Unabhängige Medien brauchen ein gesundes wirtschaftliches Fundament
Zum Gastkommentar von Philipp Sonderegger am 23. Oktober

Philipp Sonderegger liefert einen substanziellen Beitrag zur Legendenbildung. Er übersieht in seiner offensichtlich ideologisch motivierten Unternehmerschelte, dass (Print-)Medien nur unabhängig sein können, wenn sie auch auf einem wirtschaftlich gesunden Fundament stehen.

Wer nicht betriebswirtschaftlich agiert, begibt sich in die Abhängigkeit von Dritten beziehungsweise von seinen Geldgebern - lässt man das Konzept der Selbstausbeutung außer Acht. Dies hat natürlich auch eine Wechselwirkung auf die Funktion des "Public Watchdog". Ein Wachhund, der nicht mehr selbstbewusst bellt und seine Zähne zeigen kann, sondern stattdessen um sein Futter betteln muss, wird schnell zum Schoßhund. Ein Schicksal, gegen das die heimischen Verleger ankämpfen und Maßnahmen zur Absicherung des wirtschaftlichen Fundaments setzen. Eine dieser Maßnahmen ist zweifelsohne die Schaffung eines Journalisten-Kollektivvertrags, der den Ansprüchen der Zeit gerecht wird.
Unwahr in diesem Zusammenhang ist: Der VÖZ habe den Journalisten-KV gekündigt, weil Print und Online in den Verhandlungen auf einen gemeinsamen KV gedrängt hätten. Wahr ist vielmehr: Der VÖZ ist vor mehr als dreieinhalb Jahren auf die Journalisten-Gewerkschaft mit dem Vorschlag zugegangen, einen gemeinsamen KV für alle Journalisten, sowohl für Online- als auch Printredakteure, zu schaffen. Das war und ist noch immer unser erklärtes Ziel. Die vorsorgliche Kündigung des Kollektivvertrages per Jahresende hatte jedenfalls andere Gründe, denen die Sorge der Verleger zu Grunde lag, dass die Verhandlungen weiter verschleppt werden könnten.
Kein Geheimnis dürfte jedenfalls sein, dass die wirtschaftlichen Gegebenheiten, unter denen Medienunternehmen verlegerischer Herkunft heute ihre Zeitungen und Magazine anbieten, sich radikal geändert haben. Die Erlöse, die sich mit Journalismus im Web erzielen lassen, sind nicht mit jenen zu vergleichen, die gedruckte Zeitungen in einer Zeit vor dem Internet erwirtschaften konnten. Diesem Umstand gilt es - abseits von Klassenkampf-Rhetorik - nüchtern ins Auge zu blicken. Dabei braucht es weder das Schwarzmalen von Untergangsstimmungen noch das Schüren von Ängsten, sondern schlichtweg neue Rahmenbedingungen, die die Verlagshäuser nicht überfordern und den berechtigten Anliegen der Journalistinnen und Journalisten Rechnung tragen. Zurzeit wird jedenfalls wieder verhandelt, und es besteht die Zuversicht, in absehbarer Zeit ein konsensuales Ergebnis erzielen zu können.