Zur Glosse von Severin Groebner, 28. November 2015

Vorwurf der Menschenverachtung

Herr Groebner ist Kabarettist, allerdings kein Meister der feinen ironischen Klinge, der zum Lachen bringt. Wohl eher von der, nach Selbsteinschätzung, intellektuellen Art, die sich durch Missmut gegenüber dem (dummen) Rest der Menschheit auszeichnet. Das berechtigt ihn wohl dazu, seine ganze Menschenverachtung über das Volk, dem er sich nicht zugehörig fühlt, auszuschütten.

Als Intellektueller wird Herr Groebner wissen, was Volk auf Griechisch heißt. Dass er so einen unserer Werte besudelt und den Souverän verächtlich macht, muss ihm bewusst sein. Bei einem anderen Autor und an anderer Stelle läge wohl schon eine Sachverhaltsdarstellung beim Staatsanwalt. Groebners Auslassungen ("dass beim (österreichischen) Volk die Kacke stets vorne herauskommt") sind durch die Meinungsfreiheit gedeckt, allerdings verzichtbar - zumindest in einem Qualitätsmedium.

Jürgen Jauch,

4040 Linz

Stellungnahme des vom Leser angerufenen Österreichischen Presserats dazu:

Der Senat des Presserats hat beschlossen, in diesem Fall kein selbständiges Verfahren einzuleiten. Der Senat betont, dass es sich bei dem vorliegenden Beitrag um die Glosse eines Kabarettisten handelt und dies auch für die Leserinnen und Leser erkennbar ist. In einer Glosse bringen Autorinnen und Autoren ihre persönliche Meinungen und Wertungen zum Ausdruck - oft in satirischem Stil. Bei satirischen Beiträgen reicht die Meinungsäußerungsfreiheit weiter als bei einem neutralen Bericht. Verfremdungen, Verzerrungen, Sarkasmus, Zynismus und Übertreibungen sind für satirische Beiträge typisch. Selbst wenn eine Satire die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten sollte, sieht der Senat keinen Anlass, ein medienethisches Verfahren einzuleiten. Für Geschmacksfragen sind die Senate des Presserats nicht zuständig (vgl. die Fälle 2014/188 und 2015/189). Die satirischen Elemente und die Wertungen des Autors bewegen sich nach Ansicht des Senats jedenfalls im Rahmen dessen, was in einer Glosse zulässig ist.

Österreichischer Presserat, Senat 2 Vorsitz: Mag. Andrea Komar