Zum Leitartikel von Reinhard Göweil, 26. November
Die gegenwärtige Politik besteht aus Irrtümern

Eine Aufnahmesperre im öffentlichen Dienst zu verhängen und Leuten ständig Angebote für vorzeitigen Ruhestand zu machen, aber gleichzeitig der Arbeitslosigkeit und den Frühpensionierungen begegnen zu wollen, ist an sich schon ein Widerspruch.
Auch die Beteuerungen der Regierenden, aufgrund der dramatischen Verschuldung und eines neuerlichen "Budgetlochs" sparen zu wollen, lösen sich in nichts auf, wenn man vor den Lehrern wegen einer minimal steigenden Anwesenheit am Arbeitsplatz in die Knie geht und in Zukunft höhere, unabhängig von der Qualifikation völlig undifferenzierte Gehälter zahlen möchte. Wie ein hoffnungslos überschuldeter Staat dafür aufkommen soll, ist in Zeiten ohnehin schon höchster Steuerbelastung schleierhaft.
Auch die mittlerweile langweilig werdende Forderung nach besserer Bildung, um die Beschäftigungslage zu optimieren, wird langsam skurril. Wenn - theoretisch - alle eine gleich gute Ausbildung hätten, würde es trotzdem keine deutlich niedrigere Arbeitslosigkeit geben, weil die Beschäftigungslage nachfrageseitig und strukturell bedingt ist. Das Einzige, was in diesem Fall zunehmen würde, wäre die Qualifikation der Arbeitslosen.

Mag. Martin Behrens,
1230 Wien

Ein glücklicher Lehrer ist auch ein guter Lehrer

Sonntagabend, ORF2, "Im Zentrum" - Lehrerdienstrecht. Die Schülerin Anna Strümpel fordert, dass Lehrer mit ihrer Arbeit glücklich sein sollten. Schule & Glück - ein Tabubruch der Sonderkategorie! Nur fällt dies leider niemandem in der Runde auf, keine(r) geht darauf ein. Aber es werden die bekannten "Positionen" wiedergekaut und verkohlte Worthülsen aufgewärmt.
Das Ziel der neuen Lehrerbildung? Es ist so einfach, die Lehrerglücksidee der Schülerin Anna Strümpel in ein Programm zu gießen! "Ziel der Lehrerausbildung muss es sein, dass Lehrer jeden Tag so gerne in die Schule gehen, wie sie es sich wünschen, dass es ihre Schüler tun!" Oder: Nur glückliche Lehrer sind motiviert, nur motivierte Lehrer schaffen es, Schüler zu motivieren.
Doch nein - über das Lehrerglück nachzudenken, darüber zu sprechen und zu schreiben, dieses gar einzufordern, gilt als verweichlicht, unprofessionell, unwissenschaftlich! Dennoch, das Hintanstellen von menschenferner pädagogischer Technokratie zugunsten von schulischer Menschlichkeit - Stichwort Lehrerglück - könnte bislang unverrückbare Blockaden brechen - dank der so hellsichtigen Schülerin Anna Strümpel!

Prof. Ernst Smole,
1080 Wien

Prozess gegen Ernst Strasser geht zurück an den Start

Überrascht war ich nicht wirklich als ich gerade hörte, der Oberste Gerichtshof hätte das Urteil gegen Ernst Strasser zurück an die Vorinstanz zur Reparatur geschickt. Denn die Urteile der letzten Zeit in Sachen Korruption waren fallweise überraschend.
Erstaunt bis verblüfft bin ich allerdings ob der Tatsache, dass dem OGH sozusagen im Urteil das Gesetz fehlt, nach dem Strasser verurteilt wurde. Der Verteidiger hat den Mangel nicht bemerkt und auch die Generalprokuratur nicht. Die Richter des OGH sind eben doch noch besser qualifiziert. Die Tat selbst ist ja in Wort und Bild festgehalten und jeder konnte sich ein Bild machen, auch wenn die Unschuldsvermutung gilt.
Jetzt wollen wir mit der vorgeschriebenen Unschuldsvermutung warten, was weiter herauskommt. Ob es Überraschung oder Verblüffung sein wird, was uns dann befällt, oder ein ganz anderes Gefühl ...

Jürgen Jauch,
4040 Linz

Zum Artikel von Hans Kronspieß, 27. November
Papst Franziskus aus evangelischer Sicht

Als evangelischer Christ ist man immer wieder aufs Neue überrascht, dass Reformen in der katholischen Kirche angekündigt werden, die in der Zeit zwischen 1517 und 1648, besonders im deutschsprachigen Raum, bereits eingeführt wurden und seitdem im großen Stil von genau jener Kirche bekämpft wurden und bis heute werden, die sich als Reformerin dafür feiern lassen will.
Bei allem Respekt und aller Hochachtung vor Papst Franziskus und seinem Mut, diese Reformen - bis hin zu seinem eigenem Amt - in Angriff zu nehmen, darf bezweifelt werden, dass das der große Wurf wird, der dann tatsächlich zu evangeliumsgemäßem Christentum führen wird, wie es in den meisten evangelischen Kirchen und Gemeinschaften längst gang und gäbe ist.
Paulus hat den Gemeinden in Galatien damals zugerufen: "Ihr unverständigen Galater!" und hat sie zur Freude am Evangelium aufgerufen - und das ist schon über 2000 Jahre her!
Es wird Zeit, dass das den Gläubigen in der katholischen Kirche auch mal gesagt wird und damit die hierarchischen Strukturen aufgebrochen werden, damit man zur Mitte des Evangeliums durchdringen kann. Das ist und bleibt das Erlösungswerk Jesu Christi, sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung!

Dipl.-Ing. Friedrich E. Starp,
3003 Gablitz/Wienerwald

Zum Leserbrief von Peter Menasse, 22. November
Nur die lächelnde Maske einer Diktatur?

Mit gewohnter Brillanz und beißendem Sarkasmus hat Herr Menasse die Farce um das "König Abdullah Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog" bloßgestellt. Mein Kompliment für seinen kein Tabu scheuenden Kommentar und für die "Wiener Zeitung", diesen ungekürzt zu bringen!

Prof. Dr. Harald Hansluwka,
per E-Mail