Zum Leitartikel von Reinhard Göweil, 21. Jänner
Wachstum der Städte durch Bevölkerungswanderung

Derzeit lebt weltweit bereits etwa jeder zweite Mensch in einer Stadt, in wenigen Jahrzehnten sollen es auf Grundlage qualifizierter Schätzungen an die 75 Prozent sein. Die Folge der Urbanisierung ist die Verödung ländlicher Gebiete und kleiner Gemeinden und birgt eine ganze Reihe von Konfliktfeldern.
Die Probleme, die neben explodierenden Immobilienpreisen und Verkehrsdefiziten mit der Verstädterung verbunden sind, wie Verslumung, Umweltverschmutzung, Kriminalität und so weiter, gehen einher mit der Korrosion ganzer Regionen durch die Landflucht.

Doch anstatt diesem Trend hierzulande durch Dezentralisierung entgegenzuwirken, verstärken und beschleunigen die öffentliche Hand und die staatsnahe Wirtschaft diese Entwicklung durch Schließung von Polizeistationen, Bezirksgerichten, Postämtern und vielem mehr.

Mag. Martin Behrens,
1230 Wien

Zur Berichterstattung über das Team Stronach

Wir hatten uns schon im Vorfeld der Nationalratswahl gewundert, welch ein Medienhype um das Team Stronach gemacht wurde, obwohl jedes Interview mit dem Parteigründer Frank Stronach und jede Stellungnahme bereits zur Ernüchterung geführt hatten.
Insofern brauchten wir uns nach der Wahl nicht als Propheten zu bezeichnen, dass es nur 5,7 Prozent waren - wir hatten sogar noch weniger vermutet.
Jetzt benimmt sich der Parteigründer Frank Stronach ganz genauso, wie man es von ihm erwarten musste.
Von daher sind Aufruhr und Rebellion in den Reihen des Teams Stronach nicht so recht nachvollziehbar. Was hatten die Damen und Herren, die dem großen Geld gefolgt sind, denn tatsächlich erwartet?
Wir hoffen, dass sich das Thema "Team Stronach" in absehbarer Zeit so erledigt, dass es noch zu einer Zeile in den Geschichtsbüchern reicht. Das soll es dann aber auch gewesen sein.

Dipl.-Ing. Friedrich E. Starp
3003 Gablitz

Der psycho-hygienische Effekt von TV-Trash

Im Zeitalter der Medienvielfalt, wo neben den zahlreichen verfügbaren TV-Kanälen die sozialen Netzwerke die Menschen in ihrem Medienkonsumverhalten bestimmen, ist es sicher beachtenswert, wenn ein Boulevard-Format die Menschen so fasziniert wie das "Dschungelcamp" von RTL. Zweifellos funktioniert die Bewerbung vom Print bis zu den sozialen Medien optimal, verstärkt und bedient nahezu interaktiv den latenten Voyeurismus der Medienkonsumenten.
Im Falle des Formats "Dschungelcamp" ist es sicher mehr, was die Menschen sich zu bestimmter Zeit vor den TV-Schirmen versammeln lässt. Es ist in diesem Fall ein Beispiel einer multimedialen Bühne, die Einblicke in ein psychodramatisches Szenario erlaubt, die sich auch im normalen Leben finden lassen.
Es beginnt mit den für das Camp auserwählten Charakteren, die es im Falle des durchschnittlichen Promistatus leicht machen, sich als Normalbürger mit diesem teilweise zu identifizieren. Daraus ergibt sich die dramaturgische Option, sich an den aktionistischen Szenenausschnitten, die übertragen werden, so emotional zu beteiligen, dass es einerseits innerhalb der Familie, aber auch in den sozialen Netzwerken zu heftigen Diskussionen bis zu Auseinandersetzungen mit der eigenen Lebenssituation kommt.
Man kann ohne Übertreibung von einem gewollten oder ungewollten psycho-hygienischen Effekt sprechen, den dieses Format auslöst und zwischen jenen, die die Sendung regelmäßig sehen, und jenen, die dieses Format nur sporadisch verfolgen oder ganz ablehnen, zu einer Spaltung in der Gesellschaft führt.
Das Dschungelcamp ist ein dramaturgisch überzeichnetes Spiegelbild von Ausschnitten einer Konsum- und Kommunikationsgesellschaft, die so manche auffällige Blüten treibt, die gerade in Szenen eines solchen Formats sehr gut bewusst gemacht werden können. Die zynischen, lustigen aber durchaus geistreichen Kommentare der Moderatoren der Sendung erinnern an einen offen deuteten Psychotherapeuten.
Bei aller berechtigten Kritik solcher reißerischen Formate kann man diesen neben der kommerziell ausgereiften Motivation den Schuss an modifiziertem Bildungsauftrag nicht ganz absprechen. Frei nach dem Kommunikationspsychologen Paul Watzlawick kann man festhalten, dass die polarisierenden Reaktionen des Medienpublikums nur ein Ausschnitt einer konstruierten Wirklichkeit sind, die eine immer größere Schnittmenge mit unserer erlebten Realität hat. Es ist nur auf den paradoxen Effekt auch solcher Formate zu hoffen, dass neben dem kritiklosen Identifizieren auch ein Prozess der kritischen Reflexion der eigenen Lebensrealität einhergeht.

Dr. Franz Witzeling,
per E-Mail

Zum Gastkommentar von Haimo L. Handl, 21. Jänner
Eine nachhaltige Afrikahilfe muss in Afrika beginnen

Danke, Herr Handl. Es kann nicht oft genug gesagt werden, Afrikaner müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.
Die betroffenen Regierungen sehen in der Korruptionsbekämpfung in erster Linie eine Einmischung in interne und politisch sensible Angelegenheiten. Man erwartet von uns, dass wir das Wohl der Machteliten nicht durch unbequeme Fragen nach dem Volkswohl stören. Was wir bei unseren eigenen Regierungen für selbstverständlich erachten und kritisch beobachten, fordern wir in Afrika nicht ein: Zu einer guten Regierungsführung gehört zuallererst, die eigene Bevölkerung nicht zu missachten.
Im Englischen gibt es den Begriff "tough love". Er bedeutet, dass man jemanden härter anfasst, um ihm längerfristig zu helfen. Wir sollten endlich umdenken und nur noch dort helfen, wo sich Regierungen ihren Bevölkerungen verpflichtet fühlen.

Volker Seitz,
Botschafter a.D.
per E-Mail