Ich bin enttäuscht von der österreichischen Regierung, die den russischen Präsidenten so herzlich empfangen hat. In den Nachrichten hieß es, der russische Präsident Wladimir Putin hat sich selbst eingeladen und Österreich konnte nicht nein sagen. Es hat aber anders ausgesehen. Zuerst Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, dann Bundeskanzler Werner Feymann, alle waren hoch erfreut, den hohen Gast empfangen zu dürfen, haben mit ihm Witzchen ausgetauscht wie mit dem besten Kumpel.

Man hat die höchsten Sicherheitsvorkehrungen getroffen, damit der wichtige Gast aus Russland bloß nicht gestört wird. Von wem wohl? Von den ukrainischen Demonstranten oder von dem Regenbogenmarsch? Deswegen hat man die Kolonne mit den ukrainischen Demonstranten vor der Wirtschaftskammer Wien abgeschirmt? Deswegen wurde die Kolonne mit den ukrainischen Nationalfahnen am Anfang des Schwarzenbergplatzes angehalten und nicht weiter zum sowjetischen Denkmal zugelassen? Deswegen wurde ich auf dem Weg dorthin aufgehalten? Die Ukrainer, die es doch geschafft haben, zum Platz mit dem Denkmal näher zu kommen, wurden von den Autos und Minibussen abgeschirmt. Herr Putin darf sie nicht sehen und hören, er soll ungestört seinen Wienbesuch genießen. Wahrscheinlich hat man keinen Journalisten aus der Ukraine zur Pressekonferenz von Herrn Putin und Herrn Fischer zugelassen. Ich weiß es nicht.

Ich bin von der österreichischen Regierung enttäuscht. Ausgerechnet Österreich empfängt den russischen Präsidenten als erstes westeuropäisches Land, nachdem die russischen Truppen auf die ukrainische Krim und in den Osten der Ukraine einmarschiert sind. Während in der Ukraine jeden Tag von der russischen Hand Menschen sterben. Ausgerechnet Österreich, wo jeder dritte Österreicher osteuropäische, auch ukrainische, Wurzeln hat. Ausgerechnet Österreich, das als großes Reich einen Teil der heutigen Ukraine zur Monarchie zählte.

Wir haben auch geglaubt, dass Russland sich verändert hat, dass Russland eigentlich ein Bruderland für die Ukraine ist. Ein guter zuverlässiger Nachbar, der uns respektiert und uns Frieden wünscht. Die Ereignisse in den letzten Monaten zeigen, dass wir uns geirrt haben. Nein, Russland hat sich nicht verändert. Es ist ein Land, das nur daran denkt, seine Grenzen, Macht und Einfluss zu erweitern. Fragen Sie Österreicher, die die Nachkriegszeit erlebt haben. Sie erzählen, wie damals alle vor den Russen gezittert haben und Rosenkranzgebete gesprochen haben, damit die sowjetisch-russischen Truppen Österreich verlassen. Der sowjetische Minister Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow hat damals gedroht, dass Österreich dasselbe Schicksal wie Deutschland treffen wird: Unterteilung zwischen der Sowjetunion und den Alliierten. Ein Wunder ist geschehen, die Rote Armee hat Österreich verlassen. Stellt sich nur die Frage für wie lange...

Olena Tys,
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Zum Leitartikel von Reinhard Göweil, 21. Juni
Die US-amerikanische Freundschaft mit der EU

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die USA nach wie vor nach der englischen Pfeife tanzen und oft genug die Drecksarbeit für britische Geopolitik machen mussten. Der Schwanz wedelt tatsächlich mit dem Hund, und möglich ist das ideell, weil man anglophile Politiker bevorzugt, und monetär, weil sich die Fed als private Institution mehrheitlich im Eigentum weniger Familien befindet, deren Spuren zum Finanzplatz London führen.
Der europäische Kontinent wurde von den englischen Eliten immer schon als Gegner und nicht als Partner gesehen.

Mag. Martin Behrens,
1230 Wien