Zum Artikel des Europa-Ressorts, 12. April

Frankreich hat
viele Probleme

Ich fand die Artikelserie im Vorfeld der französischen Präsidentschaftswahlen extrem spannend - und ernüchternd. Die Schilderungen haben sich auch mit meinen eigenen Erfahrungen vor ein paar Jahren in Paris gedeckt. Diese Form von "Slums" ist für einen Österreicher nur schwer begreiflich.

Die Franzosen sind zu einem großen Teil selbst schuld an der Situation. Wer jahre-, ja jahrzehntelang auf einem Pulverfass sitzt, braucht sich nicht zu wundern, dass er in Gefahr ist. Man muss die französische Bevölkerung eigentlich für ihre Leidensfähigkeit und den Gleichmut loben, den sie an den Tag legt.

Ich wüsste nicht, wen ich dort wählen würde, wenn ich in der Situation wäre. Es ist zum Teil wirklich schlimm.

DI Nathaniel Boisgard
per E-Mail

Auf dem Rücken
des Lehrpersonals

Seit Anbeginn der Pandemie empfindet man das Krisenmanagement an den Schulen als komplett misslungen. Hatte man doch die Übertragungshäufigkeit von Covid-19 im Schulbereich komplett unterschätzt und das Lehrpersonal überdies bei den Herausforderungen des Distance Learning und des Nachholens von Unterricht in den Zeiten zwischen den Lockdowns weitgehend alleine gelassen und überfordert.

Es fehlte an technischen Ressourcen, an Personal und an Begleitmaßnahmen. Man denke an die psychische Belastung der Schülerinnen und Schüler, kombiniert mit der Überlastung meist berufstätiger Eltern - in der Mehrzahl Mütter - und den Mangel an Planbarkeit durch kurze Vorlaufzeiten zu Maßnahmenänderungen.

Viele Interessenvertreter des Lehrpersonals fordern zu Recht die Aufnahme von Unterstützungspersonal für die von der Pandemie belasteten oder geflüchteten Schüler, Erleichterung bei der Zulassung von ukrainischen Lehrpersonen, eine beidseitige Reduktion des Leistungsdrucks vor allem beim diesjährigen Maturajahrgang, Supervisionsangebote für Lehrpersonen und eine Entlastung von allen nicht unbedingt notwendigen bürokratischen Zusatzarbeiten, um die vordringlichsten Problemfelder hier anzuführen.

Vor kurzem erhielten die Direktoren und Lehrkräfte einen Katalog von "Erleichterungen des Schulbetriebs" zugesandt, der sich bestenfalls auf einen Teil der vorhin erwähnten bürokratischen Zusatzarbeiten bezieht, jedoch auf den wesentlichen Änderungsbedarf in den Kernpunkten überhaupt nicht eingeht. Damit sei "sichergestellt, dass es nach Ostern zu einer spürbaren Entlastung an den Schulen kommt". Das Schreiben ist vom Bildungsminister und einigen Funktionären der Lehrergewerkschaften unterzeichnet.

Wir hingegen fordern eine den Leistungen angemessene und nachhaltige Entlastung des Lehrpersonals!

Frohe Ostern!

Stefan Schön,

Pressesprecher der Unabhängigen GewerkschafterInnen im
Öffentlichen Dienst und in
ausgegliederten Betrieben

Ukrainischer Botschafter erwirkt Konzertabsage

Ich finde es empörend, dass der ukrainische Botschafter von einer österreichischen Kultureinrichtung verlangt, ein Konzert zugunsten seines Landes abzusagen, weil russische Musikerinnen und Musiker dabei auftreten. Hat ihn jemand gefragt, ob er schon von Daniel Barenboim und seinem Orchester gehört hat? Das Wiener Konzerthaus hat seit Beginn der Sanktionen gegen Russland auf seiner Homepage eine lange Stellungnahme der Direktion stehen, die unter anderem betont:

"Russische Musiker:innen, Ensembles, Orchester und auch Repertoire von Komponist:innen aus Russland werden vor allem in den sozialen Medien unter Verdacht gestellt, mit dem Unrecht zu sympathisieren. Das mag als Akt der Solidarität mit den Leidenden erscheinen, gerechtfertigt ist es nicht, denn eine solche Haltung verschließt die Türen auch für die Musiker:innen, die mit ihrem künstlerischen Tun für humanistische Werte stehen."

Umso schlimmer, dass die Verfasser dieser Stellungnahme der subjektiv verständlichen, objektiv gesehen aber unverschämten Forderung des ukrainischen Botschafters nachkommt und das Konzert von MusicaAeterna unter Teodor Currentzis absagt.

Ich engagiere mich bei der Unterstützung ukrainischer Vertriebener aktiv, nicht nur durch Spenden, und an meinem Tor hängt seit Wochen die blaugelbe Fahne, aber diesen Akt der Zensur empfinde ich als Eingriff in meine Grundwerte, da unsere demokratische Verfassung die Freiheit - auch die der Kunst - zu schützen hat.

Hanna Halenka,

per E-Mail

Zum Leitartikel von Walter
Hämmerle, 7. April

Sanktionen sollen
den Aggressor treffen

Europa sollte gegen den Krieg Zeichen setzen, aber keinesfalls die rote Linie zur Selbstschädigung überschreiten. Wirtschaftliches Minuswachstum oder Frieren für die Ukraine ist genauso sinnbefreit und wirkungslos wie singen, tanzen oder jodeln gegen den Krieg.

Mag. Martin Behrens
per E-Mail