Ein weiterer Keil in
unsere Gesellschaft

Die von der Bundesregierung wie aus einem sommerlichen Strohhut gezaubert wirkende Verordnung zum Aussetzen der Quarantäne, samt diversen Verkehrsbeschränkungen für mit dem Coronavirus infizierte Personen ohne Symptome, steht meiner Empfindung nach auf zwei sprichwörtlichen tönernen Pferdefüßen:

Zum einen bedarf sie der Ehrlichkeit aller jeweils infizierten Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ein Kriterium, dessen Erfüllung wohl dem Wunsch ans Christkind sehr nahe kommt ...

Zum anderen bringt sie all jene in Argumentationsnotstand, die sich aus welchem Grund auch immer auch weiterhin - vor allem in Innenräumen, etwa beim Einkaufen - mit einer (FFP2-)Maske schützen. Sich dafür dann rechtfertigen zu müssen, dass man als Nichtinfizierter eine Maske trägt, schadet auch der psychischen Gesundheit.

Außerdem entbehrt diese Verordnung jeglicher effizienten und auch empathischen Überprüfungsmöglichkeit der Einhaltung. Somit wird meiner Meinung nach bloß ein weiterer Keil in unser gesellschaftliches Zusammenleben getrieben.

Johann Ziegler,

3400 Klosterneuburg

SPÖ gegen Ende der Covid-Quarantäne

Die Wiener SPÖ hat seit dem ersten Tag der Pandemie immer alles anders gemacht als der Bund. Lockern, wenn der Bund strenger wird - strenger werden, wenn der Bund lockert. Jedenfalls aber alle Entscheidungen des Bundes empört - aber argumentlos - zurückweisen. Die SPÖ hat sich vom parlamentarischen Staatswesen verabschiedet. Wer in Krisen nicht versteht, dass nur die Zusammenarbeit aller hilft, der hat Demokratie nicht verstanden. Stattdessen wurde die Krise dazu genutzt, den eigenen Wählerzuspruch zu pflegen.

Reinhold Sulz,

1210 Wien

Zum Nachruf von Edwin
Baumgartner, 26. Juli

Eine Begegnung
mit Lotte Ingrisch

Danke für den Nachruf auf Lotte Ingrisch: eine schöne Würdigung dieser liebenswerten, geheimnisvollen, zarten, immer lächelnden alten Dame.

Vor Jahren sprach ich sie einmal an, als ich sie allein bei einer Ausstellung in der Ecke stehen sah. Sie grüßte freundlich zurück, hakte sich spontan ein und fragte: "Machen Sie bitte mit mir eine Runde durch die Ausstellung?" Gerne willigte ich ein. Als ich sie anschließend unter Aufbringung meines ganzen Mutes fragte: "Glauben Sie wirklich an alles, was Sie so sagen?", antwortete sie sehr bestimmt mit einem zarten Lächeln: "Ich glaube es nicht, ich weiß es", und fügte an: "Sie sind noch jünger, Sie werden noch an mich denken."

Ich habe diese Begegnung nie mehr vergessen, und die Erinnerung an Lotte Ingrisch mit ihrer absoluten Überzeugung von einem Jenseits blieb ...

Dr. Christel Hirn,

per E-Mail