Familie Tikaev
wurde abgeschoben

Einmal abgesehen von rechtlichen Aspekten, ist es halt einfacher, bereits gut integrierte Menschen -und hier vor allem Familien mit Kindern - abzuschieben, da sie durch ihre soziale Vernetzung leichter fassbar sind als zum Beispiel ein alleinstehender junger Mann, der aufgrund des staatlich verordneten Müßigganges sowieso schon an der Grenze der Legalität lebt. Der taucht einfach unter, während die Familie vielleicht hofft, durch das Einhalten der Gesetze und das Nachkommen der Aufforderung, sich in Schubhaft zu begeben, Gnade zu finden. Mit Grauen denke ich an den ewigen "kleinen Beamten", der wieder einmal nur seine Pflicht erfüllt.

Martin Schwarz,

per E-Mail

Vielleicht machen es
sich die Behörden leicht

Ich stelle wertfrei eine Frage: Warum werden gut integrierte Menschen abgeschoben und straffällig gewordene nicht? Ich möchte den Behörden nicht unterstellen, dass integrierte Personen leichter greifbar sind und es einfacher ist, diese abzuschieben.

Max Meiermann,

per E-Mail

Unser Asylsystem
funktioniert nicht

Das gesamte Auswahlverfahren, wer bleiben darf und wer gehen muss, hat grundsätzliche Fehler. Es wird nach Aktenlage entschieden, aber nicht nach dem Urteil der unmittelbaren Umgebung des Asylsuchenden. Wir brauchen eine gewisse Zuwanderung zur Stabilisierung der Alterspyramide. Mit der derzeitigen Vorgangsweise geht das nicht.

Ewald Pangratz,

1130 Wien

Zum Leitartikel von Walter
Hämmerle, 20. Jänner

Werte und ihre internen Widersprüche

"Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" sind schöne Revolutionsparolen, die letztlich am internen Widerspruch scheitern. Freiheit ist kein absoluter Wert, sondern insofern zu relativieren, als sie für den einen dort endet, wo sie beim nächsten beginnt. Gleichheit und Freiheit stehen in einem konträren Verhältnis zueinander, denn jeder sollte die Freiheit haben, sich von der Norm abzuheben und ein wenig ungleicher zu sein. Brüderlichkeit ist schließlich eine Beleidigung aller realen Verwandtschaftsverhältnisse und durch spektakuläre Leitsprüche nicht zu erzwingen. Alles in allem unrealisierbare Trugbilder.

Mag. Martin Behrens,

1230 Wien

Robert Palfrader spottet
über Glaubensinhalte

Der Kabarettist Robert Palfrader tritt seit kurzem mit dem Soloprogramm "Allein" auf. In mehreren Nummern macht er sich in sehr abfälliger Weise über christliche Glaubensinhalte lustig. Er begründet dies damit, dass er als langjähriger Schüler eines katholischen Internats das Bedürfnis habe, seine negativen Erlebnisse abzureagieren.

Ich sehe darin ein völliges Missverständnis der wahren Bedeutung von Humor. Humor stiftet Gemeinschaft, Spott und Zynismus dagegen sind Denkformen einer negativen Weltsicht. Humor heißt, die Unzulänglichkeit der Welt mit heiterer Gelassenheit zu persiflieren. Jede Religion ist aber für deren Gläubige keine Unzulänglichkeit, sondern sinnvolle, sinnstiftende Lebensgrundlage.

Dr. Oskar Fleischer,

8010 Graz