Der falsche Kaiser bei der Eröffnung des Parlaments

Offenbar haben alle Journalisten das Fettnäpfchen überhört, in das Wolfgang Schäuble bei seiner Rede zur Wiedereröffnung des Parlaments getreten ist. Er zitierte "Kaiser Franz Ferdinand", der 1848 gemeint habe: "Ja, derfen s’ denn dös?" Bekanntlich wurde ein solcher Kaiser Franz Ferdinand 1914 verhindert. Kaiser Ferdinand "der Gütige" meint im Sinne von Bruno Kreisky: "Lernen Sie Geschichte!"

Prof. Brigitte Sokop,

1170 Wien

Prachtvolle Architektur
für ein Bürogebäude

Hier eine etwas andere Ansicht zur Renovierung des Parlaments: Auch ein privater Großkonzern hat Räume in dieser Größenordnung und kann einen bestens funktionierenden Bürobau um vieles billiger betreiben. Die Betriebskosten für das Parlament betragen sicher ein Mehrfaches gegenüber einem gleich funktionellen Bau. Die darin erstellten Gesetze haben durch die Prunkarchitektur keine andere Wirkung. Der optische Eindruck für die im Parlament Beschäftigten verliert bald seine Wirkung, für Interessierte gibt es in Wien noch viele weitere Sehenswürdigkeiten. Die Parlamentarier haben ein fürstliches Salär und müssen nicht noch durch den Prunkbau verwöhnt werden.

Ich bin weder für noch gegen den Parlamentsbau. Nur so ein Gedanke.

Erwin Katholitzky,

3441 Sieghartskirchen

Eine traurige Tradition
des Missbrauchs

Die Erregung über einen gewissermaßen "Staatskünstler" wegen dessen eingestandener Praxis, sich an Missbräuchen von Kindern zu begeilen ("nicht indem er Hand anlegte, sondern ‚nur‘ mit Bildern davon", so sein Rechtsanwalt sinngemäß), verwundert bei aller schockierenden Traurigkeit - angesichts des Missverhältnisses zur Empörung über "tatsächlichen" Missbrauch durch Vertreterinnen und Vertreter öffentlicher Einrichtungen von Staat und Kirche(n), von verstorbene, aber weiterhin hochgeachteten Personen.

Keine Pardonierung im gegenständlichen Fall - aber Einordnung in die traurige Geschichte des Missbrauchs (nicht nur) in unserem Land! Keine Nachsicht, weil der (geständige, aber noch nicht verurteilte) Täter "ohnehin bereits gestraft genug" sei - aber auch keine Ausfälle gegen ihn, die nicht gerade von aufgeklärtem Gerechtigkeitsempfinden zeugen. Und keine Vermischung von Kunstwerken mit Künstlerinnen und Künstlern.

Johannes-Maria Lex,

per E-Mail

Kindesmissbrauch in
der Krimi-Unterhaltung

Dass Florian Teichtmeister aus dem Burgtheater, in dem er offenbar keine verwerflichen Handlungen gesetzt hat, verjagt wird, wirft Fragen auf. Etwa die, warum Kindermissbrauch und Gewalt an Mädchen und Frauen seit Jahren überaus beliebte Sujets zahlloser Stadt-, Land-, Fluss- und sonstiger Krimis sind - meist als "spannende Abendunterhaltung zur Primetime". Medienpsychologen weisen darauf hin, das solches "inspirative Wirkungen" haben kann, also Nachahmer hervorbringt.

Bevor alle Filme, in denen der inkriminierte Schauspieler mitwirkt, aus dem ORF verbannt werden, sollte diese öffentlichrechtliche Bildungseinrichtung(!) alle "spannende Abendunterhaltung", die Kindesmissbrauch als Haupt- oder Seitenthema hat, sofort aus den Programmen entfernen - und zwar auf Dauer.

Prof. Ernst Smole,

1080 Wien

Wie steht Österreich zur israelischen Regierung?

Die personelle Zusammensetzung (drei rechtskräftig verurteilte Minister, darunter einer wegen terroristischer Aktivitäten) und das höchst problematische Programm (Ablehnung der völkerrechtlichen Ansprüche des Palästinensischen Volkes) der neuen israelischen Regierung sind inzwischen hinlänglich bekannt. Als regelmäßigem Beobachter der österreichischen Innen- und vor allem Außenpolitik ist mir aufgefallen, dass es bisher weder zum Wahlresultat in Israel noch zur Bildung der neuen Regierung eine veröffentlichte Stellungnahme der österreichischen Bundesregierung gibt.

Immerhin ist der Nahost-Konflikt einer der längstanhaltenden Konflikte der jüngeren Geschichte, sodass es einfach inakzeptabel ist, dazu keine Meinung zu haben oder diese nicht bekannt zu geben. Das Programm der israelischen Regierung bedeutet nicht nur eine gefährliche Eskalation des gesamten Konfliktes, sondern stellt auch die fundamentalen Prinzipien der gesamten internationalen Rechtsordnung infrage.

In Anbetracht der Tatsache, dass seit geraumer Zeit die österreichische Bundesregierung eine unmissverständlich proisraelische Haltung einnimmt, wie dies zuletzt wiederum bei zwei UNO-Abstimmungen klar zum Ausdruck gebracht worden ist, wäre es doch interessant zu wissen, ob sich die Bundesregierung der immensen Gefahr, welche von der rechtsradikalen israelischen Regierung ausgeht, bewusst ist. Die Österreicherinnen und Österreicher haben ein Recht darauf, dies zu erfahren.

Fritz Edlinger, Präsident der
Gesellschaft für Österreichisch-
Arabische Beziehungen

Sachliche Berichte zu Wissenschaftsthemen

Wenn man die "Wiener Zeitung" aufmerksam liest, wird klar, warum diese Zeitung in die Wüste geschickt werden soll. Es wird nämlich über Themen, so gut es möglich ist, neutral geschrieben. Der Artikel über die Eiskerne und Zeitspannen von Klimaverschiebungen vom 12. Jänner ist mutige Berichterstattung. In den gängigen Medien ist darüber kein Buchstabe zu lesen. Darum ein Lob der "Wiener Zeitung".

Moritz Streber,

per E-Mail