Kalte Schulen? Bildung muss wärmen!

Im Hinblick auf die drohende Energieknappheit im Winter hat jüngst der Städtebund Alarm geschlagen. Zu Recht wird eine Priorisierung bei der Energiezuteilung verlangt. Heimunterricht oder auch die Schließung außerschulischer Bildungs- und Betreuungseinrichtungen wären aber sicher keine gute Idee!

Bereits 2021 hielt das Wifo zum Thema Schulschließungen fest: "Die internationale Literatur zu den Effekten von Schulschließungen zeigt mehrheitlich, dass Schulschließungen durch die Covid-19-Pandemie vor allem die jüngeren Schulkinder als auch die Gruppe der Schulkinder aus sozioökonomisch benachteiligten Haushalten besonders getroffen haben, sodass ein nachhaltiger Förderfokus auf diese Gruppen gelegt werden sollte." Und die Arbeiterkammer beschreibt den dauerhaften Anstieg von RisikoschülerInnen durch die Schulschließungen und sieht hier ebenso deutliche Unterschiede nach dem Bildungshintergrund beziehungsweise sozialer Lage der Eltern.

Eines steht somit außer Frage: Eine Neuauflage des Homeschoolings würde die Bildungsschere noch weiter aufgehen lassen. Nicht zuletzt wäre auch die Erwachsenenbildung negativ betroffen: Viele Kurse werden schließlich an öffentlichen Schulen umgesetzt. Gleiches gilt für außerschulische Bereich wie zum Beispiel die Jugendzentren: Sie sind insbesondere im kommenden Winter wichtige Anlaufstellen gerade für Kinder und Jugendliche, denen zu Hause der Platz oder eben auch die Wärme fehlt. Schulen, Erwachsenenbildungs- und ähnliche Einrichtungen haben gerade jetzt eine besondere Bedeutung. Sie können durch entsprechende Aufklärungsarbeit einen wichtigen Betrag zum Energiesparen leisten und damit auch gegen Energiearmut einzelner Haushalte wirken. Und sie sollen und müssen aber auch ganz real Orte sein, in denen sich insbesondere Menschen mit knappen Ressourcen sowohl geistig wie physisch erwärmen können. Entsprechende Initiativen, möglichst vielen Menschen in diesem Winter Lernen und Beratung an einem warmen Ort zu ermöglichen, sollten überlegt und auch finanziert werden. Das Netzwerk der Volkshochschulen mit mehr als 800 Standorten in Österreich könnte beispielsweise dafür ein geeigneter Rahmen sein.

John Evers, Generalsekretär des Verbandes österreichischer Volkshochschulen

Wir müssen die Notbremse ziehen

Der Tod der engagierten Ärztin Lisa-Maria Kellermayr macht die Spirale der Aggressivität im gesellschaftlichen Diskurs schmerzhaft deutlich. Es fängt mit unüberlegten Worten an. Dann überlegen andere Worte, um Krisen oder Stimmungslagen für Hetze und politische Instrumentalisierung zu nutzen. Daraus entwickelt sich die Spirale weiter in Richtung Ausschreitungen, Drohungen und Angriffe. Aus unüberlegten Worten werden plötzlich Taten. Diese Entwicklungen kann man leider seit einigen Jahren auf mehreren Ebenen feststellen. Ob in den Sozialen Medien, in der Politik oder auch in den Zeitungen - die "Überdosis Gift", mit der Sepp Schellhorn seinen Rückzug aus der Politik erklärt hat, ist leider mittlerweile Alltag geworden. Wolfgang Mückstein nannte als Hauptmotiv für seinen Rücktritt als Gesundheitsminister die Bedrohung seiner Familie.

Wir müssen die Notbremse ziehen. Vor allem Politiker, aber auch Medien tragen mit ihren Worten und der Interpretation dieser Verantwortung. Worte und deren Tragweite dürfen von Politikern nicht weiter auf Kosten der Gesellschaft für politisches Kleingeld genutzt werden. Wenn FPÖ-Politiker wie Michael Schnedlitz zum "Kampf bis zum letzten Atemzug" auf einer Bühne am Heldenplatz im Zuge einer Demonstration gegen die Covid-Maßnahmen aufrufen, so trägt diese Politik zur aktuellen explosiven Stimmung maßgeblich bei. Auch wenn genau diese die Schuldigen immer woanders suchen.

Wir müssen abrüsten. Eines meiner Motive, in die Politik zu gehen, war es, die Spirale der Aggressivität im politischen Diskurs zu unterbrechen. Und ich denke, jeder, der in die Politik gegangen ist, hatte als Motiv, unser Land ein Stück besser zu machen. Daraus resultiert eine logische Vorbildwirkung für jeden Politiker. Wir müssen im Schulterschluss entschlossen gegen Hass und Hetze auftreten. Wir müssen denen Paroli bieten, die zunehmend die Krisen und Stimmungslagen für Hetze instrumentalisieren. Wir dürfen vor allem nicht zulassen, dass Menschen für ihre Meinung und Einstellung um ihr Leben fürchten müssen oder gar ihr Leben opfern. Meine Gedanken sind bei den Hinterbliebenen von Lisa-Maria Kellermayr.

Karl Mahrer, Landesparteiobmann der Wiener Volkspartei

Die Gecko ist
überflüssig geworden

Da die Regierung und die Gecko-Kommission immer öfter unterschiedlicher Meinung sind, sollte die Regierung diese Einrichtung sofort abschaffen und somit Kosten einsparen!

Wolfgang Österreicher,

1140 Wien

Russlands Kräfte sind
noch nicht am Ende

US-Schätzungen zufolge musste Russland im Ukraine-Krieg bisher insgesamt 75.000 Getötete und Verwundete verzeichnen. Das ist ein Bruchteil jener Verluste, die die Rote Armee in jedem einzelnen Halbjahr des Zweiten Weltkrieges erlitten hat. So besehen kann Wladimir Putin den Krieg noch jahrelang im Gang halten und selbstverständlich auch noch Kräfte nach Syrien schicken.

Dr. Franz Rader,

1070 Wien

In Tunesien wurde
ein Autokrat gewählt

Tunesien hat Kais Saied mit 73 Prozent zum Präsidenten gewählt. An der Wahl haben sich jedoch nur 30 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Welch ein mickriges Ergebnis zu einem Wahlsieg führen kann. Wie sehr haben sich die Demokratien der Welt über den von Tunesien ausgehenden "Arabischen Frühling" gefreut. Und nun? Mit Saied steht in Tunesien ein Mann an der Spitze, der gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter ist und sich gekonnt die absolute Macht gesichert hat. Man muss allen, die nicht abgestimmt haben, vorhalten, nicht daran gedacht zu haben, wohin ihre Wahlverweigerung führt. Nur durch Wählen ist manches unerreichbar Scheinendes erreichbar.

Hans Gamliel,

CH-9400 Rorschach