Zum Artikel von Sara Hassan, 19. April
Auf Kreuzzug gegen das Kruzifix in der Universität

Die Autorin, die sich selbst als "Kind der Wissenschaft" bezeichnet, fühlt sich als Psychologiestudentin in einem Hörsaal der katholischen Theologie durch ein Kruzifix "betroffen" und führt daher gegen dieses Kruzifix "seit mittlerweile fünf Wochen (. . .) einen bürokratischen Kreuzzug".
Stefan Zweig hat 1929 (in "Joseph Fouché) geschrieben, es seien immer wieder "idealistisch gläubige Menschen", die in ihrem Fanatismus mehr Unheil anrichteten als Realpolitiker; es werde - nach Stefan Zweig - immer gerade der "Weltverbesserer" sein, der "in edelster Absicht Anstoß gibt (...) zum Unheil".
Man kann Stefan Zweig nach allen Erfahrungen der Geschichte kaum widersprechen: Weniger sich absolut gebende "G’scheitheit", dafür aber mehr ausgleichender "Verstand" wären immer schon besser gewesen.

Univ. Prof. DDr. Walter Barfuß,
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Pragmatischer Umgang mit katholischer Religion im Alltag

Ich bin im "Heiligen Land" Tirol in Innsbruck in die AHS gegangen. Nach außen hin spielte damals in den Fünfzigerjahren Religion eine große Rolle, aber in Wirklichkeit scherte sich niemand um die Religion. Es gab zwischen Lehrkörper, Schülern und Eltern eine Art Stillhalteabkommen, dass über Religion nicht debattiert wurde. "Gar nicht einmal ignorieren" - dieser Satz von Karl Kraus beschreibt gut das Verhältnis zur Religion. Trotzdem wäre mir aus heutiger Sicht eine klare Trennung von Staat und Religion wie in Frankreich lieber.

Dr. Werner Otter,
per E-Mail

Zum Artikel von Timothy Snyder, 19. April
Gültigkeit bestehender Grenzen ist infrage zu stellen

Völkerrechtlich betrachtet ist der Überfall auf die Krim und ihre Annexion eine Sache. Im Gesamtkontext kann man die mentale Zugehörigkeit der Krim zu Russland nicht ganz von der Hand weisen. Bezogen auf die Ukraine wäre es eine Überlegung, wenn die Übergangsregierung auf die östlichen Gebiete freiwillig verzichten würde. Meines Erachtens ist mit der neosowjetisch denkenden Bevölkerung im Donbass keine zukunftsgewandte Zivilgesellschaft aufzubauen. Für die gebildete Jugend müssten großzügige Auswanderungsmöglichkeiten geschaffen werden. Und in der dann weitgehend homogenen Ukraine könnte sich dann eine kultivierte und demokratische Gesellschaft entwickeln.

Walter Fritz,
per E-Mail