Ein Blatt mit Tradition
und Reputation

Die "Wiener Zeitung" war für mich durch viele Jahre das Symbol für ehrenhaften und objektiven Journalismus. In unserer Zeit, in der oft Verflachung und Trivialität in der Medienwelt herrschen, ist eine Zeitung mit einer solchen Tradition und Reputation von besonderer Bedeutung. Wenn eine Zeitung dieser Art stirbt, stirbt auch ein Teil der Demokratie und Gesellschaft.

Ich war immer irgendwie stolz auf die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt. Gegründet 1703, widerspiegelt ihr Erscheinen und Bestehen viele strukturellen Veränderungen in der Gesellschaft und Politik. Als ich im Jahr 1960 aus Slowenien nach Österreich gekommen bin, war ich stolz auf diese Tradition, in der ich auch das Gemeinsame des kaiserlichen Konglomerates der Nationen und Volksgruppen, in dem die "Wiener Zeitung" geboren wurde, gespürt habe. Für Literaten waren viele Bestrebungen und Initiativen der "Wiener Zeitung" von Bedeutung, erwähnen möchte ich nur die seinerzeitige Beilage "Lesezirkel", in der viele Meinungen und unabhängige Stimmen zu Wort kommen konnten.

Und jetzt sollte das alles vorbei sein? Was für ein Verlust für Österreich. So etwas darf nicht geschehen.

Prof. Lev Detela,

1130 Wien

Ein Vorschlag nicht
ohne Sarkasmus

Ich bin für den Abriss des Belvedere und die Errichtung eines Büroturmes an dessen Stelle - ist das Belvedere doch zehn Jahre jünger als die "Wiener Zeitung". Ein Christoph Chorherr wird sich schon finden, der das Projekt vorantreibt.

Dr. Erwin Achter,

per E-Mail

Berichte zu Demokratie,
Recht und Kultur

Auch ich wünsche mir, dass die "Wiener Zeitung" erhalten bleibt, wegen der vielen interessanten Artikel aus erster Hand zum Thema Recht und Demokratie. Vor allem aber brachte die "Wiener Zeitung" im vergangenen Sommer nahezu als einzige Tageszeitung im deutschsprachigen Raum einen würdigen Nachruf zum Ableben von Bill Ramsey, der wirklich ein ganz großartiger, vorbildlicher Vokalist und Pianist zwischen Blues, Jazz und Schlager war.

Ricci Bock,

per E-Mail

Unzufriedenheit
mit der Politik

Das Sora-Institut hat erhoben, dass nur noch 34 Prozent der Menschen glauben, dass das politische System in Österreich gut funktioniert. Wo liegt das Systemproblem?

Die politischen Parteien haben Österreich in Wählergruppen eingeteilt und diese mit ihren Wahlprogrammen unter sich aufgeteilt. Jede Partei macht primär für ihre Wählergruppe Politik. Schließlich hat sie das Ziel, wiedergewählt zu werden. Da fast alle Problemfelder miteinander vernetzt sind, müsste diese Fragmentierung der Interessen aufgelöst werden. Das kann aber nur dann geschehen, wenn man den politischen Mitbewerber nicht als Feind betrachtet, nur weil dieser einem selbst Wählerstimmen wegnehmen kann.

Es braucht eine schwierige Konsensfindung, bei der die Interessen aller Wählergruppen berücksichtigt werden und bei der die eigenen parteipolitischen Interessen zum Wohle Österreichs hintangestellt werden. Außerdem braucht jede Konsensfindung etwas Gemeinsames aller Beteiligten. Das könnten hier wohl nur gemeinsame Wertvorstellungen wie etwa Gerechtigkeit sein. Zur Umsetzung dieses Vorgangs gibt es die Demokratie. Funktionieren kann diese allerdings nur dann, wenn echte Demokraten am Werk sind. Und an diesen fehlt es, von einigen Ausnahmen abgesehen.

DI. Dr. Franz Labek,

2504 Sooß