In den karstigen Bergen Pakistans. - © Mike Spencer Bown
In den karstigen Bergen Pakistans. - © Mike Spencer Bown

Reisende haben Geschichten zu erzählen. Vollzeit-Reisende noch viel mehr. Es gibt unter ihnen Trophäenjäger, Freaks, den Typ "Ich habe jedes Land der Welt gesehen" oder den Klassiker. Mike Spencer Bown ist ein solcher. Er ist ein Pragmatiker. Es geht ihm nicht darum, Rekordhalter zu sein oder Länder von der Liste zu streichen noch den nächsten Stempel im Pass zu kriegen. Es reist um der Geschichten willen, es ist ihm ein wahres Bedürfnis, Land und Menschen kennenzulernen. Aber das dauert. Die Reise selbst, das Ankommen, das Sich-Auseinandersetzen mit und dem Lernen von fremden Kulturen. "Allein jedes Land in Asien lang genug zu bereisen, um einen echten Eindruck davon zu bekommen, dauert deutlich mehr als vier Jahre", behauptet er.

Für viele gilt er als Schutzheiliger der Backpacker: Der Kanadier hat 1990 seinen Rucksack gepackt und eine Reise angetreten, die ihn durch alle 195 Länder der Erde führen und die mehr als zwei Jahrzehnte dauern sollte. Er war insgesamt 23 von 25 Jahren unterwegs. Über die Jahre hat er Reisetagebücher aus aller Herren Länder geschrieben, die zweimal so hoch sind wie Moby Dick. Unterwegs per Anhalter, auf Pick-ups und Fähren, auf Pferderücken und in Militärfahrzeugen. Er ist in den tiefen Urwald gefahren, hat Bergketten überquert und sich an den entlegensten unberührten Stränden entspannt. Gegessen hat er lokale Kost in der ganzen Bandbreite. Von Ziegenaugen bis Alligatoren-Nuggets. Bei Affenkadavern hat er jedoch einen Schlussstrich gezogen: "Ein Mann muss seine Grenzen kennen", schreibt er darüber. "Ich kenne ungewöhnliche Kulturen, unmögliche Beamten, verdutzte Einheimische, wilde Tiere, wilde Stammesangehörige und noch wildere Polizisten", erzählt Bown. All das habe er kennenlernen dürfen, als er über den Planeten gestreunt sei.

"Die Welt ist nicht klein", so seine größte Erkenntnis aus zwei Jahrzehnten mehr oder weniger ununterbrochenen Reisens. Mit der Erkenntnis: "Wenn man über einige sehr sonderbare Bräuche und kulturelle Differenzen hinwegsieht, erkennt man, dass die Menschen im Grunde gut sind und es sich lohnt, sie kennenzulernen, egal, welcher Rasse oder Kultur sie angehören." Für Bown geht das Reisen weiter, seine Neugierde ist noch nicht gestillt - und die Welt "groß". Gesichtet wurde er übrigens zuletzt – wenn auch nur kurz - im kanadischen Canmore, Alberta. Denn zu Hause ist er eigentlich nirgends.