Offener Brief von Milos Zeman an Heinz Fischer
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

Sie und mit Ihnen Österreich gedenken des 100. Geburtstags des ehemaligen Bundespräsidenten, Außenministers, Richters und Diplomaten Dr. Rudolf Kirchschläger.
Ich möchte aus diesem Anlass Herrn Bundespräsidenten a.D. Kirchschläger ein stilles Gedenken widmen und seinen persönlichen Verdienst bei der Erteilung von Visa im Jahr 1968 an der österreichischen Botschaft in Prag in Erinnerung rufen. Österreich nahm damals zehntausende unserer Staatsbürger auf, die von Jänner bis zum Einmarsch der Armeen der UdSSR und des Warschauer Paktes im August den hoffnungsvollen Traum von Freiheit und Demokratie lebten. Die Grenzen Österreichs blieben für den Flüchtlingsstrom aus der Tschechoslowakei geöffnet, und Österreich nahm alle auf - unabhängig davon, ob sie sich für eine spätere Rückkehr entscheiden würden. Die Tschechische Republik zeichnete dafür Herrn Bundespräsidenten a.D. Kirchschläger im Jahr 1996 mit dem Tomá-Garrigue-Masaryk-Orden aus. Er sagte damals: "Ich wünsche mir für Österreich, dass es Menschen gibt, denen das Wohl des Landes wichtiger ist als die Karriere." Diese Worte gingen über seine Haltung und Tat in eine für unsere beiden Nationen äußerst wichtige Erfüllung.
Sehr geehrter Herr Bundespräsident, gestatten Sie mir, Ihnen meine höchste Anerkennung für die Persönlichkeit von Bundespräsident a.D. Kirchschläger auszudrücken und Ihrem Land zu wünschen, dass er weiterhin auch ein Vorbild und eine Inspiration für die Generation der jungen österreichischen Politiker bleibt.

Milo Zeman,
Präsident der Tschechischen Republik

Zum Artikel von Brigitte Pechar, 19. März

Verhandlungsgeschick bei der Steuerreform

Wenn ich mir so die Details anschaue, die jetzt zur Steuerreform durchsickern, muss ich mein ursprüngliches Urteil über das Verhandlungsgeschick der SPÖ revidieren: Dadurch, dass sich die ÖVP mit ihrem dogmatischen Njet zur Vermögenssteuer selbst eingemauert hat, hat sie sich zum "Ausgleich" jede Menge kleinerer Nachteile für den Mittelstand eingehandelt, die in Summe auch ganz schön ins Geld ihrer Klientel gehen. Ob es da nicht gescheiter gewesen wäre, die "Schröpfung" von ein paar Millionären zuzulassen und damit die SPÖ zufriedenzustellen? Kommt verdächtig einem Eigentor nahe, denke ich.

Franz Kumpfmüller,
1010 Wien

Steuerreform zum Nachteil kinderreicher Familien

Es gibt etwa fünf Millionen Steuerpflichtige (Aktive und Pensionisten). Diese sollen pro Person um 400 bis 2000 Euro, im Schnitt um 1000 Euro und in Summe um 5 Milliarden Euro entlastet werden. 100 Millionen Euro davon, ganze 2 Prozent, sind für die etwa zwei Millionen Kinder vorgesehen, das sind null Euro bis maximal 110 Euro, im Schnitt 50 Euro je Kind und Jahr.
Laut UN-Kinderrechtskonvention und österreichischer Verfassung "ist bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist". Wieviel unsere Regierung bei ihrem Fuhrwerken von Grundrechten hält, hat sie uns soeben wissen lassen. Bei ihr spielt nur die Höhe des Einkommens eine Rolle, nicht die bei gleichem Einkommen und unterschiedlicher Kinderzahl unterschiedliche Belastbarkeit.

Dieter Mack,
9020 Klagenfurt

Zum Artikel von Brigitte Biwald, 7. März
Erinnerungen an Luftangriffe auf Wien

Ihr Artikel über den 12. März 1945 berührte mich sehr. Danke! Ich war seinerzeit in Wien, Wiedner Hauptstraße, beschäftigt und suchte an jenem Tag Schutz im Luftschutzkeller am Lobkowitzplatz. Trotz der vergangenen Jahrzehnte kann ich die damalige Situation voll nachempfinden. Der Lärm der nahenden Bomber wurde stärker spürbar, Kalk rieselte von der Decke, das Licht verlosch zeitweise. Totenstille herrschte im Keller. Dann endlich Entwarnung, man konnte den Luftschutzkeller verlassen - und hatte die brennende Oper vor sich. Nie werde ich diesen Eindruck vergessen!
Wochen später vermied man, an den Trümmern des Philippshofs vorbeizugehen, der Verwesungsgeruch der nicht geborgenen Verschütteten wurde täglich stärker...
Nach Beseitigung der Trümmer wurde dort im Rahmen der Grundmauern eine Rasenfläche zum Gedenken der Toten angelegt - eine würdige Gedenkstätte.
Am 1. April verließ ich Wien. Dies war nur mehr mittels Donauuferbahn möglich, St. Pölten war zerstört. Nach 22-stündiger Fahrt kam ich in meinem damaligen Heimatort Bad Hall an. 1957 hatte ich die große Freude, in der wiederhergestellten Staatsoper eine "Fidelio"-Aufführung zu erleben, das Leben ging weiter, geprägt von bitteren Erlebnissen.

Irene Glantschnig,
4600 Wels

Zum Artikel von Alexander Maurer, 14. März
Gratisparkplätze für Elektroautos

Als einsamer Elektroauto-Besitzer und -Fahrer in Wien unterstütze ich diese Vision der Gemeinde Wien: Bernd Vogel, Abteilungsleiter der MA 20, glaubt, dass im Jahr 2050 "der gesamte Individualverkehr mit alternativen Antrieben arbeitet". Um dorthin zu kommen, braucht es jedoch mehr Mut seitens der Stadt Wien als bisher.
Während im deutschen Bundestag vorige Woche das Gesetz zum Gratisparken von Elektroautos in Städten beschlossen wurde, herrscht diesbezüglich in Wien Funkstille. Stuttgart hat es vorgezeigt, in Amsterdam gibt es das schon seit Jahren: Gratisparken für Elektroautos.
Der medizinische Nutzen wäre sehr hoch, wenn nicht jeden Tag hunderttausende Verbrennungsmotoren in Wien die Luft belasten würden. Chronische Lungen- und Herzkrankheiten würden zurückgehen. Kinder, Fußgänger und Radfahrer wären nicht mit jedem Atemzug dem Gestank der Abgase ausgesetzt.
Deswegen mein Vorschlag für ein wirklich gesundes Wahlgeschenk: Gratisparken für Elektroautos in Wien, das würde Anreize setzen und die Autofahrer zum Nachdenken bringen.

Dr. med. Franz Piribauer,
1070 Wien