Sie sind überall in der Welt zuhause. Was kann man sich darunter vorstellen?

"GlobalNatives" hat sich seit der Gründung 2009 ein Team von etwa 100 MitarbeiterInnen aus den unterschiedlichsten Ländern aufgebaut. Mit dabei sind rund 360.000 aktive Familien. 52 Prozent davon sind Europäer. Wir verlangen nur einen bescheidenen Mitgliedsbetrag von 168 Euro. Die Leistung dafür ist gewaltig, denn der Austausch beruht auf Gegenseitigkeit und Vertrauen.

Schicken Österreicher ihre Kinder gerne ins Ausland?

Die Crux der Sache ist, dass auch heute noch die meisten jungen Leute viele Hürden meistern müssen, wenn sie während und nach der Schulzeit Auslandserfahrungen machen möchten. Es sei denn, sie kommen aus einem Elternhaus, in dem Kapital und Kontakte eine Selbstverständlichkeit und Berührungsängste mit fremden Ländern und Kulturen kein Thema sind. Aber das ist eher selten.

Auslandserfahrung in jungen Jahren – ist diese für ein Leben lang prägend?

Wenn ein Kind in jungen Jahren Fremdsprachen hört und andere Kulturen erlebt, wird es Teil des eigenen Ich. Das verliert man nie wieder. Wie Schwimmen und Radfahren. Ich glaube fest daran, dass Kinder durch Auslandserfahrung mit einer völlig anderen Geisteshaltung und Internationalität in die Schule und ins Leben gehen.

Ich erinnere mich in meiner Jugend an die Sorgen meiner Eltern: Wo sollen wir die Kinder denn heuer wieder hinschicken?

Dieses: "Ja, wenn man halt wen kennen würd‘" (…) gibt es nach wie vor. Aber es ist möglich. Für Kinder und ihre Entwicklung – sich selbst zu erfahren und begreifen – bietet ein "Ausflug" in die Welt große Chancen. Sie können so eher herausfinden, ob das ein möglicher Weg ist oder das. Man kann Kindern schon sehr früh Wege öffnen. Nach der Matura jedoch sind manche Weichen schon gestellt. Denn: Jemand, der gerne das macht, was er tun muss, um zu leben, der wird gerne Leben, um zu tun, was er machen muss. Darum sollte man auch anfangen, Montage zu lieben.

Montage?

Ja, hierzulande ist der Wochenbeginn verhasst. Vor 30 Jahren habe ich das erste Mal darüber nachgedacht, dass, sich auf einen Montag nicht zu freuen, bedeuten würde, sich das Leben wegzuwünschen. Im englischsprachigen Raum sagt man dazu: "Wishing your life away". Medial wird uns ja oft eingetrichtert, dass wir am Montag schon froh sein sollten, bald am Freitag angekommen zu sein. Das ist falsch. Jeder Tag ist Lebenszeit. Ist dieser vorbei, kann er durch nichts wiedergelebt werden. Es geht um den Zugang zu einem anderen Lebensstil. Um Wachsein und Neugierde, so dass ich mich auf jeden Montag ein Leben lang freuen kann.