Teilzeitarbeit oft die einzige Möglichkeit
Erwiderung auf die Leserbriefe von Dr. Andreas Khol und Alfred Trendl

Es ist richtig, dass ab 2005 Kindererziehungszeiten, auch auf Druck der Arbeiterkammer, besser bewertet werden und durch die Summierung mit dem Erwerbseinkommen in den ersten vier Jahren nach der Geburt pensionsrechtliche Nachteile durch Karenzzeiten und Teilzeitarbeit ausgeglichen werden.

Allerdings gilt der Ausgleich nur für vier Jahre. Eine Schmälerung des Einkommens geht aber zumeist über vier Jahre hinaus und damit wird Teilzeit sehr wohl zu einem Nachteil in der Pension. Das veranschaulicht der hohe Anteil an teilzeitbeschäftigten Frauen mit Kindern bis 15 Jahre mit 70 Prozent, bei Männern sind es 5 Prozent.
Solange für Kleinkinder oft gar keine Kinderbetreuung vorhanden ist und bei den bestehenden Einrichtungen nur ein Fünftel der Kinder so betreut sind, dass sich das mit Vollzeitarbeit gut vereinbaren lässt, und solange die Schule so gestaltet ist, dass zu Mittag Schluss ist, ist es nicht verwunderlich, dass sich das schwer mit einer Vollzeitarbeit beider Elternteile ausgeht. Solange es kein Recht auf ein ganztägiges Angebot im Kindergarten und in der Schule gibt, kann von Wahlfreiheit bei der Arbeitszeit keine Rede sein.
Berufsunterbrechungen wegen Kinderbetreuung sind ein wichtiger Faktor, warum die Einkommen von Frauen durch Karenzzeiten im Vergleich zu Männern zurückbleiben.
In vielen Kollektivverträgen ist es den Gewerkschaften gelungen, die Karenzzeit bei der Vorrückung mit einer Beschäftigung gleichzustellen.
Die Arbeiterkammer spricht sich dafür aus, dass Karenzzeiten so wie auch Zeiten des Präsenzdienstes voll auf das Arbeitsverhältnis angerechnet werden.
Bedauerlicherweise ist der Europäische Gerichtshof zum Schluss gekommen, dass die unterschiedliche Bewertung von Präsenzdienst und Elternkarenz keine Diskriminierung ist, mit der Begründung, der Militärdienst ist verpflichtend, Elternkarenz jedoch freiwillig.
Daher braucht es eine gesetzliche Klarstellung, dass Elternkarenz nicht schlechtergestellt werden soll als Präsenzdienst.

Ingrid Moritz,
Leiterin der Abteilung Frauen/Familie der Arbeiterkammer

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Zum Artikel von Solmaz Khorsand, 25. Mai
Österreichische Sprache in der "Wiener Zeitung"