Zum Kommentar von Farid Hafez, 31. Dezember

Ungerechtfertigte Kritik
an Christian Ortner

Farid Hafez’ vorgebliche Replik auf Christian Ortners Kommentar "Die Wahrheit ist zumutbar, auch dem Islam" (in der "Wiener Zeitung vom 27. Dezember) bezieht sich in keinem einzigen Punkt auf Ortners Aussagen.

Sie beginnt mit einem verfälschten Zitat ("Ortner meint, es gäbe Wahrheiten"), um mittels dieser kleinen Adaptierung darauf hinweisen zu können, dass "in der Postmoderne selten noch von Wahrheiten" gesprochen werde, womit impliziert werden soll, dass Ortner noch nicht in der Postmoderne angekommen sei, sehr wohl aber der Islam - womit sich für Hafez eine Antwort auf Ortners Frage erledigt, "wie kompatibel [der Islam] mit der Moderne wirklich ist".

Es geht weiter mit einem Rundumschlag gegen so ziemlich alles, was in Ortners Kommentar nicht vorkommt: Pegida, rechte Parteien und deren Wahlkämpfe gegen eine drohende Islamisierung des Landes, islamophobe Verschwörungstheorien, US-Republikaner, erfundene infantile Stammtischgespräche über Schweinsschnitzel, die FPÖ, Anders Breivik...

Und Hafez endet damit, dass er Ortner indirekt, aber deutlich bezichtigt, einer derjenigen zu sein, die die "Theorie einer islamischen Weltverschwörung, einer Nichttrennung von Islam und Islamismus" journalistisch aufbereiten - und zwar ohne auf die von Ortner zitierte Feststellung Recep Tayyip Erdogans einzugehen, es gäbe in Wirklichkeit "keinen Islamismus, sondern nur einen Islam." Und nirgends nimmt er Bezug auf von Ortner angeführte verstörende Tatsachen wie islamistisch inspirierte Anschläge und islamischen Antisemitismus in Europa.

Zum Abschluss spricht er aber dann im Gegensatz zur Einleitung doch noch - trotz Postmoderne - von "verschiedenen Wahrheiten".

Dass die "Wiener Zeitung" als Antwort auf einen vorbildlichen Kommentar einer solchen Polemik Raum gibt, zeugt geradezu von einem Übermaß an Toleranz und Entgegenkommen!

Karl Steinkogler,

4802 Ebensee

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Die Leichtfertigkeit, mit der Akteure, die bei jeder Gelegenheit Political Correctness einmahnen, von "Islamophobie" sprechen, verblüfft. Ob sie wissen, dass Phobie eine Geisteskrankheit ist, dass sie also im Rundumschlag Bürger des Wahns bezichtigen und zum Fall für die Psychiatrie erklären, ohne auch nur mit ihnen gesprochen zu haben? Wahrscheinlich schon. Denn darauf kommt es ihnen ja offensichtlich an: Vorbehalte als krankhaft darzustellen. Impliziert doch der kleine Wortteil "Phobie" per definitionem "unbegründete, krankhafte Angst" armer Irrer, die zu schwach sind, dagegen anzukämpfen.

Wie gut ist es da, dass es mit Farid Hafez einen Experten, mit seinem "Jahrbuch für Islamophobieforschung" eine Erste Hilfe und für mich eine letzte Hoffnung auf Klärung der medizinischen Faktoren gibt. Er könnte ein Gespräch mit mir führen, in seinem Jahrbuch nachschlagen und danach konstatieren, ob meine Vorbehalte gegen den Islam phobisch oder realitätsbezogen sind. Und wenn’s mir nicht helfen sollte, vielleicht hilft’s ihm?

Werner Stanzl,

per E-Mail