Zum Interview von Michael Schmid, 16. April

Provinzielle Zustände an
der Wiener Universität

Ich habe in den 1960er Jahren in Wien Chemie studiert und kann aus eigener Erfahrung nur bestätigen, was die Historikerin Linda Erker sagt: Wie hierarchisch es zugegangen ist und wie niedrig das Niveau war, wurde mir besonders bei meinem Postdoc in Rochester, N.Y. deutlich. Seltsame Forschungsthemen, sofern überhaupt noch geforscht wurde; keine Diskussionen mit den Professoren, die weit "nach oben" abgerückt waren. Das hat sich in Wien erst langsam mit dem neuen Universitätsorganisationsgesetz Herta Firnbergs geändert. In Innsbruck, ich war dort Uni-Assistent, hat es bis in die 1990er Jahre gedauert, bis diese Zustände überwunden werden konnten.

Univ. Doz. Dr. Dieter Scholz,

1040 Wien

Zur Kolumne von Konrad Paul Liessmann, 9. April

Wertewandel weg von der Ächtung des Krieges

Auch für mich ist es erschreckend, in welcher Welt ich mich plötzlich wiederfinde. Es ist doch absurd, dass der Krieg in der Ukraine so rasch akzeptiert wurde. Wieso hat niemand darauf bestanden, keine Waffen an die Ukraine zu liefern? Dann wäre der Krieg bald zu Ende gewesen und die Verhandlungen hätten ohne Blutzoll beginnen können. Krieg ist keine Option, Punkt!

Ich bin davon überzeugt, dass es zu diesem Krieg niemals hätte kommen müssen. Hugo Portisch wollte mit seinem letzten Buch "Russland und wir" nochmals aufrütteln. Aber sein Vermächtnis - "Wir müssen einen gemeinsamen Weg mit Russland finden" - wollte anscheinend niemand hören. Dasselbe gilt für "Kommt endlich zur Vernunft - Nie wieder Krieg!" von Michail Gorbatschow. Mit diesem schmalen Buch hat sich offensichtlich kein Regierungschef auseinandergesetzt, weder in Österreich noch in der EU.

Liselotte Müller,

2380 Perchtoldsdorf

Solidarität und Eigenverantwortung

Man muss kein Anhänger der derzeitigen Regierung sein, um festzustellen, dass die Legislaturperiode bisher von zwei Themen beherrscht wird, für die in Österreich niemand verantwortlich gemacht werden kann: Corona-Epidemie und Ukraine-Krieg. Die Folgen dieser beiden Elementarereignisse wurden in unserem Land im Wesentlichen zumindest zufriedenstellend gelöst. Trotzdem hat die Opposition nichts anderes zu tun, als der Regierung die Schuld anzuhängen und finanzielle Ausgleichszahlungen zu verlangen.

5 bis 6 Prozent Teuerung sind keine Kleinigkeit, aber unabhängig von der Einkommenshöhe weniger als zwei Einkommenstage. Wir haben einen der besten Sozialstaaten der Welt, aber die Politik kann nicht für alles eine Lösung finden. Jeder Einzelne ist gefragt, wenn es darum geht, mit negativen Auswirkungen möglichst gut fertig zu werden.

Günter Braun,

1020 Wien