Zum Editorial vom 17. Dezember

Es gibt noch einen
Funken Hoffnung

Als jahrzehntelanger Abonnent und Leser der "Wiener Zeitung" habe ich den Abschied von Walter Hämmerle als Chefredakteur mit großem Bedauern gelesen. Ich möchte mich in die Reihe der Leser einreihen, die die beabsichtigte Änderung von Verlag und Redaktion zutiefst bedauern und befürchten, dass damit sowohl ein jahrhundertealtes Kulturgut zerstört als auch eine hervorragende Zeitung verschwinden wird.

Leider entscheiden über den Fortbestand der Zeitung Menschen, die die "Wiener Zeitung" offenbar nie gelesen und die darin zum Ausdruck gebrachte Meinungsvielfalt daher nicht erfahren haben oder schätzen. Als Fünkchen Hoffnung für den Fortbestand bleibt mir, dass die große Schar der am Bestehenbleiben der Zeitung Interessierten auch bei der Politik Gehör findet und eine Revision des Änderungsbeschlusses erwirkt.

Dr. Manfred Zetter,

7000 Eisenstadt

Unempfänglich für
Geschichte und Tradition

Ich bin wirklich traurig über diese Entscheidung von Walter Hämmerle. Ich hatte stets das Gefühl, dass er sich mit aller Kraft für die "Wiener Zeitung" einsetzt, speziell nach Bekanntwerden der leidigen Regierungsentscheidung, die "Wiener Zeitung" nur noch online herauszugeben. Das ist wirklich eine große Schande und zeigt, wie geschichts- und traditionsresistent (das ist jetzt etwas charmant formuliert) unsere Regierung ist.

Nicht nur Wirtschaftsgrößen wollen die "Wiener Zeitung" retten: Auch "Normalbürgerinnen", wie ich es zum Beispiel bin, möchten, dass die "Wiener Zeitung" weiterbesteht - aber nicht nur online, sondern als richtige Tageszeitung! Es wurden schon sehr viele Meinungen dazu veröffentlicht, und diesen kann ich mich nur anschließen. Die "Wiener Zeitung" ist ein Blatt, das fernab von Sensationsmeldungen stets Qualitätsjournalismus geboten hat. Und dieser wird unserem Land sehr fehlen!

Ich hoffe aber, dass es noch zu einem Umdenken kommt und die "Wiener Zeitung" erhalten bleibt!

Alice Kozich,

per E-Mail

Zum Gastkommentar von
Zoltan Peter und Manfred Zentner, 17. Dezember

Eine Neuorientierung
des Schulsystems

Die Schulen brauchen zunächst die Wende vom irrigen Gesamtbegriff "Bildung" hin zum zutreffenden Gesamtbegriff "Lernen". Das Lerngeschehen umfasst die tatsächliche Bildung der persönlichen Qualitäten des Empfindens, Denkens und Handelns in allen Belangen der Lebensführung und die Ausbildungen tauglicher Qualifikationen. Diese Begrifflichkeit braucht es als Grundlage für die Lernforschung und die praktische Gestaltung des Lerngeschehens.

Schulisches Lernen tut gut daran, das ausübende Erfahrungslernen und das Entwicklungsgeschehen wenigstens zu beachten. Außer Zweifel gibt es, speziell in lebensnahen und in künstlerischen Tätigkeiten, solche, in denen auch ohne hohe Schulabschlüsse den höchsten Ansprüchen Genüge getan wird. Auch im praktischen Lebensumfeld finden sich beachtliche Lern- und Arbeitsleistungen. Die "Meister" haben erst kürzlich eine kleine Aufwertung erfahren.

RgR Reinhard Horner,

per E-Mail

Eine Herausforderung
für die Meinungsbildung

Danke, liebe "Wiener Zeitung", für das Abdrucken solch wertvoller Artikel wie des Gastkommentars "Was braucht die Schule wirklich?". Anders-Denken wird angeregt, es gibt Anlass für Diskussionen, und wir fühlen uns bestärkt in unserem Umgang mit der Schule und ihrem derzeitigen Wahnsinn für unsere Kinder.

Wir als Familie lesen die Artikel der "Wiener Zeitung" seit vielen Jahren gerne. Manche Artikel sind unserem Denken fremd, andere beflügeln es. Wissens-, Meinungs- und Persönlichkeitsbildung passiert ebenso, indem eine Zeitung tagelang den Küchentisch schmückt und mal da und mal dort gelesen und diskutiert wird.

Was tue ich, was tun meine Frau und meine Kinder, wenn diese wunderbare "Wiener Zeitung", die frei von lästiger Werbung agieren darf, die eben auch solche kritischen Gastkommentare abdruckt, weg ist? Bleiben uns dann die per Algorithmen zugestellten Artikel, die unserem Denken entsprechen und unser Tun kritiklos bestätigen? Uns würde die Vielfalt fehlen, das Gedruckte in einem festen Format auf geduldigem Papier, welches Tage später noch daliegt zum Studieren und beim Einheizen immer noch gelesen, genutzt und bestaunt wird.

Paul Appoyer,

3073 Stössing

Wie soll es die Schule
mit der Religion halten?

Es gibt mehrere gute Gründe dafür, den Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen beizubehalten. Ein Argument wäre noch hinzuzufügen: die Qualität des durch staatliche Behörden und durch die Religionsgemeinschaften zweifach kontrollierten Religionsunterrichts. Ein Blick in die Schulbücher, egal welcher Konfession, lehrt uns, dass hier im jahrelangen Miteinander ein echter Fortschritt zu bemerken ist, wobei auch die muslimische Religionsgemeinschaft von dieser Entwicklung sehr stark profitierte.

Nicht auszudenken, wenn der Religionsunterricht nicht mehr über die staatliche Ebene laufen würde, denn dann würde die Qualitätskontrolle durch die Oberbehörden der Religionsgemeinschaften und auch durch die staatlichen Stellen gänzlich entfallen.

Freilich sollte im Schulbereich auch ein Ethikunterricht stattfinden, der entsprechendes Grundwissen auch über die wichtigsten Weltreligionen vermittelt.

Arno Tausch,

2333 Leopoldsdorf