Die Freiheit auch
durch Taten verteidigen

Verständnislos und zunehmend fassungslos lese ich Stellungnahmen im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die eine sofortige
ukrainische Kapitulation fordern: Vordergründig, um weiteres Blutvergießen zu verhindern, hintergründig geht es wohl eher um die Erhaltung des eigenen Wohlfühlklimas. Seit Jahrtausenden erheben sich Völker gegen Unterjochung und Tyrannei - wäre das nicht so, wären die europäischen Völker noch immer unter der Herrschaft der Nazis.

Besonders beschämend ist der Verweis auf die Österreich umgebenden Nato- und EU-Staaten, die uns vor jeder militärischen Bedrohung schützen werden, die also für unsere Freiheit, unsere Unabhängigkeit und unseren Lebensstandard den Kopf hinhalten sollen, während Österreich sich im Schutz seiner immerwährenden Neutralität wähnt.

Dazu passt das niederschmetternde Ergebnis jüngster Umfragen, wonach nur ein kleiner Teil der Befragten bereit wäre, unsere österreichische Heimat mit der Waffe zu verteidigen. Es darf keinen Zweifel geben, dass wir für unsere Freiheit und unsere Demokratie selbst kämpfen müssen, mit Worten und mit Taten.

Mag. Heinrich Winkelmayer, GenMjr i.R., 8151 Hitzendorf

Wehrhaft gegen die
russische Aggression

Würden die ukrainischen Streitkräfte einseitig die Waffen niederlegen, dann wäre die Bevölkerung der Willkür von Wladimir Putins Schergen ausgeliefert, und der Traum von einem freien europäischen Leben würde für Jahrzehnte vorbei sein. Die Gräueltaten in Butscha sind ein Beispiel, wie marodierende Söldner gegen wehrlose Zivilisten vorgehen. Wie wird es erst in Mariupol ausschauen?

Kurt Gärtner,
4600 Wels

Bundeskanzler Nehammer
bei Präsident Putin in Moskau

Viel wurde der Besuch von Bundeskanzler Karl Nehammer kritisiert. Aber er hat absolut nichts falsch gemacht. Die von Wladimir Putin erhoffte Inszenierung bei einer Pressekonferenz hat es nicht gegeben. Nehammer hat internationales Format bewiesen und ich finde es gut, dass jede Möglichkeit, Russlands Terror zu stoppen, ergriffen wird.

Ing. David Paul,

1220 Wien

Ein erster Schritt zu Friedensverhandlungen

Mit seiner Reise nach Moskau hat Karl Nehammer jenen widerstanden, die jede Kontaktaufnahme mit Wladimir Putin verurteilen. Das Credo des Westens, immer neue Sanktionen gegen Russland und noch schwerere Waffen für die Ukraine zu fordern, wurde durch diesen mutigen Schritt zumindest einmal hinterfragt - und sei es auch in minimalen Anfängen. Nehammer hat gezeigt, dass das derzeit überragendste Ziel, diese ungeheure Katastrophe vor unserer Haustüre so rasch als möglich zu beenden, auch dadurch erreicht werden könnte, dass man miteinander spricht. Dazu muss man ihm gratulieren.

Dr. Karl Zweymüller,

1190 Wien

Ein noch immer
schwaches Europa

Europa ist schwach, das hat uns jetzt Russland gezeigt. Schutz vor Russland hat Europa überhaupt nur, wenn Amerika hinter uns steht. Aber Amerika ist fern (und hat noch andere Interessen in Asien), Russland dagegen ist nah und auch China: Da gibt es Abhängigkeiten, wir sind jederzeit erpressbar. Wir, das heißt Europa, müssen uns auf eigene Beine stellen. Das wir nicht Jahre, das wird Jahrzehnte brauchen. Und für Österreich muss gelten: Nur keine Alleingänge, die Europa, die EU als Ganzes schwächen könnten!

Peter F. Lang,

per E-Mail

Leserlob für Kommentare
zum Ukraine-Krieg

Dank an die "Wiener Zeitung" für die vielen aufschlussreichen Gastkommentare, die wesentlich zur Abrundung und Vertiefung der Meinungsbildung beitragen. Insbesondere möchte ich die von Wendelin Ettmaier und Heinz Gärtner erwähnen, die - ohne Putin zu entschuldigen - die Gründe und Gewinner des Ukraine-Krieges darlegen.

Dr. Anton Schmeikal,

per E-Mail

Bauwahn in
der Donaustadt

Ich bin direkte Anrainerin des geplanten Bauprojektes "Quartier Süßenbrunner West". In einer Postwurfsendung wurden die Anrainer über das bevorstehende Projekt in Kenntnis gesetzt und ich habe am 22. März die Dialogausstellung besucht.

Die Stadt beabsichtigt schon am Beginn des Quartiers (Bebauungsinsel Nord) in der ersten Reihe Bauhöhen weit jenseits der
9 Meter, in der zweiten Reihe eine 26 Meter hohe und bei der Straßenbahnlinie 26/Oberfeldgasse (Bebauungsinsel Süd) gar eine
33 Meter hohe Bebauung. Die Bauart dieses Projekts erinnert an die Betonmonstersiedlungen aus den 1970ern wie Großfeldsiedlung, Rennbahnweg und Hansson-Siedlung, die nicht unserem Ortsbild entsprechen und zu sozialen Problemen führen.

Nach Rücksprache mit Verantwortlichen der Stadt wurde uns mitgeteilt, dass sich die Beteiligung der Nachbarn auf die Gestaltung der Parkflächen etc. bezieht und eine Änderung der wesentlichen Parameter (Gebäudehöhe, Anzahl der Wohnungen) ziemlich sicher nicht vorgenommen wird. Diese "Bürgerbeteiligung" ist ein Etikettenschwindel.

Seit 1995 gehören diese Flächen zum Grüngürtel der Stadt Wien und werden landwirtschaftlich genutzt. Derzeit sind diese und angrenzende Flächen mit einer Bausperre gemäß §8 (1) Bauordnung für Wien versehen. Obwohl Klimaschutz zurzeit höchste Priorität hat, werden Grünflächen, Ackerland und Tierwelt (Rehe, Füchse, Hasen, Dachse, auch geschützte Tierarten, wie Feldhamster und Ziesel) bewusst und systematisch zerstört. Ein Blick ins Grundbuchkataster lässt befürchten, dass es zu einer fast vollständigen Bebauung der mit einer Bausperre versehenen Flächen kommt, sodass mit mindestens 10.000 Wohnungen in Zukunft zu rechnen ist.

Donaustadt wird zubetoniert: Seestadt, Bauprojekt Beresgasse, Bauprojekt Am Langen Felde, Bauprojekt Erzherzog-Karl-Straße Süd, um nur einige zu nennen. Werden diese Wohnungen wirklich benötigt oder handelt es sich um Vorsorgewohnungen, die leer stehen werden? Verbaute Betonflächen werden zu urbanen Wärmeinseln. Mit der Lebens- und Luftqualität, der Ruhe und dem Blick ins Grüne ist es dann endgültig vorbei.

Andrea Katzian,

per E-Mail