Was einem Staat
wirklich wichtig ist

Der Wille, die "Wiener Zeitung" zu killen, ist groß. Sehr groß ist die Zahl der Gleichgültigen, denen sie egal ist, oder die nicht einmal wissen, dass es sie gibt. Auch viele Lauwarme gibt es, die sagen werden: Ich hab eh was gesagt, aber es war nichts zu machen.

Eigentümer der "Wiener Zeitung" ist der Staat - das sind wir. Was ist uns wichtig für einen Staat unserer Größe? Brauchen wir eine Staatsoper? Brauchen wir Bundesmuseen? Einen unabhängigen Staatsfunk? Ö1? Kunstförderung? Literatur? Die beste Tageszeitung Österreichs? Es kostet, es rechnet sich nicht. Zählt neben der Rechnung noch anderes? Sie dürfen es gern sagen, liebe Regierungsparteien, ich bin ganz Ohr.

Hans Struber,

per E-Mail

Qualitätsjournalismus
in der Demokratie

Die "Wiener Zeitung" ist als Tageszeitung in unserer Demokratie ein Eckpfeiler des freien Qualitätsjournalismus - 1703 gegründet, Eigentum der Republik, 320 Jahre alt - und das Team der "Wiener Zeitung" besteht aus praktizierenden Demokraten.

Unsere Republik kann sich auch finanziell diese Zeitung leisten. Ich denke an die vielen Subventionen, die unser Staat für das Gemeinwohl ausgibt: Es wird doch wohl auch einen Weg geben, die "Wiener Zeitung" aus öffentlichen Mittel zu fördern.

Ing. Paul Konrad,

1100 Wien

Die Symbolkraft
von Printmedien

Der Regierungsplan, die "Wiener Zeitung" zu digitalisieren und zu schrumpfen, verkennt die Symbolkraft von Printmedien. Es ist nicht gleichwertig, eine Zeitung in der Hand zu halten und frei von technischen Übermittlungsproblemen, etwa auf der Couch liegend, zu studieren, wichtige Informationen auszuschneiden und zu verwahren - oder eine störungsanfällige Apparatur vorgelagert zu haben. Abgesehen davon, dass ein nicht unwesentlicher Leseranteil keinen Zugang zur Digitalisierung hat, ausschließlich Printmedien konsumiert und dann vom Lesen der "Wiener Zeitung" ausgeschlossen wäre.

Da ich diese Zeitung seit Jahren beruflich und privat gerne lese, würde ich dieses medienpolitische Versagen der Regierung ankreiden.

Mag. Dr. Ewald Maurer,

per E-Mail

Laxe Maskendisziplin in U-Bahn, Bus und Straßenbahn

Ich bin eine Befürworterin der bestehenden Maskenpflicht in den Wiener Öffis und an Orten, wo Menschen gefährdet werden können. Ich persönlich trage die Maske auch, wenn mir das Getümmel zu heftig ist.

Vor kurzem merkte Bürgermeister Michael Ludwig an, dass die Disziplin beim Maskentragen in den öffentlichen Verkehrsmitteln groß sei. Dem muss ich leider widersprechen. Ich fahre regelmäßig mit Straßenbahn, Autobus und U-Bahn und mache die Erfahrung, dass viele Personen ohne Maske mitfahren. Ein Versuch, eine Dame daran vorsichtig zu erinnern, hatte zur Folge, dass sie mich heftigst beschimpfte. Als vorige Woche eine Fahrscheinkontrolle durchgeführt wurde, hat keiner der beiden Kontrollore die Leute aufgefordert, eine Maske aufzusetzen beziehungsweise sie richtig zu tragen, geschweige denn bestraft. Es sagt auch das Fahrpersonal nichts.

Dass dennoch der Großteil der Fahrgäste Masken trägt, stimmt - aber mich ärgert trotzdem die Ignoranz jener, die sie nicht aufsetzen wollen. Das Tragen der Maske schützt sie selbst, das sollten die Verweigerer eigentlich kapieren. Ich hoffe, dass es zu einem Umdenken kommt.

Brigitte Blaim,

1170 Wien

Ein allgemeiner Mangel
als Arbeitwillen

Wie kann es sein, dass Österreichs Bevölkerung einen Höchststand von fast neun Millionen erreicht hat, es aber trotzdem an Arbeitskräften mangelt? Meines Erachtens nach liegt die Erklärung darin, dass weder die gebürtigen Österreicher noch die Zuwanderer die benötigten Arbeiten verrichten wollen. Beide Gruppen streben Jobs an, bei denen man möglichst ohne schwere Arbeit viel verdient, und beachten noch dazu streng die Work-Life-Balance.

Mag. Michael Müllner,

3830 Waidhofen an der Thaya

Miserables Sprachniveau
an Wiener Volksschulen

Seit Jahren bin ich ehrenamtliche Lesepatin in einer Volksschule im 10. Bezirk. Bei nicht mal 10 Prozent der Kinder an dieser Schule wird zuhause Deutsch gesprochen. In jeder Klasse ist eine Vielfalt von Sprachen und Kulturhintergründen vertreten, von Albanisch bis Tschetschenisch. Diese Kinder sind grosso modo lediglich zwischen 8 und 12 Uhr der deutschen Sprache "ausgesetzt". Sie hören und sprechen mehrheitlich bis zum nächsten Morgen kein Deutsch mehr. Sie sprechen und hören kein Deutsch am Wochenende und während ihrer Ferienwochen. Die Mehrheit der Eltern dieser Kinder spricht kaum oder gar kein Deutsch.

Jetzt, nach zwei Jahren mit Covid-bedingt reduziertem Unterricht, ist das Deutsch-Sprachniveau dieser Volksschulkinder katastrophal. Die Lesefähigkeit, die Phonetik und Intonation, das Erfassen von Zusammenhängen (selbst bei einfachen Geschichten) liegen weit unter den Klassenzielen. Die mündliche Sprache ist durchsetzt von Grammatikfehlern, die Ausdrucksfähigkeit reduziert sich auf ein Mindestmaß.

Wohin soll dieser an hunderten von Wiener Schulen nachweisbare Zustand führen? Wo ist ein Plan, um diese erschütternde Bildungsrealität zum Wohle unserer Gesellschaft radikal zu ändern? Soziale Konflikte sind hier vorprogrammiert, und eine weitere Generation von hier lebenden Immigrantinnen und Immigranten bleibt ausgeschlossen von den Möglichkeiten, erfolgreich zur gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen und sich am eigenen Erfolg zu erfreuen.

Prof. Dr. Maria-Regina Kecht,

1100 Wien