"In der letzten Schulwoche passiert eh nix mehr." Solchen und ähnlichen Aussagen sind jedes Jahr Lehrer, aber auch Schüler ausgesetzt. Teilweise stimmt das schon, denn um "Stoff" zu machen, ist nach Notenschluss einfach die Luft draußen, doch eignen sich diese Tage perfekt, um die Dinge mit Schülern zu unternehmen, für die unter dem Schuljahr wenig Zeit bleibt beziehungsweise Eltern keine Zeit oder kein Interesse haben.

Folgende Geschichte ist wirklich passiert: Dienstag letzte Schulwoche, mit meiner 5. Klasse ist ein Ausflug zur Riegersburg und in eine Schokoladenmanufaktur geplant. Bus, Führungen wurden von mir im Vorfeld organisiert. Treffpunkt 7.30 Uhr vor der Schule, Abfahrt war für 7.40 Uhr geplant. Drei Schülerinnen fehlen noch, sie kommen mit einer Seelenruhe um 7.45 Uhr angeschlichen. Ist doch der Zeitplan ohnehin etwas knapp. Wir fahren zur Riegersburg und aus Ersparnisgründen ist ein 15-minütiger Aufstieg zu Fuß auf die Burg geplant. Dass man auch mit dem Lift fahren könnte, wissen leider die Kinder. "Ich kann da nicht zur Fuß raufgehen, ich habe Anstrengungsasthma!" - "Du hast was?" - "Wenn ich mich anstrenge, bekomme ich einen Asthmaanfall." - "Hast du einen Asthmaspray mit?" - "Nein, ich war zu faul, den mitzunehmen."

Der Lift ist auf der anderen Seite der Burg, die Zeit drängt, aber soll ich einen Asthmaanfall riskieren? "Dann geh bitte ganz langsam!" Dass besagte Schülerin ohne irgendwas in einem raschen Tempo den Burgberg erklommen hat, sei hier nur nebenbei erwähnt.

Führung in der Burg, im zweiten Raum erklärt mir eines der zu spät gekommenen Mädchen, dass ihr nicht gut ist. "Hast Du etwas zu trinken mit?" - "Nein." - "Schau, hier hast du meine Wasserflasche, trink was!"

Der Bachblütennotfallspray und gutes Zureden bewirken, dass wir die Führung fortsetzen können - aber nur bis zum fünften Raum. Ich sehe ein Mädchen (auch eines von denen, die zu spät gekommen sind - vielleicht hätte ich nicht warten sollen?!) taumeln.

Bevor ich noch eingreifen kann, kollabiert sie. Beine hochlagern und sie kommt gleich wieder zu sich. Sie gesteht mir, heute noch nichts gegessen zu haben. Ich gebe ihr mein Weckerl, das sie brav isst. Ich werde wohl noch woanders einen Mittagssnack bekommen, ich habe sonst nichts mit. Dann habe ich sie wieder alle im Bus und es geht weiter. Kurze Mittagspause, dann Schokoladenfabrik mit dem Hinweis meinerseits, sich nicht zu überessen. Herrlich, man konnte dort so viel Schokolade kosten, wie man wollte, köstliche Schokolade noch dazu! Um 15.45 Uhr Treffpunkt beim Bus, mittlerweile war eine Geldbörse verloren gegangen, von mir aber wiedergefunden worden. Im Bus kam es, wie es kommen musste: "Frau Professor, mir ist schlecht!" Details erspare ich mir. Um 17.30 Uhr waren wir wieder vor der Schule.

Für meine Schüler war dieser Tag laut ihren eigenen Aussagen der schönste im ganzen Schuljahr. Mir hat er auch sehr gut gefallen und ich will in keinster Weise jammern, ich will nur, dass Sie, liebe Eltern, daran denken, wenn Sie das nächste Mal über Lehrer lästern (wollen).

Mag. Eva Teimel,
AHS-Lehrerin in Baden/Wien