Die Steiermark braucht
kein neues Zentralspital

Die Steiermark. Das Kärnten der 2020er Jahre. Verschuldet, abgesandelt, aber sexy. Wir zahlen immer noch für die Kulturhauptstadt Graz 2003, wir haben die City of Design, wir bewerben uns um Olympische Spiele - und wir leisten uns ein neues Krankenhaus auf der grünen Wiese, wofür wir drei gut funktionierende Spitäler zusperren.

Wir müssen erst eine leistungsfähige Straße zum neuen Zentralspital in Stainach-Pürgg bauen (was wir seit 40 Jahren nicht geschafft haben, weil wir dann den europäischen Transitverkehr ins Ennstal locken würden).

Wir müssten die Eisenbahnschienen der eingleisigen Kaiserin-Elisabeth-Bahn aus dem 19. Jahrhundert wohl auch einmal auf den Standard des 21. Jahrhunderts bringen.

In der Steiermark soll bei Stainach-Pürgg ein neues Spital gebaut werden. - © fotolia/s_l
In der Steiermark soll bei Stainach-Pürgg ein neues Spital gebaut werden. - © fotolia/s_l

Wir müssen die Sumpfwiese, auf der das neue Spital gebaut werden soll, erst einmal gegen Überschwemmungen - wie wir sie in den letzten Jahren dort immer wieder hatten - sichern (und den Europavogel Wachtelkönig umsiedeln).

Wir müssen sehr, sehr viele Millionen in die Hand nehmen - aber was soll’s. Unsere Landesregierung will ein neues Zentralspital in den sauren Wiesen bei Stainach, obwohl wir die bestehenden Spitäler Schladming, Bad Aussee und Rottenmann in den letzten Jahren mit Millionenaufwand auf den aktuellen Stand gebracht haben. Also zahlen wir. Oder präsentieren unserer prasserischen Landespolitik spätestens bei der Landtagswahl 2020 die Rechnung.

Wien hatte sein AKH und hat sein Krankenhaus Nord, Niederösterreich hat Mödling - da kann de Steiermark nicht nachstehen und rennt mit dem Stainacher Sumpfspital sehenden Auges in den nächsten Skandal.

Robert Riemelmoser,

8786 Rottenmann

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Sabine Ertl, 26. Mai

Unser Natur- und Kulturerbe muss geschützt werden

Es ist zwar richtig, dass die Zerstörung diverser Naturerbestätten irreversibel ist, das Argument, ein Bauwerk könne ja wieder niedergerissen werden, ist nicht wirklich stichhaltig.

Beim abgrundtief hässlichen Bauprojekt Heumarkt handelt es sich um eine Art Eisbrecher, der die Aberkennung des Weltkulturerbes für Wiens historische Altstadt nach sich ziehen würde, wodurch die Stadt im Sinne aller geldgierigen Player bis zur Unkenntlichkeit verändert (sprich verschandelt) werden würde. In der Praxis wäre das dann ebenfalls irreversibel, da schon die bereits weitgehend ruinierte Dachlandschaft nicht mehr rückgebaut wird. Ist der Ruf einmal ruiniert, baut man gänzlich ungeniert.

Waltraut Kupf,

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Bernd Vasari, 24. Mai

Vieles ist unklar beim
Projekt Lobautunnel

Die Berichterstattung zum Lobautunnel zeigt einmal mehr, dass alleine aus demokratiepolitischen Gründen die Hintergründe für die lange Prozessführung beleuchtet werden müssen. Der Durchschnittsbürger meint sonst aufgrund mangelnden Wissens, dass Umweltschützer und Bürger willkürlich die UVP-Verfahren verzögen! Tatsächlich findet keine ehrliche Bürgerbeteiligung statt, weshalb Betroffene erst spät zu Wort kommen.

Heinz Mutzek,

1220 Wien

Wie junge Menschen
Europa entdecken können

Nach langem Hin und Her hat
die EU bekanntgegeben, erstmals 15.000 kostenlose Interrail-Tickets an 18-jährige EU-BürgerInnen auszugeben. Aktivisten und Politiker verschiedenster EU-Länder haben sich jahrelang dafür eingesetzt, dass junge Schüler nach ihrem Schulabschluss in den Genuss eines solchen "DiscoverEU"-Tickets kommen.

Nach dem kürzlich veröffentlichten "Eurobarometer" halten nur knapp über die Hälfte der Österreicher die EU für ein profitables Projekt - der drittniedrigste Wert unter den Mitgliedsstaaten. Selbst die Niederlande, welche nach den Parlamentswahlen 2017 mit Geert Wilders’ rechtspopulistischer Partei (PVV) einen vermeintlich EU-kritischen Ruck erlebte, kamen gemeinsam mit Irland, Deutschland und Luxemburg auf je etwa 80 Prozent Zustimmung.

Es erscheint also in Zeiten von Brexit, Rechtsruck in den Nachbarländern Italien und Ungarn, Donald Trump sowie dem Rechtsstaatlichkeitsverfahren gegen Polen unerlässlich, der österreichischen Jugend die Möglichkeit zu geben, Europa zu entdecken und den Sinn von Zusammenarbeit zu verstehen. Die Anzahl der Bewerbungen in diesem Jahr wird wohl darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang dieses Projekt für die Jugendlichen in den nächsten Jahren verfügbar gemacht wird.

Jonathan Krämer LL.B. MA,

per E-Mail