• vom 28.12.2006, 16:20 Uhr

Analysen

Update: 28.12.2006, 16:32 Uhr

Das 2006 heiß diskutierte "Institute of Science and Technology Austria" blieb im Volksmund die "Elite-Uni"

Der mühselige Weg zur Exzellenz




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Von Von Heiner Boberski

  • Nach Konflikten siegte die Vernunft.
  • Geduld tut Not, man sollte sie aber nicht überstrapazieren.
  • Wien. Am Anfang stand eine Idee: Österreich braucht eine Einrichtung der Spitzenforschung, eine "University of Excellence". Der Gedanke, erstmals 2002 in Alpbach vom als "Vater des Beamens" bekannten Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger formuliert, geisterte bald als "Elite-Uni" durch die Lande und ließ nicht nur Freude aufkommen. Universitäten und andere Forschungseinrichtungen fürchteten, das neue Projekt werde ihre Budgets schmälern, Studentenvertreter sprachen von "Geldverschwendung" und forderten, alle Unis müssten Elite-Unis sein, Politiker nahmen je nach Regierungsnähe positiv oder distanziert dazu Stellung.

Das Jahr 2006 begann in Sachen "Elite-Uni" mit einem Knalleffekt. Als sich die Bundesregierung Anfang Februar offiziell für das niederösterreichische Angebot und damit für die ehemalige Landesnervenklinik in Maria Gugging bei Klosterneuburg als Standort entschied, zogen sich Anton Zeilinger und zwei andere renommierte Vertreter der Wissenschaft aus dem Projektteam zurück: der bald darauf zum Präsidenten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewählte Chemiker Peter Schuster und der früher an der Spitze des Wissenschaftsfonds FWF tätige Physiker Arnold Schmidt.




Proteste gegen Standort
Seitens etlicher prominenter im In- und Ausland tätiger österreichischer Wissenschafter, der Stadt Wien und der politischen Opposition hagelte es Proteste gegen die Standortwahl. Denn Gugging sei vom Wiener Zentrum aus mühsamer zu erreichen als andere mögliche Standorte wie St. Marx oder Aspern. Der Ort liege zwar schön im Wiener Wald, biete aber kaum Chancen für die Ansiedlung neuer Betriebe ("spin-offs") in der näheren Umgebung der geplanten Exzellenz-Einrichtung.

Hier habe die ÖVP-geführte Bundesregierung dem niederösterreichischen ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll einen Gefallen getan, lautete ein Vorwurf. SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal kündigte an, seine Partei werde nach einem Wahlsieg nach einem neuen Standort Ausschau halten. Die Grünen brachten im Nationalrat 28 Anfragen zum Thema Gugging ein. Bundespräsident Heinz Fischer empfahl, Entscheidungen im Konsens mit den Wissenschaftern zu treffen.

Die Konflikte gingen weiter, als man für das "Aiast" (Austrian Institute of Advanced Science and Technology), wie das Projekt damals genannt wurde, eine neue Bezeichnung suchte. Es nach dem Philosophen Ludwig Wittgenstein zu benennen, lehnten Nachkommen Wittgensteins ab. Im Wissenschaftsministerium entschied man sich für "Institute of Technology - Austria" (Ista), doch in der medialen Öffentlichkeit blieb es bei "Elite-Uni", einem fragwürdigen Begriff, denn an dieser Einrichtung wird man kein Vollstudium absolvieren, sondern nur als Doktorand oder Post-Doc tätig sein können.



Regierung machte Tempo
Die Regierung stellte indessen im Eiltempo die Weichen für die Verwirklichung des Ista und legte Ziele und Grundsätze, Finanzierung und Organe fest. Für die ersten zehn Jahre wurden Kosten von 571,5 Millionen Euro veranschlagt, davon 455 Millionen für den laufenden Betrieb, die aus Bundes-, Landes- und Drittmitteln aufgebracht werden sollen.

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Dokument erstellt am 2006-12-28 16:20:51
Letzte Änderung am 2006-12-28 16:32:00


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