Zum Leitartikel von Reinhard
Göweil, 19. Dezember

Unkontrollierte Geldflüsse im öffentlichen Bereich

Mit einer gegen 50 Prozent tendierenden Staatsquote ist die öffentliche Hand gleichermaßen das größte Unternehmen, der größte Arbeitgeber und der größte Investor beziehungsweise Konsument des Landes. Aber während in der Privatwirtschaft, etwas überspitzt ausgedrückt, der Kauf eines Dienstblocks an standardisierte Abläufe gebunden ist, fließen die Gelder im öffentlichen Bereich scheinbar ziemlich unkontrolliert.

Ob "Staatskünstler" oder nicht, es ist offensichtlich keine Kunst, den Staat von Steuergeldern zu befreien.

Mag. Martin Behrens,

1230 Wien

Das System Marktwirtschaft muss überdacht werden

Die freie Marktwirtschaft hat, wie alle von Menschen gemachten Systeme, ihre guten, aber auch ihre Schattenseiten. Sie kann mit ihrem heute überzogenen Konkurrenzprinzip sogar auf ihre überzeugten Repräsentanten (von den vom System Betroffenen ganz zu schweigen) einen enormen Druck ausüben, der oft verdrängt wird, um im System überleben zu können.

Dieser Systemdruck reicht vom Zwang zur krankmachenden Selbstausbeutung bis zum Zwang, Dinge tun zu müssen, die man eigentlich gar nicht will (wie seine eigenen Leute zu kündigen).

Aber was soll der Einzelne tun, wenn die Mitbewerber "auf eine bestimmte Art" ihre Konkurrenzfähigkeit erhöhen wollen? Ist es nicht nur mein Recht, sondern sogar meine Pflicht, mich selbst beziehungsweise das eigene Unternehmen vor dem drohenden Niedergang zu retten und vorauseilend "zumindest das Gleiche zu tun" wie meine Mitbewerber? Mit diesem systemimmanenten Mechanismus erhält die Spirale immer wieder neuen Schwung.

Bevor man darüber nachdenkt, wie man die freie Marktwirtschaft, die unbestreitbar ihre guten Seiten hat, weiter ausbreiten könnte, sollte man nach Lösungen suchen, wie man deren Konstruktionsfehler - wie die Ausbeutung von Mensch und Umwelt - beseitigen könnte. Oder will man zuwarten, bis soziale Unruhen eine Systemkorrektur erzwingen?

Dipl.-Ing. Dr. Franz Labek

2004 Sooß