Zum Gastkommentar von Elisabeth Zehetner, 17. Jänner

Wissenschaft und
legitimer Aktivismus

Was Elisabeth Zehetner hier äußert, ist grenzwertig. Dass ein viel zu großer Teil der Bevölkerung zu Wissenschaftsignoranz neigt, ist natürlich bedauerlich bis fatal. Die Gründe dafür sind aber in den Schwächen unseres Bildungssystems und im Mangel an Wertschätzung der Wissenschaft durch die Politik zu suchen und nicht in einer durch Aktivismus erschütterten Vertrauensbasis.

Dass Wissenschafterinnen und Wissenschafter sowohl aufgrund ihrer Expertise als auch aufgrund ihres sozialen Gewissens eine Meinung zu gesellschaftspolitischen Fragen haben und diese auch artikulieren, ist nur wünschenswert. Dass Aktivistinnen und Aktivisten die Wissenschaft zur Argumentation heranziehen, ist jedenfalls legitim und lobenswert. Dass Wissenschaftler sich dadurch instrumentalisieren lassen, sehe ich gar nicht. Eher finde ich, dass sich manche Wissenschaftler von der Wirtschaft instrumentalisieren lassen - siehe manche Auftragsstudien und Drittmittelvergaben.

Helmut Sattmann,
1220 Wien

Verpflichtet zur
aktiven Einmischung

Der Gastkommentar von Elisabeth Zehetner stößt bei mir auf tiefstes Unverständnis, wenn sie meint, Wissenschafter sollten in ihren Studierstuben bleiben und sich keinesfalls in die Politik einmischen. Und wenn doch, sollen sie bitte im Hintergrund bleiben.

Wozu leisten wir uns öffentlich finanzierte Wissenschaft und haben die Freiheit der Lehre in der Verfassung verankert? Sicher nicht, damit Wissenschafter ihren Mund halten. Meines Erachtens ist es gerade der Passivität der großen Mehrzahl dieser von uns finanzierten Wissenschafter geschuldet, dass die Wissenschaft in Österreich als ziemlich nutzlos eingestuft wird.

Ein Appell: Lassen Sie die Wissenschafter nicht in Ruhe und fordern Sie ein, dass sie ihrer Pflicht nachkommen, uns ein, wenn möglich, besseres Leben auch durch aktive Einmischung in Entscheidungsprozesse zu ermöglichen.

Gerhard Friedhuber-Teuschl,

1020 Wien

Zur Kolumne von Konrad Paul Liessmann, 14. Jänner

Abhängig von der Digitalisierung

Konrad Paul Liessmann lässt in diesem klugen Artikel eines außer Acht: nämlich den hohen Ressourcenverbrauch der Digitalisierung, die Kurzlebigkeit und Störanfälligkeit all dieser Geräte bis zur sogenannten "smarten" Tafel hin. Die guten alten Schultafeln hielten nahezu ewig, brauchten keinen Strom, bloß Kreide und Schwamm und vor allem: kreativen Unterricht und kreative Schülerinnen und Schüler, die auch auf solchen Tafeln schreiben konnten. Nicht nur im mittlerweile nahezu verpönten Schulheft.

Die derzeitige Schulpädagogik erzieht unsere Jugend zu Lückentext-Ausfüllern und Multiple-Choice-Rate-Ankreuzlern, die keine Nachschlagwerke mehr handhaben können. Gibt ja das Internet - solange der Strom fließt und die Geräte nicht spinnen, noch erschwinglich und vor allem zu haben sind. Eine Generation, des Wischens und Tippens mächtig, aber ohnmächtig, wenn all der stromabhängige Konsumkram nicht verfügbar ist.

Alexander Buschenreiter,

8983 Bad Mitterndorf

Neuer Gastro-Großmarkt
bei der Westeinfahrt

In einer Befragung der "Bezirkszeitung" im vorigen Jahr waren fast 70 Prozent der Bevölkerung gegen das Projekt von Transgourmet Österreich, einen Logistikstandort in Auhof zu errichten, und auch die Bezirkspolitiker haben sich aus guten Gründen dagegen ausgesprochen. Und das sollte eigentlich zählen, auch wenn die Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner auf dem Stadtentwicklungsplan aus dem Jahr 2017 hinweist. Denn seit 2017 hat sich gerade, was die Klimasituation betrifft, vieles geändert. Und dazu gehört sicher nicht das großflächige Zubetonieren von Grünflächen, sondern ganz im Gegenteil sollte darüber nachgedacht werden, wie Flächen wieder entsiegelt werden können.

Auf der anderen Seite der Autobahn befinden sich einige leerstehende Betriebsgebäude: Es sollte eher angedacht werden, diese wiederzubeleben, denn diese Flächen sind bereits versiegelt. Darüber hinaus ist die geplante Baufläche umgeben vom Unesco Biosphärenpark Wienerwald und in unmittelbarer Nähe des Lainzer Tiergartens. Hier Maßnahmen zu setzen, die die Verkehrs- und Umweltbelastung noch erhöhen, sind untragbar und verantwortungslos.

Das Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen wird stets dafür verwendet, großflächige Versiegelungen zu rechtfertigen - doch die Firma Transgourmet wird sicher einen geeigneteren Platz finden, um ihr Logistikzentrum zu errichten und die 250 Arbeitsplätze zu schaffen.

Alice Kozich,

per E-Mail

Zum Lobautunnel gab und
gibt es eine Alternative

Vor vielen Jahren wurde im Zuge der Entwicklung von Trassenvarianten zur Lobau-Querung von den Planern auch die Variante einer auf Pfeilern in Hochlage geführten Straße vorgeschlagen - mit wesentlich geringeren Bau- und Betriebskosten als ein Tunnel. Allerdings durfte nach politischer Entscheidung nicht einmal geprüft werden, ob diese Variante realisierbar beziehungsweise mit dem Wiener (Pseudo-)Nationalparkgesetz vereinbar wäre.

Erfreut man sich als Fußgänger, Radfahrer, Läufer oder Reiter der Prater-Hauptallee knapp vor dem Lusthaus, merkt niemand, dass in luftiger Höhe eine der meistbefahrenen Straßen Österreichs darüberführt. Und die Fauna und die Flora haben in diesem Bereich auch noch keinen Schaden genommen. Wieso soll das nicht auch in der Lobau gehen?

Denn eines muss uns klar sein: Auch das allergrünste Elektroauto braucht zu seinem Fortkommen Straßen. Es sei denn, die langfristige politische Strategie zielt darauf hin ab, auch diese Mobilitätsform zu vermiesen.

DI Dr. Luzian Paula,

1060 Wien