Zum Leitartikel von Walter Hämmerle, 18. Februar
Parlamentarischer U-Ausschuss zur Hypo

Dass die Medien einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Pleite der Hypo Alpe Adria wollen, ist verständlich, auch dass sich der stellvertretende Chefredakteur der "Wiener Zeitung", Walter Hämmerle, besonders ins Zeug legt. Ist doch in unserer friedlichen, kleinen Republik so wenig los, dass man eine große Pleite schon etwas bebrüten muss, um die Zeitungen zu füllen und das Publikum unterhalten zu können.
Weniger verständlich ist, dass die politische Klasse sich für parlamentarische Untersuchungsausschüsse erwärmen kann. Der Untersuchungsausschuss im Jahr 2012 hat das Ansehen der Politiker deutlich verschlechtert, dann kamen die Wahlen mit den nachfolgenden Auseinandersetzungen zur Regierungsbildung und jetzt die Hypo-Pleite.
Alles zusammen hat das Vertrauen der Österreicher in die Politiker, wie eine aktuelle Umfrage der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft gezeigt hat, dramatisch verschlechtert. Nur 22 Prozent haben großes Vertrauen in die Politiker, 72 Prozent geringes bis überhaupt kein Vertrauen. Ohne Vertrauen der Wähler in ihre politische Führung kann aber die parlamentarische Demokratie nicht funktionieren.
Wenn wir nun tatsächlich die österreichische Politik durch parlamentarische Unterausschüsse bereichern wollen, wollen wir im konkreten Fall Hypo Alpe Adria davon absehen, dass viele Teilnehmer den Unterschied zwischen Insolvenz und Konkurs nicht kennen, geschweige denn die Problematik des Bankgeschäfts verstehen. Was bisher über die Hypo Alpe Adria diskutiert wurde, kann diese Erkenntnis nur verfestigen.
Wenn nun die Oppositionsparteien glauben, dass nur die Regierungsparteien aus den Ausschüssen geschädigt hervorgehen, dann ist das eine Illusion. Für die Wähler ist die politische Klasse eher eine Einheit, als dass man genau differenziert.

Dkfm. Dr. Heinz Kienzl,
ehemaliger Generaldirektor der Nationalbank, Mitbegründer
der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik

Zum Artikel vom 14. Februar
Neue Mittelschule führt nicht zu Niveausteigerung

Hat wirklich jemand erwartet, dass die Neue Mittelschule alle Defizite der Schüler aus Elternhaus, Vorschulzeit und Volksschule ausgleichen könnte?
Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft und nach allen internationalen Erfahrungen finden die wichtigsten Weichenstellungen für die Bildungskarriere eines Kindes bis zum zehnten Lebensjahr statt. Danach ist eine Korrektur offensichtlich nur mehr eingeschränkt möglich. In der Vorschulzeit müsste daher fördernd und unterstützend eingegriffen werden, um deutliche Veränderungen zu erreichen.
Der letzte innerösterreichische Leistungsvergleich bestätigt nur die internationale Erfahrung, dass Einheitsschulen zwischen dem zehnten und vierzehnten Lebensjahr kaum Fortschritte bringen. Eine Verlängerung der in der Volksschule verwirklichten Gesamtschule um weitere vier Jahre würde die aktuellen Probleme nur weiterschieben.
Die hohen Kosten der Neuen Mittelschule lassen befürchten, dass eine wirkungsvolle "innere Differenzierung" flächendeckend gar nicht realisierbar wäre. Am Ende stünde also letztlich die nivellierende Eintopfschule für alle bis zum 14. oder 15. Lebensjahr.
Wir brauchen aber keine ausgleichende Nivellierung, sondern dringend eine Hebung des Niveaus bei allen Schultypen.
Eine Niveausteigerung wird aber durch Abschaffung eines differenzierten Schulangebotes ab dem zehnten Lebensjahr und die zwangsweise Vergeudung von vier Bildungsjahren für Leistungswillige und Leistungsfähige nicht erreichbar sein.

Dipl.-Ing. Mag. Irmfried Aringer,
2700 Wiener Neustadt