Zum Artikel von Sophia Freynschlag, 23. Mai
Elternkarenz als Gewinn oder Verlust?
Teilzeitarbeit nach Karenz bringt mehr Gewinn

Die AK hat einen Vergleich angestellt: Wie viel verdienen Frauen wie viele Monate/Jahre nach der Geburt des Kindes respektive nach der Karenz. Diesen Zahlen widerspreche ich nicht, sie sind statistisch erhoben.

Was allerdings ärgert, ist der automatische Hinweis des AK-Präsidenten Rudolf Kaske, dass sich eine Teilzeitarbeit nach der Karenz "lebenslänglich", nämlich auch in der Pension, negativ auswirke. Genau das ist falsch.
Mit dem neuen österreichischen Pensionskonto gilt für alle ab 1955 Geborenen:
Für jedes Kind werden pro Monat zwischen 1022 Euro und 1424 Euro dem Pensionskonto gutgeschrieben, und zwar vier Jahre lang, außer man bringt im Laufe dieser Zeit das nächste Kind zur Welt.
Für Frauen, deren Kinder ab 2005 geboren sind, ist diese Gutschrift noch höher, bei derzeit ungefähr 1500 Euro. Diese Gutschrift erfolgt auch, wenn man in dieser Zeit berufstätig war.
Das soll heißen: Am Pensionskonto gibt es bis zu vier Jahre nach der Geburt im Falle der Berufstätigkeit zwei Gutschriften - eine aus der beruflichen Pflicht-Versicherung und eine aufgrund der Anrechnung der Kindererziehungszeiten.
Solange sich die Teilzeitarbeit auf die Zeit der bis zu vier Jahre nach Geburt eines Kindes erstreckt, gibt es in der späteren Pension keinen Verlust, sondern einen ordentlichen Zugewinn.
AK-Präsident Rudolf Kaske sollte das wissen und daher aufhören, Frauen zu verunsichern.
Zuletzt gaben übrigens 80 Prozent der Teilzeitbeschäftigten an, dass sie mit dem Umfang ihrer Beschäftigung voll zufrieden sind. Sie wollen nicht mehr arbeiten. Lassen wir den Menschen ihre Wahlfreiheit und hören wir auf, sie mit Fehlinformationen aufzuschrecken.

Dr. Andreas Khol,
Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes

Karenzzeiten bringen Einkommensverluste

Die Arbeiterkammer weist auf eine offensichtliche Ungerechtigkeit hin: Frauen, in Wirklichkeit der Elternteil, der in Karenz ist, haben nach der Karenz Einkommensnachteile.
Das hat neben der Teilzeitbeschäftigung auch damit zu tun, dass Karenzzeiten nicht oder nur unzureichend bei den Biennalsprüngen berücksichtigt werden.
Dieser Umstand bewirkt tatsächlich einen lebenslangen Einkommensverlust und hat damit negative Auswirkungen auf die Pensionshöhe. Früherer Wiedereinstieg und Vollzeiterwerb sind keine Allheilmittel.
Anstatt Eltern in ihrer Entscheidung für Kinder zu unterstützen, reiht sich die Arbeiterkammer in der Reihe derjenigen ein, die Eltern in das eigene arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitische Konzept drängen wollen. Wahlfreiheit sieht anders aus. Das Engagement der Arbeiterkammer wäre sehr gefragt, wenn es um die Anerkennung der Karenzzeiten bei den Biennalsprüngen geht.

Alfred Trendl,
Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs

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Zum Leitartikel von Walter Hämmerle, 24. Mai
Obamas Strategie und die Freiheit der US-Medien

Richtig, Meinungsfreiheit und Freiheit des Journalismus sind hohe Güter und von fundamentaler Bedeutung für eine funktionierende Demokratie.
Dennoch: So leicht können Sie "Grenzüberschreitungen", also den Bruch von bestehenden Gesetzen durch investigativen Journalismus, nicht rechtfertigen. Vor dem Gesetz sind alle Bürger gleich, auch Journalisten.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie sich mit Ihrer Haltung ein wenig überschätzen. Wie Sie richtig sagen: Wer Macht hat, ist verpflichtet, damit sehr sorgfältig umzugehen. Das gilt in besonderem Maß auch für Journalisten.
Ich meine nicht Sie oder die "Wiener Zeitung". Aber Sie müssen zugeben, dass viele Ihrer Kollegen das mitunter sehr stark aus den Augen verlieren.

Wolfgang Drexler,
per E-Mail