Zum Leitartikel von Reinhard Göweil, 4. Juli
Spionageskandal ohne Folgen für USA und EU
Die Rolle der Informanten und die Geheimdienste

Grundsätzlich wäre an der Affäre zu hinterfragen, wie groß der Showanteil ist und welche Rolle die Realpolitik spielt. Dass ein 29-Jähriger nicht in die intimsten Angelegenheiten eines Geheimdienstes eingeweiht ist, sollte anzunehmen sein, und die Tatsache, dass bis in höchste Kreise abgehört wird, ist auch schon lange der Allgemeinheit bekannt.
Wäre die Sache wirklich so geheim, würde es nicht in die breite Öffentlichkeit dringen, denn das Wesen der Geheimdienste ist es, Dinge geheim zu halten. Der Name ist gleichermaßen Programm.

Mag. Martin Behrens,
1230 Wien

Motive der Whistleblower sind wie die Ideale der USA

Der nächste Aufdeckungsskandal in den USA kommt leider oder Gott sei Dank sicher.
Daniel Ellsberg, Philip Agee, der Jahrzehnte lang seine CIA-Kollegen aufdeckte; Julian Assange und sein Datenlieferant Bradley Manning. Bevor noch der Wirbel um Edward Snowden abklingt, wird schon General James E. Cartwright wegen Verrats verhört. Das sind nur die Stars der Whistleblower, deren Motive uramerikanisch sind: kompromisslose Rückkehr zu den Idealen der Gründungsväter; Verbesserung der durch "unsere politische Praxis verpesteten Welt"; absolut freie Meinungsäußerung, auch wenn illegal und gerade weil "gegen die da oben".
Immerhin interpretiert ja, sagen Experten, eine ganze Denkschule die eigene US-amerikanische Geschichte als einen Kampf gegen die Zentralregierung. Kann man sich solchen totalen Idealismus gegen die eigene Regierung in irgendeinem anderen Land auch nur vorstellen?

Dr. Herberth Czermak,
1170 Wien

Empörung der EU über Abhörskandal verpufft

Es ist beschämend und entlarvend zugleich, wie schnell die EU nach den Enthüllungen darüber, dass ihre Institutionen von den USA abgehört werden, zur Tagesordnung übergeht.

Helmut Wolff,
per E-Mail

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Zum Gastkommentar von Christian Ortner, 6. Juli
Recht und Gerechtigkeit sind nicht dasselbe

Das geschriebene Recht/Gesetz kann allerdings schon per se ungerecht sein.
Aber Gerechtigkeit ist unabhängig von Gesetzen. Wird sie abhängig von politischen Opportunitäten geübt, bestätigt sie Friedrich Nietzsche: "Gerecht, das klingt immer wie gerächt!" Fleißig geübt besonders in Vorwahlzeiten.

Christine Preyer,
per E-Mail

Anregung für den Hochwassergipfel

Wer trägt nun Schuld am Hochwasser im Eferdinger Becken? Der Kraftwerksbetreiber spricht von eingehaltenen Verordnungen, andere, dass alles Menschenmögliche gemacht wurde. Somit: Die Natur ist schuld.
Fakt ist, dass die Wehrordnung eine Flutung des Eferdinger Beckens anordnet, damit andere Regionen geschützt werden. Somit kann man nicht von einer Naturkatstrophe sprechen, sondern von einer von Menschen verursachten Katstrophe. Wenn es einen Verursacher gibt, dann hat dieser auch die Kosten zu übernehmen. Es kann daher nicht sein, dass die Betroffenen mit einem Bruchteil der verursachten Kosten sprichwörtlich "im Regen stehen gelassen" werden.
Eine weitere Facette: Hätte man rechtzeitig die Schleusen geöffnet, wäre es nie zu einer solchen Hochwasserkatastrophe gekommen.
Katastrophenschutz heißt auch rasches und individuelles Eingreifen in starre, veraltete Verordnungen. Es ist nicht immer nur die Natur, die uns Unheil bringt.

Mag. Manfred Schauer,
4070 Eferding