Wenn das kein Karrieresprung ist, eben veröffentlich Rusen Timur Aksak noch in einer AKP-nahen Gratiszeitung, im nächsten Moment in der renommierten Wiener Zeitung. Interessant sind vor allem die Nuancen in denen sich die beiden Kommentare unterscheiden.

Während im türkischsprachigen Wiener "Haber Journal" die Zielgruppe mit der These bedient wird, dass die Mehrheitsgesellschaft einer Bringschuld bei der Integration nicht nachkommt, wird dem Leser der Wiener Zeitung vom selben Autor vermittelt, dass man türkischstämmige Mitbürger tunlichst nicht für ihre Entscheidung pro Erogan-Dikatur kritisieren möge.

Im Haber Journal führt Aksak aus, dass es problematisch sei, dass in der öffentlichen Debatte türkische "authentischen Stimmen" fehlen würden, um die Anerkennung als "vollwertige Mitglieder" in unserer Gesellschaft voranzutreiben.

Was er in beiden Kommentaren nicht erwähnt: seine aktive Beteiligung an der Hetzkampagne gegen eine ebendieser authentischen Stimmen, nämlich gegen die Grüne Abgeordnete zum Nationalrat Berivan Aslan.

Aksak hatte auf seinem Facebook-Account die Falschmeldung verbreitet, dass Aslan für ein "Nein" beim türkischen Verfassungsreferendum in Österreich werben würde. Garniert war diese Fakenews mit einem Foto, das Aslan auf einer Veranstaltung in einer Tiroler Schule zeigt. Perfiderweise war auch das hinter ihr hängende christliche Kreuz hervorgehoben, eine Konnotion die sie bei radikalen Muslimen dem lebensgefährlichen Vorwurf der Apostasie aussetzt.

Ich betreibe einen Internetauftritt, auf dem ich mich mit aktuellen faschistischen Äußerungen befasse. Kurz nachdem ich beschrieben hatte, dass Aksak gefährliche Fakenews über österreichische Nationalräte verbreitet, bekam ich ein Anwaltsschreiben mit der Aufforderung, dies zu unterlassen. Zuerst demokratisch legitimierte Abgeordnete Gefahren aussetzen und dann jene, die darüber wahrheitsgemäß berichten am juristischen Weg mundtot machen zu wollen – wenn das keine faschistischen Methoden sind?