Eine Flugverbotszone
über der Ukraine

Der Angriff Russlands auf die Ukraine versetzt mich in Angst und Schrecken, besonders die Aussage Wladimir Putins, auch Atomwaffen einsetzen zu können. Niemand will einen Dritten Weltkrieg. Deshalb ist die Zurückhaltung der Nato verständlich.

Es gibt das Budapester Memorandum vom 5. Dezember 1994, das die Achtung der Souveränität der Ukraine und die Integrität der Grenzen festlegte, als Gegenleistung für den Verzicht auf Nuklearwaffen aus UdSSR-Beständen. Signaturmächte waren Russland, die USA und Großbritannien, China und Frankreich gaben eigene Erklärungen ab.

Um Verhandlungen für das Ende des Krieges zu ermöglichen, ist eine Flugverbotszone über dem Luftraum der Ukraine notwendig. Die USA, Großbritannien, China und Frankreich sollten die Kontrolle übernehmen. Eindringende Flugzeuge der Aggressoren wären auf deren Staatsgebiet zu geleiten, es soll nicht geschossen werden. Angesichts der überragenden Verurteilung der Invasion Russlands in der Vollversammlung der UNO könnte die Beteiligung von Ländern wie Australien, Japan, Indien oder der Türkei erwogen werden, die auch Interesse daran haben, einen großen Krieg zu verhindern.

DI Barbara Kellner,

per E-Mail

Eine unheilvolle
Tradition der Gewalt

Es macht keinen Sinn, den Bomben- und Raketenterror in Kiew, Charkiw, Mariupol und Odessa weiter zu finanzieren. Deutschland verstrickt sich in Schuld, solange es Gas und Öl aus Russland bezieht. Die Prämisse von "Wandel durch Handel" erweist sich spätestens jetzt als Wunschdenken. Russland ist geblieben, wie es immer war: autokratisch, antidemokratisch und brutal.

Nach dem 24. Februar war die Formel schnell zur Hand: "Es ist Wladimir Putins Krieg." Sie übersieht, dass die Mehrheit der russischen Bevölkerung hinter Putin steht, genauso wie die Kontinuität der Gewalt und Aggression von der Sowjetunion bis zum heutigen Russland. Dafür sprechen die Überfälle auf Polen und Finnland 1939, Katyn 1940, Ost-Berlin 1953, Budapest 1956, Prag 1968 und der Terror in Grosny, Aleppo und Mariupol. Russland zählt heute zu den Paria-Staaten, wie Syrien unter Bashar al-Assad und Nordkorea unter Kim Jong-un.

Lüder Stipulkowski,

D-27313 Dörverden

Russophobie im
westlichen Kunstbetrieb

Kultur und Kunst sind das Erbe aller. Verschiedene Kulturinstitutionen des "Werte-Westens" forderten, dass sich russische Künstler klar von "Putins Krieg" distanzieren sollten. Manche wollten das nicht (Waleri Abissalowitsch Gergijew), andere wandten sich gegen den Krieg, aber nicht dezidiert gegen Putin (Anna Jurjewna Netrebko). Es ist ihre persönliche Entscheidung, wie sie sich positionieren.

Aber worin besteht der Zusammenhang zwischen der Unterstützung Wladimir Putins und der Sanktionierung von Pjotr Iljitsch Tschaikowski? In der Vatroslav-Lisinski-Konzerthalle in Zagreb wurden drei seiner Werke durch eine Streicheradaption eines US-Komponisten und durch das Allegretto aus Beethovens 7. Symphonie ersetzt. Die Polnische Nationaloper hat auf die Aufführung der Oper "Boris Godunow" von Modest Petrowitsch Mussorgski "aus Solidarität mit den Menschen in der Ukraine" verzichtet. Der russische Dirigent Tugan Sokhiev verließ das Nationalorchester am Opernhaus Capitole in Toulouse, nachdem die Franzosen ihn gebeten hatten, "eine kulturelle Tradition zu wählen" und Putins Aggression zu verurteilen.

Diese Handlungen kann man getrost als offene Russophobie bezeichnen. Damit verzeichnet der Krieg in der Ukraine zwei weitere, völlig unerwartete Opfer: die künstlerische Freiheit und die Internationalität.

Tatjana Kojic,

per E-Mail

Appell an die europäische Friedensbewegung

Martialische Rhetorik tut weh, selbst und gerade, wenn sie aus Mariupol oder Kiew kommt. Gleichzeitig stellt das Trauerspiel zwischen Asowschem Meer und Dnepr die Friedensbewegung, die in der Ära des Kalten Kriegs entstanden ist, vor ihre bisher größte Herausforderung.

Wir seien wieder auf dem Boden der Realpolitik gelandet, kann man immer wieder lesen und hören, das heißt: bei Großmachtpolitik und Ringen um Einfluss-Sphären. Realität ist aber, dass die Unnatur, Überflüssigkeit und die verheerenden Folgen hegemonialer Ideologien nun klar vor Augen stehen. Eine kriegerische Aggression, wie sie derzeit der Osten Europas erleidet, gefährdet den Bestand der gemeinsamen Welt, den Weltfrieden im umfassenden Sinn des Wortes.

Wäre es nicht die Aufgabe der europäischen Friedensbewegung, Russland - ebenso ein Teil Europas wie die Ukraine - mit seiner Verantwortung für die Welt zu konfrontieren und auch jede andere Großmacht-Ideologie bloßzustellen? Und für eine Weltregierung zu kämpfen, die die gemeinsamen Interessen der Menschheit und den notwendigen Wandel durchzusetzen die Mittel hat?

Willibald Feinig,

6844 Altach

Zum Artikel von Matthias Ziegler und Michael Schmölzer, 23. März

Kriegsdienstverweigerer, Deserteure und die Kirche

Wir haben damals, als der erste Militärbischof geweiht wurde, vor dem Stephansdom demonstriert und dann vor der Burg in Wiener Neustadt. Es ist eine Besonderheit, dass eine eigene Militärdiözese und Militärpfarren eingeführt wurden. Niemand spricht dagegen, dass Soldaten, besonders bei Auslandseinsätzen, auch seelsorgliche Betreuung haben sollen. Aber das braucht keine Besoldung durch das Militär und militärische Ränge, das ist absolut abzulehnen.

Die Hauptfrage blieb natürlich die Gehorsamsfrage. Auch ein russischer Soldat ist derzeit nicht aus eigner Willensentscheidung in der Ukraine. Kriege sind nur möglich, weil der Militärdienst mit seiner Befehlsstruktur unhinterfragte Staatsbürgerpflicht ist. Bei uns war es ein jahrelanger Kampf, mit Gefängnisaufenthalten in der frühen Zeit, bis der Zivildienst eine Selbstverständlichkeit geworden ist, ohne einseitige Gewissensprüfung. Heute würden viele sozialen Dienste ohne Zivildiener zusammenbrechen. Und wie lange hat es gebraucht, auch kirchlich, bis ein Franz Jägerstätter gewürdigt wurde, und erst recht Deserteure?

Wie werden Österreich und die EU mit Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren aus Russland und der Ukraine umgehen? Wie werden die kirchlichen Gemeinden damit umgehen?

Karl Helmreich,
Benediktiner von Melk