Traumatische Geschichte aufarbeiten mit oder ohne Kunst? Antworten aus Afrika, Europa und dem Nahen Osten

Nun gibt es denn so gut wie überall am Globus aufzuarbeitende Geschichte. Wie gehen im Vergleich andere Länder mit ihren eigenen Orten des Traumas um? Es folgt eine kurze Auswahl.

Äthiopien zum Beispiel errichtet das würdevolle "Red Terror Martyrs' Memorial Museum" zum Gedenken an die Opfer des Derg-Regimes unübersehbar im Herzen seiner Hauptstadt Addis Abeba - und damit direkt im Blickfeld der gesamten Afrikanischen Union.

Irak, Autonome Region Kurdistan: Die Universitätsstadt Sulaimaniyya gewährt sehr tiefen Einblick in die tragische Vergangenheit der irakischen Kurden im ehemaligen Hochsicherheitsgefängnis Amna Suraka, jetzt als Gedenkmuseum öffentlich zugänglich.

Ukraine: Informationen über den supertraumatischen Tag des Atomreaktorunfalls in Tschernobyl sind in ein Museum in Kiew eingebettet. Wer sich nicht rechtzeitig ob der streng eingehaltenen Öffnungszeiten für den Einlass qualifiziert, dem bleibt die fragwürdige Möglichkeit, in privaten Online-Reisebüros einen Tagesausflug ins verseuchte Sperrgebiet zu buchen.

Österreich: Der Ort des Schreckens hat hierzulande die Adresse Erinnerungsstrasse 1, 4310 Mauthausen. Prägende künstlerische Momente wie an denen des 8. August 1998 vermochten zu überzeugen, dass Trauer und Trauma auch hier Kunst und Lebenswillen Platz schaffen können. Joe Zawinul führte damals am selben Tag der Enthüllung einer Opfergedenktafel gemeinsam mit Frank Hoffmann vor tausenden Anwesenden eine unvergessliche Klangcollage auf - im Steinbruch des ehemaligen Konzentrationslagers.

Traumatische Gegenwart trifft auf Kunst: new mediative art im aktuellen Kriegskontext Afghanistan

Auch jüngere Geschichte produzierte für viele zweifellos neue Traumata. Stichwort Einsturz der Zwillingstürme: Ist unsere Welt seit 09/11 eine andere? Wurde sie in Gut und Böse geteilt? Wo genau sollte sich dann ihr Grenzschnitt befinden? Auf welcher Seite stehe ich? Auf welcher Seite die anderen? Wer sind die anderen? Bin ich noch ich auf der anderen Seite? Und was ist jetzt plötzlich die andere Seite?

Eine besondere Aktionskunst, ebenfalls mit dem Stempel new mediative art, hinterlegt bei diesen inneren Überlegungen persönliche und angreifbare Fragezeichen. Besucher werden zu Augenzeugen eines buchstäblichen Grenzgangs entlang einem der wahrscheinlich symbolträchtigsten aller noch existierenden Grenzzüge. Dort, wo die Welt, so wie wir sie zu kennen glauben, aufhört und eine andere beginnt. borderline | the walk on the edge entführt den Betrachter in einen unwirklichen Zustand, der auf der Leinwand durch wirkliche Originalaufnahmen eines realen Grenzgangs von 2015 entlang des legendären Oxus zum Jahrestag von 09/11 provoziert wird.