• vom 13.11.2017, 10:28 Uhr

Der Kritische Punkt

Update: 16.11.2017, 13:57 Uhr

Skispringen

Skispringer starten in Olympia-Saison




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Von Matthias Winterer

  • Neues Reglement, verletzte Routiniers, Skispringer im Parlament, Kommerz und natürlich Noriaki Kasai. Was im Sommer im Skisprungzirkus geschah und was uns im Winter erwartet.

Stefan Kraft dominierte den vergangenen Winter. Er gewann den Weltcup, wurde Doppelweltmeister, flog Weltrekord. Doch wie stehen seine Chancen heuer? In einer derart sensiblen Sportart, wie dem Skispringen, sind Prognosen schwierig. Der Weltcup-Auftakt am Samstag im polnischen Wisla wird erste Tendenzen zeigen. 
- © APA / dpa, Daniel Karmann

Stefan Kraft dominierte den vergangenen Winter. Er gewann den Weltcup, wurde Doppelweltmeister, flog Weltrekord. Doch wie stehen seine Chancen heuer? In einer derart sensiblen Sportart, wie dem Skispringen, sind Prognosen schwierig. Der Weltcup-Auftakt am Samstag im polnischen Wisla wird erste Tendenzen zeigen.

© APA / dpa, Daniel Karmann

Endlich beginnt sie wieder, die schönste Zeit des Jahres - die Sprungsaison. Und die hat es in sich. 29 Einzel- sowie fünf Teamwettbewerbe erwarten die männlichen Springer. Außerdem wird bei der Skiflugweltmeisterschaft im Jänner in Oberstdorf ihr König gekürt. Danach geht es zu den Olympischen Winterspielen nach Südkorea. Eine Saison voller Highlights. Doch bevor wir in die Zukunft blicken, schweift unser Blick in die tote Zeit des Jahres - die Zeit ohne große Sprünge.

Was ist über den Sommer im Sprungzirkus also passiert? Gregor Schlierenzauer tastete sich - mit einem Top-Fünf-Ergebnis beim Mattenspringen in Klingenthal und dem Vize-Staatsmeistertitel - wieder an die Weltspitze heran, bevor er sich neuerdings am rechten Knie verletzte. Er muss mehrere Wochen pausieren und verpasst den Saisonauftakt Mitte November im polnischen Wisla. Auch Michael Hayböck verknöchelte Ende Oktober beim Stiegenlauf im Trainingslager auf Zypern. Mittlerweile springt der Oberösterreicher jedoch wieder und dürfte in Polen mit dabei sein.

Janda verabschiedet sich in die Politik

Noch Unerfreulicheres vernimmt man aus Tschechien. Skisprung-Routinier Jakub Janda hört auf. Das alleine wär für einen 39-jährigen - seit Jahren aus der Form gekommenen - Skispringer weniger schlimm. Der Grund dafür schon. Janda sitzt jetzt für die liberal-konservative Demokratische Bürgerpartei (ODS) als Abgeordneter im tschechischen Parlament.

Irgendwie verwunderlich, dass sich ehemalige Sportler nahezu ausnahmslos in konservativen oder rechten Parteien engagieren. Kira Grünbaum (ÖVP) tut es, Patrick Ortlieb (FPÖ) tat es, genauso wie Klaus Lindenberger (FPÖ) und Arnold Schwarzenegger (Republikaner). Nun also auch Janda. Wäre irgendwie erfrischend, würde ein Skispringer für eine dezidiert linke Partei kandidieren. Eigentlich wollte sich Janda noch eine Saison antun. "Überraschend" wurde er jedoch ins Parlament gewählt.

Kasai forever

Weniger Überraschendes passierte in Japan. Dort sprang bei den Staatsmeisterschaften einer den anderen um die Ohren. Überflüssig zu erwähnen, dass es sich um Herren Noriaki Kasai handelt. Er macht das seit Jahrzehnten und wird es noch unzählige weitere tun.

Eine Neuerung im Skisprung-Reglement wird dem 45-jährigen Japaner jedoch zu schaffen machen. Denn ab heuer müssen sich alle Springer ausnahmslos für jeden Wettkampf qualifizieren. Bis jetzt konnten die ersten zehn der Gesamtwertung auf den Qualifikationssprung verzichten. Kasai sparte so oft Kräfte. Jetzt sind wir doch wieder in der Zukunft. Wenn wir schon dabei sind, können wir auch gleich im Kaffeesud lesen.

Werbung und Alpen-Disco-Volksgetümmel

Die großen Favoriten der kommenden Saison sind zweifellos die Polen, allen voran Dawid Kubacki, der den Sommer-Grand-Prix dominierte. Auch der Slowene Anže Lanišek zeigte gute Leistungen. Viele haben den deutschen Andreas Wellinger auf der Rechnung. Und natürlich ist auch wieder mit dem österreichischen Gesamtsieger des Vorjahres, Stefan Kraft, zu rechnen. Namen wie Noriaki Kasai, Peter Prevc, Kamil Stoch oder Gregor Schlierenzauer kann man sowieso niemals ausschließen.

Ansonsten wird auch in der kommenden Saison die Kommerzialisierung des Sprungsports munter weiter getrieben. Neben der traditionellen Vierschanzen-Tournee und der norwegischen Raw-Air-Serie landet mit dem "Willingen Five" eine neue "Mini-Tournee" im Skisprungkalender. Dabei springen die Athleten an drei aufeinanderfolgenden Tagen fünf Mal (1 Qualifikation, 2 Bewerbe). Wer aus allen Sprüngen die meisten Punkte ergattert, erhält 25.000 Euro. Ein neuer Event. Eine neue Möglichkeit der Vermarktung. Die Frequenz betrunkener "FIIIIIINAAAALE"-Schlachtrufe wird sich noch einmal schlagartig erhöhen. Aus den Boxen wird noch lauter unsägliches Alpen-Disco-Volksgetümmel dröhnen. Werbebanner, mit Bier-Logos bedruckte Fahnen, die riesigen Heißluftballone der Versicherungsunternehmen werden auch die letzte freie Sicht auf die Schanze verstellen. Aber ja, was soll´s. Im Fernsehen kann man sich zwischen den Werbungen ja eh kurz die Sprünge ansehen.

Nichtsdestotrotz lassen wir uns die ästhetischste aller Sportarten nicht vom Kapitalismus zerstören und freuen wir uns weiter auf die schönste Zeit des Jahres.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-13 11:05:42
Letzte Änderung am 2017-11-16 13:57:43












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