die beide Seiten einhalten. Der Kreml brach bewusst 2008 in Georgien und 2014 in der Ostukraine beziehungsweise auf der Krim internationales Recht. Krieg ist keine Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln; Land, Leben und Freiheit zu verteidigen, steht angesichts massiver Bedrohung hingegen jeder Nation zu.

Univ.-Prof. Mag. Dr. Kurt Scharr,

per E-Mail

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Raimund Dietz, 17. März

Eine Fehleinschätzung der russischen Kapazitäten?

Raimund Dietz behauptet, das BIP Russlands sei kaum höher als jenes Spaniens. Wie kann es dann sein, dass Russland eine dreimal so zahlreiche Bevölkerung ausreichend ernährt, ein riesiges Eisenbahn- und Flugverkehrsnetz betreibt, ein Drittel des fossilen Brennstoffbedarfs der EU liefert, zu den größten Holz- und Getreideexportländern der Welt zählt, an militärischer Hardware so gut wie alles aufzubieten hat und dazu noch mit den USA und China bei Raumfahrt und Weltraumforschung wetteifert?

Der Großraum Moskau allein hat ein Viertel der Einwohnerzahl Spaniens und wohl eher mehr industrielle Kapazität als Madrid, Barcelona, Sevilla und Valencia zusammengenommen.

Dr. Franz Rader,

1070 Wien