Auch für eine deutsche Leserschaft interessant

Mit Bestürzung habe ich zur Kenntnis genommen, dass die "Wiener Zeitung" nicht weitergeführt werden soll. Ist denn die Republik Österreich von allen guten Geistern verlassen, in der heutigen Zeit, in der Qualitätsmedien immer mehr Leser verlieren, eine Qualitätszeitung wie die "Wiener Zeitung" aufzugeben?

Ich schreibe aus Deutschland, habe also durchaus Vergleichsmöglichkeiten. Die "Wiener Zeitung" braucht sich nicht zu verstecken. Auch die Auflage von etwa 14.000 beziehungsweise (am Wochenende) 38.000 Exemplaren ist nicht zu gering, kommt doch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" nur auf etwa 190.000 Exemplare, bei einer fast zehnmal größeren Bevölkerung in Deutschland.

Ich denke, Österreich könnte mit der "Wiener Zeitung" durchaus auch in Deutschland punkten. Es gibt hier ein Lesepublikum, das an der Sicht aus dem Ausland auf Deutschland interessiert ist, und es gibt auch Leser, die sich für Österreich interessieren. Das Magazin "Servus Österreich" und die "ORF-Nachlese" werden auch in Deutschland verkauft, ebenso die "Neue Zürcher Zeitung" mit einer internationalen Ausgabe.

Richard Schnabl,

per E-Mail

Eine Stellungnahme
des Bundespräsidenten

Mit Bestürzung lese ich die Abschiedsworte von Chefredakteur Walter Hämmerle in der Ausgabe vom vergangenen Samstag. Ist sein Rückzug nun der Auftakt zum endgültigen Aus für die "Wiener Zeitung"? Waren all die vielen Appelle und Solidaritätsbekundungen vergeblich? In diesem Zusammenhang frage ich mit schon die längste Zeit: Hat sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen dazu schon geäußert?

Ich wünsche mir, dass weitere Verhandlungen geführt werden, und hoffe auf ein Fortbestehen der "Wiener Zeitung" in der bisherigen Form. Alles andere wäre eine Schande für die sogenannte Kulturnation Österreich.

Friederike Pacik,

1230 Wien

Zum Artikel von Martina Madner, 15. Dezember

Ärztemangel im öffentlichen Gesundheitssystem

Edgar Wutscher, Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, vermittelt den Eindruck, dass Spitalsärzte heute nicht zusätzlich Kassenverträge erhalten können. Mir wäre wichtig klarzustellen, dass Spitalsärzte bereits jetzt in Kassenordinationen arbeiten können. In den Bundesländern ist allerdings eine Tätigkeit neben der Vollzeitbeschäftigung im Spital eingeschränkt. In Salzburg etwa dürfen Vollzeit-Spitalsärztinnen und -ärzte nur fünf Stunden pro Woche nebenbei arbeiten. Damit kann man keine Kassenpraxis führen. Bei Teilzeitbeschäftigungen im Spital ist das aber gut möglich.

Leider haben wir aber die Situation, dass von den rund 10.000 Wahlärztinnen und -ärzten rund 5.000 als angestellte Ärzte, großteils in öffentlichen Spitälern, zusätzlich eine Wahlarztpraxis betreiben und in dieser nicht für das öffentliche Gesundheitssystem zu Verfügung stehen. Das hat zuletzt auch Transparency kritisiert. Mir wäre es viel lieber, sie würden in Kassenpraxen (mit)arbeiten und so für alle Menschen gleichermaßen zu Verfügung stehen.

Andreas Huss, MBA,

Verwaltungsratsvorsitzender der Österreichischen Gesundheitskasse

Österreichs Veto gegen die Schengen-Erweiterung

Schengen ist eine gute Sache. Sie kann aber nur funktionieren, wenn die EU-Außengrenze funktioniert. Und das ist nicht der Fall, obwohl immer wieder von einzelnen Mitgliedstaaten darauf hingewiesen wird. Bevor diese Hausaufgaben nicht gelöst sind, ist jede Schengen-Erweiterung sinnlos.

Das Veto Österreichs ist kein Schritt gegen Bulgarien oder Rumänien, sondern ein Signal in die richtige Richtung. Und das Mediengetöse um mögliche wirtschaftliche Folgen unseres Vetos ist viel Lärm um nichts: Österreichische Banken in Rumänien etwa sind Bestandteil der dortigen Wirtschaft und könnten daher keine Opfer einer Sanktionierung sein.

Günter Braun,

1020 Wien

Das renovierte
Parlament am Ring

Ich schätze den Grundtenor des Leserbriefs von Alexander Maksimovic (in der Ausgabe vom 14. Dezember, Anm.), in dem er auf den hohen Symbol- und Identifikationswert unseres Parlamentsgebäudes hinweist. Hier ist ihm nur beizupflichten, denn die Eröffnung nach der Renovierung wird ein Gedenk- und Freudentag für alle Demokraten sein.

Widersprechen muss ich jedoch der Kritik an der Architektur des Plenarsaales des Nationalrates. Ja, der Saal ist in seinem schlichten Braun aus der Nachkriegszeit belassen. Und das ist gut so. Ein Bau spiegelt die Zeit und ihre Zielrichtung wider; wir können nur mit Dankbarkeit und Ehrfurcht der Parlamentarier gedenken, die unter wirdrigsten Umständen die Demokratie und den Parlamentarismus wieder mit Leben erfüllt haben. Nichts symbolisiert diese Tatkraft und Geisteshaltung treffender als dieser einfach gehaltene Saal! So können wir anhand des Interieurs bildhaft ermessen, was es bedeutet hat, mit den Mitteln, die nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs noch geblieben waren, einen funktionierenden demokratischen Staat wieder aufzubauen.

Alexander Maksimovic bedauert, dass nicht der seinerzeitige prunkvolle Sitzungssaal wiederhergestellt wurde. Auch ich weiß den Historismus als wunderbare Architektur zu schätzen, jedoch: Wollen wir wirklich dem Geist des gescheiterten Parlamentarismus der Monarchie den Vortritt vor der lebendigen Demokratie der Nachkriegszeit geben?

Dr. Ingrid Nowotny,

1130 Wien