Zum Interview von Markus Schauta, 17. Juni

Kollektive Sicherheit
statt jeder gegen jeden

In einer Zeit, in der die gesamte Welt nach mehr Waffen schreit, stellt sich die ukrainische Friedensbewegung mutig gegen den Zeittrend. Jurij Scheljaschenko, verknüpft im Interview seine Gedanken über gewaltfreien Widerstand mit dem Konzept der "kollektiven Sicherheit", die er der "kollektiven Verteidigung" gegenüberstellt. Kollektive Verteidigung hat zum Inhalt, sich gegen jemanden zusammenzuschließen, kollektive Sicherheit hingegen bedeutet, dass die Sicherheit eines Staates die Angelegenheit aller ist. Die Nato basiert auf kollektiver Verteidigung, "wir mit den USA gegen Russland und später gegen China und dann China gegen uns. So geht das dahin, bis zur Apokalypse."

Dies führt mich zum Aufruf von Fritz Edlinger (in einem Gastkommentar in der "Wiener Zeitung" vom 26. April, Anm.), Alternativen zum "Sieg auf dem Schlachtfeld zu suchen". Dies sollte nachhaltiger diskutiert werden.

Dr. Werner Varga,

1020 Wien

Zum Gastkommentar von
Karl von Habsburg, 14. Juni

Erst Konsolidierung,
dann Erweiterung der EU

Die EU hat mit 27 Mitgliedsländern mehr als genug und muss zuerst Ordnung und eine gesicherte Basis für ihre Zukunft erarbeiten. Es muss eine enorme Inflation bereinigt werden ebenso wie die damit einhergehende Verschuldung. Steuerschlupflöcher (in Irland, den Niederlanden, Luxenburg) sind zu schließen. Eine Verteidigung ist aufzubauen, und zwar nicht wie in Polen mit Fliegern aus den USA, sondern mit EU-Produkten. Die Produktionsabhängigkeit von Drittstaaten muss wegen des Erhalts von Arbeitsplätzen revidiert werden. Die Aufgabenliste ist sehr lang und deren Aufarbeitung erst die Voraussetzung für eine Erweiterung.

Gerhard Tichler,

3021 Pressbaum

Ein ganz normaler demokratischer Vorgang

Die empfindlichen Verluste Emmanuel Macrons bei den französischen Parlamentswahlen wurden von einigen Medien als "Härtetest für die französische Demokratie" beklagt. Warum wird eigentlich jedes Mal, wenn eine etablierte Partei das Vertrauen der Bevölkerung einbüßt, das Ende der freien Welt heraufbeschworen? Das Gegenteil ist der Fall: Eine funktionierende Demokratie ermöglicht ja gerade das freie Spiel der politischen Kräfte. Solange es die Möglichkeit gibt, eine Regierung abzuwählen, wird sich politische Willkür in Grenzen halten.

Dr. Siegfried Pichl,

4020 Linz