• vom 15.01.2018, 18:17 Uhr

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Update: 16.01.2018, 09:20 Uhr

Tschechien

Für Zeman wird es eng




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Von Klaus Huhold

  • Bei der Stichwahl zur Präsidentenwahl spricht vieles für Jiri Drahos, den Gegner des tschechischen Staatschefs.

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Prag/Wien. Der Liedtexter und Millionär Michal Horacek war offenbar vor der ersten Runde der tschechischen Präsidentenwahl sehr optimistisch: Der Kandidat, der einst mit Wettbüros reich wurde, hatte schon die Plakatwände für die zweite Wahlrunde reserviert und auch bezahlt. Allerdings wurde er im ersten Durchgang, der am Wochenende stattfand, nur Vierter, weshalb er nicht in die Stichwahl einzog. Seine Plakatwände will der 65-Jährige nun verschenken - und zwar an den Universitätsprofessor und früheren Chef der Akademie der Wissenschaften, Jiri Drahos. Dieser wurde mit 26,6 Prozent der Stimmen Zweiter und tritt in zwei Wochen gegen Amtsinhaber Milos Zeman an, der mit 38,6 Prozent den größten Zuspruch erhielt.

Das Ergebnis ist nur auf den ersten Blick ein Erfolg für Zeman. Auf den zweiten Blick ist Drahos dem 73-Jährigen dicht auf den Fersen; manche tschechische Kommentatoren stellen sogar schon Rechenspiele an, die Drahos in Front sehen. Denn der 68-Jährige erhält enorm viel Unterstützung: Nicht nur Horacek, auch der an dritter Stelle platzierte Diplomat Pavel Fischer (10,2 Prozent), der an fünfter Stelle gelegene Arzt und linksliberale Aktivist Marek Hilser (8,8 Prozent) sowie Ex-Premier Mirek Topolanek (4,3 Prozent) haben sich hinter Drahos gestellt. Addiert man diese Stimmen der Unterstützer zu denen, die Drahos erhalten hat, ergibt das satte 59, 1 Prozent. Für Zeman hat sich lediglich der Musikproduzent Petr Hannig ausgesprochen, der nur 0,5 Prozent der Stimmen erhielt.


Duell der Gegensätze
Allerdings: Eine Wahlempfehlung ist noch keine fixe Stimme. Drahos selbst äußerte sich auch vorsichtig: "Die Arithmetik funktioniert nur in Schulheften so. Die Wahlarithmetik geht ganz anders", sagte der Chemiker, dessen Name mit 14 Patenten verbunden ist. Doch tatsächlich könnte ihm ein Großteil der Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten zufallen: Denn weltbildlich steht Drahos diesen viel näher als Zeman. Der Akademiker tritt für ein Tschechien ein, das fest in EU und Nato verankert ist und sich an der westlichen Wertegemeinschaft orientiert. Zeman hingegen hat die EU immer wieder in rüdem Ton angegriffen und große Sympathien für Russland und China gezeigt. Er nannte die völkerrechtswidrige Annexion der Krim eine vollendete Tatsache und meinte bei einem Besuch in der Ein-Parteien-Diktatur China, dass man von der Volksrepublik lernen könne, "wie man ein System stabilisiert". Drahos kann darauf zählen, dass er als Anti-Zeman Wähler mobiliseren kann. Denn das Votum ist auch ein Referendum über den Amtsinhaber.

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Dokument erstellt am 2018-01-15 18:20:09
Letzte nderung am 2018-01-16 09:20:55



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