Zum Interview von Alexandra Grass, 20. November
Reform des Schulsystems notwendig
Verbesserungen für Lehrer der Ganztagsschule

Aufgrund der traurigen Tatsache, dass zunehmend beide Elternteile arbeiten müssen und dass es viele alleinerziehende Mütter gibt, die natürlich auch arbeiten müssen, ist die Notwendigkeit von Ganztagesschulen gegeben.

Ich als Volksschullehrer bin auch dazu bereit, mehr Stunden Dienst zu machen, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass der Lohn dementsprechend erhöht wird. Derzeit unterrichte ich in der Schweiz, dort sind 28 Wochenstunden zu je 45 Minuten normal. Allerdings ist dort ein wesentlich höherer Lohn auch normal.

Thomas Wolf,
per E-Mail

Migrationshintergrund behindert Lernerfolg

In der heutigen Zeit können Familien auf eine ganztägige Betreuung der Kinder nicht verzichten, aber die Schule kann nicht alle Aufgaben übernehmen, für die die Eltern verantwortlich sind. Die große Diversität des österreichischen Schulsystems ermöglicht eine breit gefächerte und spezifische Ausbildung, wo Stärken und Individualität sehr wohl gefördert werden.
Nur die Kinder mit Migrationshintergrund, die bereits in vielen Schulen die Mehrheit der Schüler ausmachen, sind ausgeschlossen durch die mangelnde Information ihrer Eltern. Sie sind der eigentliche Grund, warum unsere Politiker endlich zu Reformen greifen müssen.

Michaela Pilshofer,
per E-Mail

Ganztagsschulen müssen finanziert werden

Erst langsam erkennen Politik und Medien, dass die Frage der Ganztagsschule nicht an den Lehrern scheitern wird, sondern viel eher an der Finanzierung der dafür notwendigen Infrastruktur an Österreichs Schulen. Diese ist in der Mehrheit der Schulen nicht annähernd auf eine Ganztagsbetreuung ausgelegt, es fehlen Speisesäle, Küchen, adäquate Rückzugs-, Freizeit- und Sportmöglichkeiten sowie akzeptable Arbeitsplätze für Lehrer.
Auch die Eltern sind keineswegs zu 100 Prozent für die verschränkte Ganztagsschule. Gerade die Hälfte der Eltern wünscht sich laut Umfragen eine ganztägige Betreuung ihrer Kinder, gleich ob diese verschränkt oder nicht verschränkt ist.
Bei allem Verständnis für die Unterstützung von Schülern, die zu Hause wenig bis keine Betreuung und Förderung bekommen, muss es trotzdem immer noch den Eltern überlassen bleiben, ob ihr Kind nach dem Unterricht nach Hause kommt oder ob ein ganztägiges Betreuungsangebot der Schule gewählt wird.