Die Symbolkraft einer kleinen blauen Blume

Der 29. Oktober 2013 war für mich zweifellos ein denkwürdiger Tag. Als neu gewählte Abgeordnete schwor ich mit den Worten "ich gelobe" der Republik Österreich meine "unverbrüchliche Treue, die stete und volle Beachtung der Verfassungsgesetze sowie die gewissenhafte Erfüllung meiner Pflichten" - ein bewegender Moment. Mit mir legten 182 weitere Mandatare den Treueeid gegenüber unserem Land ab. 40 davon mit einer kleinen blauen Blume am Revers.
Freilich war die FPÖ nicht die einzige Fraktion, welche ihre Parteifarbe am Auftakt zur 25. Gesetzgebungsperiode in Szene setzte. Neben uns Sozialdemokraten mit tiefroter Rose und den Schwarzen, die sie in Weiß trugen, waren da auch noch die Grünen mit kleinen Basilikum- und Schnittlauchstöckerln am Pult. Also alles normal? Nein, nicht ganz.
Das Netzgehirn spuckt beispielsweise, zur Kornblume befragt, folgende Zeilen aus: "Die Kornblume war ab etwa dem Jahre 1879 die Parteiblume der sogenannten Schönerer-Bewegung in Österreich, einer antisemitischen und großdeutschen Bewegung. Das Tragen der Kornblume wurde daher von den österreichischen Behörden zeitweise unter Strafe gestellt und galt als ,hochverräterisch‘. In Schönerers Partei ,Alldeutsche Vereinigung‘ sah man die Kornblume als Symbol der deutschen Treue an. Von 1933 bis 1938 war die Kornblume das Erkennungszeichen der damals illegalen Nationalsozialisten."
Konfrontiert man nun die FPÖ, von Heinz-Christian Strache abwärts, mit der Vergangenheit dieser Blume und ihrer den eben geschworenen Eid infrage stellenden Symbolkraft wird abgeblockt und umgedeutelt. Die Abgeordneten der FPÖ wollen darin ein Symbol der Romantik und der Freiheitsbewegung von 1848 sehen, doch ist das legitim? Nein. Zwar ist es zutreffend, dass die Kornblume in erster Linie ein unschuldiges Gewächs ist, durch das per se keine Gefahr droht. Geht es nach ihrer Bedeutung und dem, was Menschen durch bewusste Inszenierung im politischen Kontext bewirken beziehungsweise zum Ausdruck bringen wollen, sieht das jedoch anders aus.
So überstrahlt die großdeutsche und nationalsozialistische Vorbelastung dieses Korbblütlers alle alternativen Deutungsszenarien und macht die Kornblume damit zur Unberührbaren, zur Flora non grata für österreichische Demokraten und Patrioten. Lag es den Trägern dieser Blume doch daran, den österreichischen Staat abzuschaffen und ein großdeutsches Reich zu gründen.
Es war daher für mich eine leichte Entscheidung, Norbert Hofer, den Kandidaten der FPÖ zum dritten Nationalratspräsidenten, bei der Wahl nicht zu unterstützen.
Menschen, die antidemokratische Symbole vor sich hertragen, stellen sich selbst außerhalb jenes Bereiches, den man als das legitime Spektrum demokratischer Vielfalt bezeichnen würde.
Ginge es den Abgeordneten der FPÖ jedoch wirklich nur darum, ihrer Parteifarbe Ausdruck zu verleihen und wäre auch die Kornblumen-Angelegenheit nur ein weiteres Kapitel im Buch der Einzelfälle, Missverständnisse, Unterstellungen und links-linker, grundloser Diffamierungen, müsste eine Frage doch erlaubt sein: Warum keine gemeine Wegwarte?

Daniela Holzinger,
Abgeordnete zum Nationalrat

Zum Artikel von Bernd Vasari, 2. November
Zu wenig kaufkräftiges Publikum in Floridsdorf

Einkaufszentren benötigen mehr Publikum, das auch aus anderen Bezirken und dem Umland anreist. Warum soll jemand mit dem Auto zum Floridsdorfer Spitz fahren? Diese kleinen Zentren könnten normalerweise von der Laufkundschaft leben, aber die hat in Floridsdorf kein Geld.

Robert Hubac,
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