Proteste und Gewalt nach islamfeindlichem Film

Die Meinungsfreiheit ist ein hohes und schützenswertes Gut. Dies trifft auch auf die Religionsfreiheit und die Gefühle aller Gläubigen zu, und zwar ganz egal, ob es sich um Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, Hindus oder Angehörige anderer Glaubensrichtungen, Sekten, Weltanschauungen, Philosophien handelt.
Jeder Mensch hat das absolut schützenswerte Recht, einem Glauben zu folgen, diesen auszuüben und den damit verbundenen Ansichten, Vorstellungen, Glaubenshinhalten zu folgen oder nicht, solange der gläubige Mensch dieses Recht in gleicher Weise auch den Mitmenschen zubilligt und er sich friedlich, anständig, respektvoll und tolerant gegenüber allen anderen Mitmenschen verhält.
Die Meinungsfreiheit der Bürger mag durch gesetzlich gezogene Grenzen eines Landes weit gefasst sein, jedoch berechtigt sie im moralischen und ethischen Sinne keinen Menschen, diese schamlos auszunützen, um damit provokante Machwerke aller Art zu produzieren und zu verbreiten, welche die aufrichtigen Gefühle gläubiger Menschen zutiefst verhöhnen und verletzen.
Auf der anderen Seite muss klar gesagt werden, dass es immer wieder eine Minderheit hass- und aggressionserfüllter Menschen ist, die sich allzu gern von solchen Provokationen dazu hinreißen lässt, ihre Glaubensbrüder zu sinnlosen und menschenunwürdigen Gewalthandlungen anzustacheln, in deren Folge Menschen getötet werden, die mit den eigentlichen Verursachern der Respektlosigkeiten, Verunglimpfungen und Verletzungen religiöser Gefühle nichts zu tun haben. Die verletzten Gefühle der Gläubigen rechtfertigen ihrerseits keinerlei schlimme Ausartungen, Gewaltorgien, Hetztiraden und Aufrufe zur Anarchie. Jeder einzelne Mensch kann dem letztendlich nur dadurch entgegenwirken, dass er in sich selbst Liebe, Frieden, Freiheit und Harmonie erschafft, womit langsam, aber sicher dereinst ein wirklicher, weltweiter Frieden Wirklichkeit werden kann.

Achim Wolf,
D-68305 Mannheim

Humanismus versus Meinungsfreiheit

Bereits in der Monarchie 1867 wurden im Staatsgrundgesetz Meinungs- (Artikel 13) und Religionsfreiheit (Artikel 14ff) festgelegt. Diese Rechtsnormen kennzeichneten die Demokratie als Weiterentwicklung des bereits im 15. und 16. Jahrhundert geforderten Humanismus. Ziel des Humanismus war, den Menschen und seine Freiheit vor Übergriffen der Staatsgewalt zu schützen.
Wenn nun "Beleidigungen des Propheten" automatisch in der derzeitigen globalpolitischen Situation Menschenleben vernichten und Aufstände aller Art erzeugen, so stellt sich doch die Frage, inwieweit das Gut der Meinungsfreiheit, bezogen auf etwaige satirische Verspottungen von Religionen, höher zu stellen ist als der Schutz des menschlichen Lebens.
Der Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, MMag. Markus Stephan Bugnyar, formuliert unter anderem: "Ob es wirklich ein Fortschritt ist, wenn unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit die innersten, heiligsten Werte und Charaktere von Gläubigen angegriffen werden? Wenn der Provokateur sich selbst alle Freiheiten zugesteht und seinem Gegenüber grenzenlose Toleranz abverlangt und er ihn in Wahrheit also zweimal entmündigen möchte?"
Es stellt sich daher für den Gesetzgeber, in welchem Land auch immer, die Frage, ob das Gut des Humanismus geringer zu werten ist als eine zügellose Meinungsfreiheit auch in religiösen Dingen. Daraus ergibt sich der Schluss, dass vielleicht eine diesbezügliche Einschränkung der Meinungsfreiheit letztendlich dem Menschen mehr dient als eine zügellose Liberalität, die laufend zur Vernichtung von Menschen und deren Lebensgrundlagen führt.
Gerade in der derzeitigen Islam-Diskussion schiene mir dieser Ansatz, auch wenn manche Medien dagegen Sturm laufen würden, für die Politik überlegenswert.