Zum Gastkommentar von Alexander von der Decken, 10. Jänner

Das angeblich nahe
Ende des Kapitalismus

Statt einer Analyse zu Wladimir Putins Ukraine-Krieg, wie der Untertitel dieses Kommentars verspricht, serviert uns Alexander von der Decken ein antikapitalistisches Statement. Wieder einmal ist vom nahen Ende unseres kapitalistischen Gesellschaftssystems, diesmal im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg, die Rede. Derartiges war schon in den vergangenen Jahren öfters zu hören. Und auch die antiamerikanische Würze darf natürlich nicht fehlen.

Leider wissen wir nach Lektüre des Artikels nicht, wie eine neue Gesellschaftsordnung aussehen soll. Nicht einmal der brutale Kommunismus hat es in Jahrzehnten geschafft, einen neuen Menschen zu "erschaffen", sondern nur Menschen zu vernichten. Seine russischen Erben sind in der Ukraine grade wieder frisch am Werk. Es ist besser, wenn mit solchen oder ähnlichen Utopien nicht nochmals experimentiert wird.

Alfred Bratranek,

2000 Stockerau

Der Ukraine-Krieg
als Projektionsfläche

Hier interpretiert Alexander von der Decken etwas in eine Faktenlage hinein, das nicht existiert. Es werden Plausibilitäten konstruiert, die nicht vorhanden sind. Die Tatsachen sind wesentlich simpler. Wladimir Putin ist weder ein Denker noch ein Stratege und hat weder "makroökonomische" noch sonstige Weltneuordnungsfantasien. Der Vergleich mit Adolf Hitler und seinen Überfällen auf souveräne Staaten drängt sich auf.

Ausgehend von den barbarischen Kriegsverbrechen der Russen, verbunden mit dem unermesslichen Leid der ukrainischen Zivilbevölkerung, von "perspektivischen" Lösungen in Form eines "demokratischen Sozialismus" zu sprechen, ist blanker Zynismus. Banal ist dagegen die apodiktische Forderung, der Krieg müsse beendet werden: Es ist ja das Kernproblem, wie man einen größenwahnsinnigen Diktator zur Beendigung eines verbrecherischen Krieges zwingen kann. Alle euphemistischen Träumereien einer Nach-Putin-Ära sind bei der Realität dieses Krieges entbehrlich.

Mag. Gerhard Wertanzl,

per E-Mail

Zum Gastkommentar von
Ernst Smole, 10. Jänner

Nachweislich sinkt die durchschnittliche Intelligenz

Verblöden wir? Um hier allfällige Schwierigkeiten zu vermeiden, prägte der deutsche Kabarett-Großmeister Dieter Hildebrandt schon vor Jahren ein schönes Wort: jenes von der um sich greifenden "Entklugung".

Dr. Roland Kadan,

1140 Wien

Klimaaktivismus im
Rahmen des Rechtsstaates

Das Thema Umwelt und Erhaltung der Lebensfähigkeit unseres Planeten ist absolut wichtig: Darüber besteht wohl bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen Einigkeit. Aber leben wirklich alle, die die Bedeutung einer lebenswerten Umwelt unterstreichen, auch selbst umweltbewusst - oder beherrscht nicht eher das Floriani-Prinzip unser Denken? Daher ist es immer wieder nötig, die Öffentlichkeit aufzurütteln.

Aber sind alle Methoden des Protestes legitim? Angemeldete und bewilligte Demonstrationen sind in unserer Demokratie möglich und grundsätzlich auch in Ordnung. Krawall, Radau, die Behinderung der Allgemeinheit oder gar kriminelles Handeln (etwa Sachbeschädigung bei parkenden SUVs) sind jedoch entschieden abzulehnen. Straßenblockaden durch Ankleben an der Fahrbahn bewirken nur Staus und erhöhten CO2-Ausstoß und schaffen vor allem Aggression bei den dadurch Behinderten.

"Tempo 100 auf der Autobahn" ist sicher diskutierenswert. Hier bietet sich eine demokratische Variante an: ein Volksbegehren. Wenn das eine entsprechende Unterschriftsanzahl erzielt, wird man sich der Diskussion im Parlament nicht entziehen können. Wenn nicht, ist es eben kein mehrheitsfähiges Thema - womit wir wieder beim Floriani-Prinzip gelandet wären.

Günter Braun,

1020 Wien