Neues Ö1-Klangdesign -
man gewöhnt sich an alles

Der gelernte Wiener hat für resignative Momente seinen besonderen Trost-Horizont: "Ma g’wöhnt sich an alles . . ." Und so werden wohl nach einer - diesmal eher längeren - Gewöhnungsphase die neuen Ö1-Sendungsintros von Christian Muthspiel keine Aufreger mehr sein, sei es auch bloß aus Resignation. Auch mir kommen die meisten, obwohl durchaus "sophisticated" angelegt, einigermaßen sperrig daher. Mit wenigen Ausnahmen, dazu zähle ich etwa die ziemlich hold klingende Einleitung zu "Du holde Kunst", lässt sich keine auch nur irgendwie erkennbare akustische Vorwegnahme des folgenden Sendungsinhaltes assoziieren. Krasses Exempel dafür ist die Signation zu "Alte Musik neu interpretiert", aus der ich beim besten Willen keinen Bezug zu Barock bis Mittelalter heraushören kann.

Der Verzicht auf eine Senderkennung, wie sie die vertraute Drei-Ton-Folge darstellte, lässt auch deren Wiedererkennen als Zitat in den einzelnen Signations, wie es bei Werner Pirchners Miniaturen der Fall war, vermissen. So eine akustische Kennung macht für mich das Typische und Individuelle jedes Radiosenders aus, egal ob ein Cembalo feierliche Akkorde spielt oder eine Bassgitarre poppige Töne, so wie in der Gründungszeit von Radio Ö1 und Ö3.

Johann Ziegler,
3400 Klosterneuburg

Akustische
Zwangsbeglückung

Die neuen Ö1-Kennungen sind nicht gerade eine Einladung, die jeweils folgende Sendung anzuhören. Nichts gegen Neue Musik: Am Abend im Konzertsaal kann man sich auf neue Klänge einstellen, sich darauf einlassen oder gehen. Im Radio aber ist das eine schwer erträgliche Zwangsbeglückung. Das erinnert mich an das "Pasticcio", wo die Hörer morgens unversehens mit atonalen Klängen genervt werden. Hans Werner Henze oder Kurt Schwertsik zum Frühstück - eine Zumutung.

Die Verantwortlichen bei Ö1 erliegen offenbar dem Irrtum, ohne Konkurrenz zu sein. Radio Klassik Stephansdom oder deutsche Klassiksender via Satellit oder Internet sind aber leicht erreichbare und willkommene Alternativen. Als langjährige Ö1-Hörerin sehe ich auch nicht die Notwendigkeit für neue Signations. Das Geld hätte man besser fürs Programm verwenden sollen oder für die Mitarbeiter, die teils in durchaus prekären Arbeitsverhältnissen gute Sendungen machen. Nachrichten, Journale und andere ausgezeichnete Sendungen bleiben inhaltlich - hoffentlich - ungeschoren.

Helga Plank,

1030 Wien

Wann ist eigentlich
ein Lohn "gerecht"?

Da in der Vorwahlzeit wieder "gerechte Löhne" ein stark bemühtes Thema sind, wollte ich wissen, ob dieser Begriff irgendwo (in einem Gesetz, einer Verordnung, in der Fachliteratur) authentisch interpretiert ist. Da ich aber nichts Genaues fand, bitte ich alle Medien und Zeitungsleser um Mithilfe ...

Herbert Hurtl,
1210 Wien